„Das Haus hat etwas Unheimliches an sich – eine schlechte Aura!“
Bekanntermaßen war es Ende der 1980er mit der italienischen Filmindustrie nicht mehr allzu weit her; umtriebige Regisseure wie Umberto Lenzi („Die Kröte“) drehten dennoch fleißig weiter, u.a. weil Joe D’Amato („Man-Eater“) mit seiner „Filmirage“-Produktionsschmiede die Möglichkeit bot, weitere Genre-Filme zu realisieren – wenn auch zu unfassbar niedrigen Budgets. Eine dieser Produktionen nennt sich hierzulande „Ghosthouse“, wurde 1988 in der italienischen Heimat jedoch dreisterweise als „La Casa 3“ und somit als Fortsetzung der „Tanz der Teufel“-Reihe vermarktet, womit Lenzis Film jedoch nichts zu tun hat – weder inhaltlich noch qualitativ.
Die kleine Henrietta (Kristen Fougerousse) hat anscheinend eine Katze abgestochen und wird dafür von ihren Eltern im Keller eingesperrt. Doch plötzlich verformt sich eine Glühlampe und zerspringt, woraufhin der Vater (Alain Smith) mit einer Axt erschlagen wird. Und nachdem sich auch der Spiegel verformte und in Splitter zerbarst, wird der Mutter (Susan Muller) die Kehle aufgeschlitzt. 20 Jahre später besucht Martha (Lara Wendel, „Tenebrae“) ihren Freund Paul (Greg Scott, „Mary Lou“), einen begeisterten CB-Funker. Dieser hat seltsame Hilferufe empfangen und versucht, den Absender ausfindig zu machen. Das Signal führt zu einem verlassenen Haus, an dem sich vier Freunde mit einem Wohnmobil abgesetzt haben. Die Stimme passt zu einem der Kampierer, doch der kann sich nicht erinnern, jemals einen solchen Funkspruch abgesetzt zu haben. Es dauert nicht lange und der Geist der toten Henrietta, stets mit ihrer Harlekinpuppe in den Händen, beginnt, die Anwesenden zu terrorisieren…
Der auf US-Haunted-House-Horror getrimmte Film wurde in Massachusetts angesiedelt, wo er größtenteils in den Kulissen des Italo-Kult-Horrors „Das Haus an der Friedhofmauer“ spielt, die jedoch nicht einmal halb so unheimlich wie seinerzeit unter Fulci zur Geltung gebracht werden. In taghell ausgeleuchtetem Ambiente versucht Lenzi, ein Spukfeuerwerk irgendwo zwischen „Poltergeist“ und „Amityville Horror“, Teil 127, zu zünden, was trotz einiger guter Einfälle und nett-blutiger Spezialeffekte nicht so recht gelingen will. Da geht Martha alias Lara Wendel (nachdem sie zuvor tatsächlich eine Wendeltreppe betreten hatte!) nach dem harschen, eingangs beschriebenen Prolog allein in den Keller, wo Gefäße explodieren, ein Ofen Feuer spuckt und ein Kopf in der Waschmaschine rotiert. Da erscheint Henrietta mit ihrer Puppe auf dem TV-Gerät im Wohnmobil, das daraufhin durchgeschüttelt wird, und sitzt böse guckend im Keller, woraufhin Funker Jim (Martin Jay) von einem Ventilatorenblatt getötet wird. Die Harlekinpuppe macht sich gar selbständig und greift Martha an, die junge, rothaarige Frau wird kurzerhand halbiert, einer der Herren der Schöpfung macht auf Milky Way und schwimmt sogar in Milch, der weggebrochene Fußboden sieht aus wie Schokostückchen… Nebenbei wird Donal(d) O’Brien („Lauf um dein Leben“) als verschrobener, böser alter Valkos eingeführt, der grimmig grimassieren darf, schließlich auf den aktuellen Bestatter des Örtchens losgeht und ihn bei noch lebendigem Leibe in einen Sarg sperrt. Noch weniger Sinn ergibt ein nerviger Afro-Amerikaner mit seiner albernen Scherzartikel-Skeletthand, der, nachdem er bereits anfänglich als Tramper in Erscheinung getreten war, wieder auftaucht und ebenfalls das verwunschene Haus betritt.
Das war es im Groben und auf die Handvoll guter Szenen folgen immer wieder schlechte Kostüme und unfassbar miese Ideen, die leider auch keinen sonderlich unterhaltsamen Trash-Faktor aufweisen, die „Ghosthouse“ aus seiner über Weite Strecken einschläfernden Lethargie wecken könnte. Dies schafft auch der Soundtrack nicht, der mit einem wabernden Synthie-Teppich beginnt, in der filmischen Gegenwart zu fröhlicher unbeschwerter Musik umschwenkt und mit Betreten des Hauses wieder den Waberizer auspackt. Als atmosphärisch zuträglich erweist sich immerhin die seltsame Kindermelodie, die immer wieder zum Einsatz kommt. Die Charakterzeichnungen hingegen bleiben stets oberflächlich und sind so derart uninteressant und langweilig, ja, geradezu lustlos konzipiert worden, dass ich weder einen Bezug zu ihnen aufbauen konnte, noch von ihren Dialogen, ihrem Verhalten oder ihrem Schauspiel unterhalten wurde – mit Ausnahme der O’Brienschen Kurzauftritte, versteht sich. Das hölzern aufspielende Ensemble bleibt vollkommen austauschbar, selbst Lara Wendel bleibt blass – und trägt zu allem Überfluss im Epilog eine unheimlich geschmacklose Fransen-Jeansjacke spazieren. Die Hintergründe der Ereignisse – (Achtung, Spoiler!) Henriettas Vater stahl als Bestatter kleine Dinge von Verstorbenen, u.a. jene Harlekinpuppe – ist nun auch nicht gerade der große überraschende Aha-Effekt und erklärt die Vorgänge, die das schluderig wirkende Drehbuch bereithält, lediglich unzureichend.
Unterm Strich bleibt leider nur ein weitestgehend ineffektiver Möchtegern-Italo-Grusler im schlimmen End-‘80er-Billig-Look, der meine Aufmerksamkeitsspanne trotz wohlwollender Herangehensweise nicht aufrechterhalten konnte und nie so richtig aufregend, dafür aber immer schlechter wurde. Nicht, dass die Italiener nicht noch viel schlechter gekonnt hätten, aber „Ghosthouse“ ist schon ein klares Beispiel für unterdurchschnittliche Genrekost, die lediglich für Komplettisten von leidlichem Interesse sein dürfte.