Review

Tierhorror aus Südkorea ist im Allgemeinen doch eher etwas ungewöhnlich, vor allem wenn mutierte Wildscheine in den Fokus der Geschichte geraten.
So kommt es, wie sehr häufig bei asiatischen Beiträgen, dass man sich nicht voll das Thema konzentriert, sondern eine Menge Drumherum aufbaut, welches für die Handlung völlig ohne Belang ist. Oder anders: Die satten 124 Minuten Laufzeit hätte man auch locker auf 85 Minuten straffen können.

Entsprechend fällt die komplette erste Stunde reichlich unvorteilhaft aus, in der man erzählt, wie Polizist Kim von Seoul aufs Land befördert wird, wo vor kurzem eine Leiche verschwand.
Als ein paar Stadtmenschen ihre Bio-Ernte einfahren wollen, wird jemand von einem riesigen Wildschwein verschleppt. Ein paar Jäger wähnen den Killer auf vier Beinen erlegt zu haben, doch dieser wartet nur auf den richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen…

Die eher beschwingte Stimmung wird primär von den merkwürdigen Figuren erzeugt, welche größtenteils nicht ernst genommen und klamaukartig dargestellt werden.
So gibt es unter den Polizisten einen Angsthasen, einen impulsiven Chef, im Wald eine verrückte Frau, die einen Jungen schlägt und darauf besteht, Mutter genannt zu werden, dazu die verrückte Mutter von Polizist Kim, die sich ständig über Essen hermacht und einige weitere skurrile Typen.
Lediglich einen älteren Jäger kann man ernst nehmen, er geht auch als einziger als Sympathieträger durch, bekleidet jedoch eher erklärende Funktionen.

Somit geschieht in der ersten Hälfte fast nichts auf Tierhorror-Basis, es spritzt ein wenig Blut im Off, während das mutierte Wildschwein erst nach rund 60 Minuten in Erscheinung tritt, als es die Versammlung in einer kleinen Stadthalle angreift.
Und siehe da, plötzlich geht die Post ab. Das etwa zwei Meter große Vieh aus dem Computer sieht erstaunlich gut aus, fügt sich hervorragend in die Kulissen ein und fegt einige Requisiten eindrucksvoll beiseite. Zwar fließt noch immer kein Blut, doch für eine Weile ist zumindest Tempo im Spiel.

In der letzten halben Stunde konzentriert man sich letztlich voll auf das Katz-und-Maus-Spiel, die Szenerie wird zunächst in den Wald verlagert, bis ein Heldenpaar das Vieh in ein still gelegtes Bergwerk lockt, wo es zu einer rasanten Fahrt mit einer Draisine kommt.
Der Showdown überzeugt nochmals mit spannenden Momenten und gutem Timing, wobei das Zusammenspiel zwischen effektiver Kamera und treibenden Score ein deutliches Plus darstellt.

Schade, dass der Streifen eine fühlbare Ewigkeit benötigt, um auf den Punkt zu kommen und das Wildschwein als auch seine potentiellen Opfer/Jäger erst im letzten Drittel zu guter Form auflaufen. Denn der erste Teil wird reichlich vertrödelt, mit Dummheiten und Banalem in die Länge gezogen, so dass kaum der Eindruck entsteht, echtem Tierhorror beizuwohnen.
So entsteht am Ende ein recht zwiespältiger Eindruck, bei dem jedoch die positiven Aspekte leicht überwiegen, zumal er auf optische Ebene einiges hermacht.
Für eher ungeduldige Genrefans mit Vorsicht zu genießen, - besser man hält die Fernbedienung mit der Vorspultaste bereit, um am Ende für das Warten belohnt zu werden…
6 von 10

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