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Eines Tages stürzt über dem afrikanischen Busch ein Sportflugzeug ab. Die einzigen Überlebenden sind ein Mann und seine etwa zehn Jahre alte Tochter. Von den Eingeborenen, die den Absturz beobachtet haben, werden sie von nun an als Götter verehrt. Viele Jahre später macht sich im Auftrag der steinreichen Mutter des Mädchens ein Suchtrupp auf den Weg, um die Verschollene zu finden. Auch der Onkel des Mädchens und dessen Frau gehören zu den Teilnehmern an der Expedition. Da die beiden um ihr Erbe fürchten, haben sie den Plan gefasst, das Mädchen zu töten, falls es bereit sein sollte, in seine Heimat zurückzukehren. Als die Gruppe die Absturzstelle erreicht, werden sie von den Einheimischen gefangengenommen und vor den "großen weißen Gott" geführt. Dieser ist niemand anderer als der Vater des Mädchens. Dann erscheint auch die inzwischen erwachsene Tochter auf der Bildfläche, die halbnackt im Urwald lebt. Sie weigert sich jedoch, Afrika zu verlassen. Statt dessen läßt sie sich von Al Pereira, einem Mitglied der Expedition, in die Geheimnisse der körperlichen Liebe einweihen. Als Pereira jedoch entdeckt, dass in dem Gebiet massenhaft Edelsteine zu finden sind, kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Eingeborenen, in deren Verlauf die Teilnehmer der Expedition ihr Leben verlieren. Pereira kann zunächst entkommen, doch als er versucht mit einem Sack voller Edelsteine zu flüchten, wird er vom "großen weißen Gott" erschossen.

Franco oder nicht Franco, das ist im Falle von EL TESORO DE LA DIOSA BLANCA [Der Schatz der weißen Göttin] mal wieder kaum zu entscheiden, doch dazu später mehr. Tatsache ist allerdings, dass es sich bei diesem Film um Eurociné-Schrott aus der untersten Schublade handelt. Der Streifen ist von kaum auszuhaltender Dämlichkeit, und die völlige Inkompetenz, die vor und hinter der Kamera herrschte, lacht dem Zuschauer aus jeder einzelnen Szene ins Gesicht. Die Bilderbuchafrikaner tummeln sich in einer südländischen Palmenlandschaft, das Drehbuch verarbeitet die übelsten Afrika-Klischees und die an der Expedition teilnehmenden Frau eiert mit roten Lederstiefletten durch den Busch. Im Booklet der DVD heißt es in diesem Zusammenhang u.a.: "Die Wilden selber sehen ab und zu ein wenig albern aus [...] doch es sind auf jeden Fall echte Eingeborenen (sic) unter diesen Laiendarstellern." Die Szenen, in denen Katja Bienert, auf Tarzans Spuren, unbeholfen wie ein nasser Sack an Lianen hängend durchs Bild segelt, dabei ein dünnes "Ahhhwuuhuuu!!" ausstoßend, würden einem Johnny Weismüller sicherlich die Schuhe ausziehen. Im Booklet schreibt A.Bethmann: "Erotikstar Katja Bienert ist die Idealbesetzung für die Rolle, auch wenn einige Aufnahmen etwas albern wirken." Neben der Kleinmädchenerotik, für die die Bienert und die ebenfalls halbnackte, farbige Kindfrau Aline Mess zuständig sind, hat der Film auch ein paar etwas handfestere, wenn auch wenig erotische, Sexszenen zu bieten. Die Anschlussfehler sind im Übrigen kaum zu zählen, und untermalt wird das Ganze von einer nervenzerrenden Soundkakophonie. Schließlich sind auch die Dialoge von besonderer "Qualität". So sagt Mayans in einer Szene des Films zu der an der Expedition teilnehmenden Frau: "Auch sie müssen wie ein Mann handeln! Ich gebe zu, dass das schwierig wird." Später wird Mathot folgender Satz in den Mund gelegt: "Schönen guten Tag, wie geht es ihnen, liebe Neger?" Man fasst es nicht. Am Ende schließlich kommt es zu folgendem, inhaltsschweren Dialog zwischen Loba und dem "großen weißen Gott", dargestellt von Franco-Hauskomponist Daniel White, von dem in einer anderen Szene ein Foto aus jungen Jahren zu sehen ist.
Loba: "Es war richtig, weiße Mann zu töten. Hättest du es nicht getan, müssten wir mit der Göttin kämpfen." - "Du bist glücklich, dass er tot ist?" - "Ja." - "Weil er weiß ist?" - "Ja, deshalb." - "Du hasst alle Weißen!" - "Ja, und du weißt auch, warum. Weil sie unser Land ausplündern wollen. Sie werden uns alle umbringen und unsere Heimat vernichten!" - "Ich verstehe, du hast mich die ganze Zeit gehasst. Ich hätte es wissen müssen. Du hast uns beide zu Göttern gemacht, damit du regieren konntest." - "Die alten Götter waren tot. Unsere neuen Götter sind weiß. Sie fliegen jeden Tag über unseren Himmel und hinterlassen weiße Spuren." - "Dann hat uns also deine Mutter, bevor sie starb, auserwählt, und du hast das Spiel fortgesetzt, um dein Volk zusammenzuhalten." - "Die weißen Götter kommen in einem fliegenden Boot vom Himmel, um uns Kraft zu geben gegen den weißen Mann, den Zerstörer unserer Erde."
Was will uns der Künstler damit nur sagen? Und noch bevor der letzte Satz ganz ausgesprochen ist, ist der Film auch schon zu Ende. Man hat den Eindruck, dass das Geld der Produzenten nicht ganz gereicht hat, um den Streifen zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen.
Und wer hat nun die "Ehre", sich diesen Film seiner Filmographie gutzuschreiben? In "Obsession - The Films of Jess Franco" wird EL TESORO DE LA DIOSA BLANCA eindeutig dem spanischen Trash-König zugeschrieben, und auch die neuesten Veröffentlichungen des Films führen seinen Namen im Vorspann. Während diese Versionen ansonsten kaum irgendwelche anderen Mitwirkende des Films auflisten, finden sich am Ende einer älteren deutschen Videoveröffentlichung des Films scheinbar die originalen Credits der französischen Version, die zum Teil stark von denen abweichen, die im Franco-Buch genannt werden. Als Regisseur wird hier ein gewisser "Claude Plaut" genannt, auf der Web-Site von Eurociné wird der Film wiederum einem gewissen Cole Polly zugeschrieben, allem Anschein nach ein erfundener Name. Da sich im Grunde alle Eurociné-Produktionen durch eine hohe Schlampigkeit auszeichnen und sich Eigenheiten einzelner Regisseure nicht ausmachen lassen, und die Produzenten mit Pseudonymen nur so um sich schmeißen, ist es im Grunde müßig, darüber zu spekulieren, wer diesen Film inszeniert haben mag. Zumindest zu denken geben sollte aber die Tatsache, dass der Name Claude Plaud (sic) der Geburtsname des Eurociné-Regulars "Oliver Mathot" ist. Dieser wiederum war Regie-Assistent bei Franco's MONDO CANNIBALE. Nun denn, da lässt sich trefflich streiten. Aber sei's drum, ob von Franco oder nicht, das bleibt sich gleich. Jämmerlich ist das Filmchen allemal.
Auf dem Cover der "X-Rated Kult DVD" wird u.a. mit dem Hinweis geworben: "Diese DVD ist in einer spezialen Erotik-Cut-Fassung weltweit hier zum ersten Mal erschienen." und im Booklet wird behauptet: "In Deutschland ist der Film 1999 zum ersten mal veröffentlicht worden." Unterschlagen wird dabei allerdings die Tatsache, dass der Film im November 1989 unter dem Titel DIAMONDS OF KILIMANDJARO bereits in deutscher Sprache bei dem obskuren Label "Condor International" herausgekommen ist. Diese Version unterscheidet sich leicht von den anderen Fassungen des Films. So bildet der Absturz des Flugzeuges, der in der DVD-Version nach ca. 13 Minuten in Form einer Rückblende eingefügt wurde, hier einen Prolog. Die Vorspannmusik ist ebenfalls nicht identisch mit der der DVD-Version. Während das Bild der DVD-Fassung im Format 1:1.66 vergleichsweise gut ist, springt das Bild der Videoversion unregelmäßig zwischen Scope- und Normalformat hin und her.
In einigen Quellen taucht in der Liste der Darsteller neben Katja Bienert auch noch eine Gewisse Katja Wiener auf. Dabei handelt es eindeutig um die Übernahme der falsche Schreibweise von K.Bienerts Namen, wie sie sich auf einem spanischen Filmplakat (oder Videocover) findet, welches in dem Buch Obsession abgedruckt wurde.

OLIVER MATHOT
wurde als Claude Plaud am 22.6.1924 geboren. Laut IMDb war er seit 1945 in rund 100 Filmen zu sehen und drehte drei Filme als Regisseur. In den 50er Jahren agierte er überwiegend in Kostümfilmen wie etwa "Die Kameliendame" (53), bevor er in den 60er und 70er Jahren verstärkt in europäischen B-Filmen aller Genres auftrat. In den 70er Jahren begann er auch regelmäßig in Eurociné- und Jess Franco Filmen mitzuwirken.

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