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Tierhorror-Baukasten: Man nehme irgendein Tier, möglichst radioaktiv verseucht und deswegen doppelt so groß und gefährlich. Tier terrorisiert Ortschaft. Tier wird gejagt und vermeintlich getötet. Es gibt aber mindestens noch ein Tier dieser Sorte. Anderes Tier meuchelt wieder. Einwohner sauer. Gehen als Gruppe auf Jagd. Einer nach dem anderen stirbt. Letzten beiden Überlebenen locken Tier in Falle. Töten es. Ende.
Ja, das ist schon ein dolles Ding, das uns Südkorea da vor die Füße schmeißt. "Keiler", mit dem reißerischen Untertitel "Der Menschenfresser", wieder ein Vertreter eines der einfallslosesten Subgenres, den der Horror hervorbrachte.

Eigentlich überrascht "Keiler" nur mit einer einzigen Sache: Seiner bemerkenswert schlechten Machart, Drehbuch inklusive. Die typischen Horrorszenen sind zwar durchaus routiniert (oder mittlerweile so alt, das sie einfach am Zuschauer vorbei rauschen), doch sonst ist dieses filmische Brot schon so sehr verschimmelt, das es tanzt und verrückt lacht. Von Anfang an wird versucht, irgendeine abartige, weil völlig durchgeknallte Art von Humor in das typische Szenario zu mixen. Das geht mit Slapstick los, wenn die Dorfpolizisten immer wieder einen Hügel runterkullern (wiederholt sich 2-3 mal) und endet im surrealen Rausch des Wahnsinns, wenn völlig ohne jeden Bezug ein Hund mit seinem Herrchen spricht und man verzweifelt auf eine spätere Pointe wartet.

Der ach so böse Keiler entpuppt sich dann (natürlich) als Wesen aus dem Zauberkasten, genannt PC. Der spießt hier und da mal einen Menschen auf und grunzt und brüllt wie der T-Rex. Die Einwohner sehen sich da mal wieder als Verfechter der menschlichen Rasse, denn so ein großes, durch radioaktive Strahlung gewachsenes Tier ist natürlich grundböse und muss getötet werden. Durch die arg übertriebene Laufzeit von knapp zwei Stunden, kämpft sich der Film durch die typischen Klischees des Tierhorrors, verläuft sich viel zu oft in die Kulisse einer saublöden Klamotte und präsentiert einen der sinnlosesten Subplots aller Zeiten, wenn die Dorfhexe mitten im Wald steht oder ihr vermeintliches Kind schlägt und tritt. Wer da auf eine Schlüsselszene mit der Hexe und dem Keiler wartet, wartet vergeblich.

Ich weiß nicht, ob es Absicht war, doch der Mensch an sich wird hier erneut unsympathisch wie nix anderes dargestellt. Da werden die Kinder des Keilers fröhlich angezündet, eines wird noch mitgenommen um ihn anzulocken, nachher dient ein herabsausender Fahrstuhl als tödliche Falle und selbst der auf nett getrimmte Schluss, wenn dem Schwein Dynamit zugeworfen wird, damit es nicht mehr leiden muss, bringt da auch nicht mehr viel. Der Babykeiler, der aus irgendwelchen Gründen mitgenommen wurde (und ich dachte die wollten alle auslöschen), dient dann nachher noch für einen billigen Schlussgag, wird als vermeintliches Baby in eine Decke gewickelt und dem eigentlich werdenden Vater vor die Nase gehalten.

So insgesamt hat mich der Ausflug ins Land der Superkeiler dann nicht vom Stuhl geschmissen. Sicher sicher, der Keiler ist einigermaßen brauchbar animiert, und die Atmosphäre stimmt auch mehr oder weniger. Aber wie kann man Humor und Horror auf so dilettantische Art vermischen? Die Charaktere wirken dabei wie aus einem Anime entsprungen, entlocken maximal Angst und Unbehagen, und irgendeine Art von Identifikation ist da erst recht nicht möglich. Na klar, man könnte das alles auch als trashiges Fanmovie hinstellen, so ein Kult-Ding. Man kann's aber auch sein lassen.
(3/10)

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