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"Linkeroever" (so der Originaltitel des Films, der einen Teil der Stadt Antwerpen bezeichnet) beschreibt in teils wirklich faszinierend komponierten Scope-Bildern die Entdeckungsreise einer jungen Athletin auf der Suche nach Spuren einer verschwundenen Hausbewohnerin, aber in letzter Konsequenz auch nach sich selbst. Marie (Eline Kuppens), eine erfolgreiche Nachwuchs-Läuferin, die kurz vor der Teilnahme an einem bedeutenden europaweiten Wettkampf steht, gerät durch eine Verletzung, die sie zum Teilnahmeverzicht zwingt, in eine persönliche Sinnkrise. Schließlich stößt sie durch ihren neuen Freund Bob (Matthias Schoenaerts) auf eine seltsame Kultgemeinschaft. Natürlich ist es kein Zufall, dass die beiden zusammengekommen sind ...

Parallel dazu entdeckt Marie im Zusammenhang mit ihrer Sportverletzung an sich Veränderungen - in seiner Körperbezogenheit hat der Film etwas Cronenberg-haftes -, deren Herkunft zunächst rätselhaft bleibt. Die sinnstiftende Wendung gegen Ende ist keine alles lupenrein und simplifizierend erklärende Auflösung, sondern in gewisser Weise wieder ein neues Rätsel. Aber es handelt sich um eine faszinierende Idee, die wunderschön umgesetzt ist.

Durch die wunderbar natürlich spielende, attraktive, aber nicht püppchenhafte Eline Kuppens und ihren passend undurchschaubar wirkenden Partner Matthias Schoenaerts bekommt die Spuren- und Sinnsuche Maries eine subtile, aber stets präsente Spannung. Okkult-Grusel der zurückhaltenden Sorte, fernab jedes aufdringlichen Klischees und Schockeffekts. Dass der Film mitunter sehr schlecht bewertet wird, kann ich persönlich mir nur damit erklären, dass die betreffenden Zuschauer eher einen konventionellen Horrorfilm erwartet haben, den der unglücklich entstellte DVD-Titel "Nightmare on Left Bank" anzukündigen scheint. Hier werden aber weniger Horrorkonventionen befolgt als vielmehr ein aufregender eigener Weg eingeschlagen, der orientiert an der Odyssee einer jungen Frau auf dem Weg zu sich selbst auch im Alltäglichen das Mysteriöse findet - bis zum durchaus okkulten, aber auch dort niemals klischeehaft, sondern stets selbständig und ideenreich wirkenden Finale.

Dieses Juwel aus Belgien kann ich Freunden des besonderen Genrefilms nur ans Herz legen.

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