Review

Um es gleich vorweg zu sagen, mit Kannibalen hat dieses Franco Filmchen nichts zu tun. Hier turnen zwar auch wieder ein paar Eingeborene recht leicht bekleidet durch den afrikanischen Urwald, aber verspeist wird diesmal niemand. Nur dem geldgeilen deutschen Verleih verdankt dieser Streifen seine Verbindung zur berüchtigten Mondo Cannibale Reihe. Dazu schnell noch irgendwas von Hardcore- und Softcorefassung auf das Cover kritzeln und fertig ist der Etikettenschwindel.

Statt um Menschenfresser geht es in Wirklichkeit aber um eine Gruppe von Forschern, die von einer reichen Frau den Auftrag erhalten, ihre seit Jahren verschollene Tochter im afrikanischen Urwald zu suchen. Das Mädchen mit dem klangvollen Namen Liana (hangelt sich passend dazu auch öfters im Lendenschurz und mit Tarzangebrüll von Baum zu Baum) lebt dort nämlich seit einem Flugzeugabsturz mit ihrem Vater bei einen Eingeborenenstamm und wird als „weiße Göttin" verehrt. Als das Expeditionsteam die Beiden findet und auch noch Diamanten auf dem Gebiet entdeckt, kommt es zu Auseinadersetzungen innerhalb der Gruppe und mit den Wilden...

Die lachhafte und mit den üblichen „Weißer Mann - Schwarzer Mann" - Klischees getränkte Geschichte, dümpelt über die volle Laufzeit ganz ohne große Aufreger so vor sich hin und hat weder irgendwelche Spannungsmomente noch sonst etwas, das den Zuschauer länger als fünf Minuten bei der Stange halten kann. Auch das für Franco typische Unvermögen, dass mal wieder an allen Ecken und Enden sichtbar wird, ist kaum zur Unterhaltung gut.
Wie in vergleichbaren Werken werden Szenen aus Dokumentationen ohne großes Geschick und deutlich erkennbar in den Film kopiert, weil echte Aufnahmen von Tieren und Landschaften zu teuer gewesen wären. So kriegt man zwar ein paar nette Afrikabilder zu sehen, die im Vergleich zum erbärmlich dekorierten Eingeborenendorf wenigstens authentisch ausschauen, aber Mühe beim Zusammenschnippeln hat sich der Herr im Schneideraum nicht wirklich gegeben und so wirkt das Ganze dann öfter doch ziemlich abgehackt.
Neben der jämmerlichen technischen Umsetzung agieren auch die Darsteller allesamt auf unterstem Niveau. Overacting oder doch Underacting? Eigentlich wohl eher „Noacting" und zwar in seiner reinsten Form, aber mehr braucht man ja auch nicht, wenn man nur unentwegt seine Hupen in die Kamera halten muss. Wirklich explizites gibt es dabei aber nicht zu bewundern (jedenfalls in der Fassung die ich gesehen habe), sondern nur den für Eurocine typischen Billigsex.
Wer jetzte auf Gore oder Ähnliches hofft, um dem ganzen Elend wenigstens irgendetwas abgewinnen zu können, der kann lange warten, denn für mehr als zwei ultra kurze und dazu noch ultra miese Bluteffekte hat das Geld anscheinend nicht gereicht. In dieser Beziehung haben die anderen Eingeborenenreißer von Franco dann doch etwas die Nase vorn, denn der sich vor dem Bildschirm quälende Zuschauer, wird dabei wenigstens immer mal wieder von etwas roter Soße aus seinem geistigen Dämmerzustand aufgeschreckt.
Einziges Highlight dieser Zelluloidverschwendung sind ein paar der miesesten Dialoge seit Erfindung des Tonfilms. Etwa eine herrlich dümmliche „Liebe Neger" Ansprache, die Heinrich Lübke wohl auch nicht besser hätte formulieren können oder eine Szene, in der Katja Biernert ihrem Stecher erklärt, sie würde nur mit in die Zivilisation zurückkehren, wenn ihr bester Freund, ein drei Tonnen schweres Nashorn, mitkommen darf.

So bleibt unter dem Strich dann einfach nur ein erbärmliches filmisches Armutszeugnis. Franco macht mal wieder alles falsch was man so falsch machen kann und schafft es sogar, seinen mehr als miesen Jungfrau unter Kannibalen Murks noch zu unterbieten. Auch für Trashfans eine kaum zu ertragende Zeitverschwendung. (1,5/10)

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