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Vom Gefühl her lässt sich das Langfilm-Debüt des Briten Lawrence Gough am ehesten als Endzeit-Schocker einordnen, obgleich sich die Szenerie auf ein paar Häuser innerhalb einer durchschnittlichen Vorstadt beschränkt. Dabei bezieht er seine Spannungsmomente vor allem aus der Ungewissheit der Protagonisten und der latent beklemmenden Atmosphäre.
Eine Art

Es ist Heiligabend und Dad fährt die vierzehnjährige Jodie (Linzey Cocker) zu ihrer Mom Beth (Neve McIntosh). Der Kontakt war noch nie sonderlich gut, doch als sie ihre Mutter beim Poppen erwischt, flieht Jodie ins Nachbarhaus. Kurz darauf geht alles sehr schnell, denn eine Einheit bewaffneter Soldaten gibt strikte Anweisung, die Häuser nicht mehr zu verlassen und sich in selbigen zu verbarrikadieren. Beth macht jedoch die Ungewissheit zu schaffen und gemeinsam mit dem One-Night-Stand Kieran (Shaun Dooley) macht sich auf den lebensgefährlichen Weg…

Das Geschehen punktet insofern, als dass authentische Figuren ins Spiel geworfen werden, weitab von weich gezeichneten Hochglanzklischees. Beth wird direkt als Schlampe und Rabenmutter eingeführt, die mit der unbarmherzigen Kurzschlussreaktion ihrer Tochter zu kämpfen hat und innerhalb der prekären Situation vermehrt ihren Kampfgeist und ihren Mut unter Beweis stellen muss. Ihr kurzfristiger Liebhaber entpuppt sich hingegen als Familienvater, der den Seitensprung zwar bereut, jedoch Stärke beweist, indem er sich den unbekannten Gefahren stellt und für eine ihm fast fremde Person eintritt.

Über weite Teile lässt sich nur erahnen, was zum Ausnahmezustand führte, wobei anfangs noch von einem Terroranschlag ausgegangen wird. Erst später kommen Details über einen abgestürzten Helikopter und einen geheimen Container ans Licht, was die letzten TV-News andeuten. Auch das Verhalten einiger Soldaten erscheint zwiespältig, da einige Zivilisten kurzerhand ermordet werden und Gründe hierfür nicht gleich klar auf der Hand liegen.
Erst im letzten Drittel zeigt die Bedrohung ihr Gesicht, zwar insgesamt nicht häufig, dafür aber lautstark, wenn es denn in Erscheinung tritt.

Die Nachvollziehbarkeit der ungewissen Situation wird von dichter Atmosphäre begleitet, die vor allem aus dem zurückhaltenden Score herrührt, der Platz für Hüllkurven und primär Geräusche von außen macht. Jedes Knacken, jedes kurze Pochen wird mit Argwohn registriert und wenn auf dem Dachboden etwas klappert, greift man schon mal unkontrolliert zum nächsten Fleischermesser.
Die Kulisse beschränkt sich auf nur wenige Stationen und auch wenn es kurzfristig zur Hatz im Wald kommt, klappert man die Schauplätze phasenweise Zentimeter für Zentimeter ab, was nicht nur dem klaustrophobischen Element, sondern auch der Spannung im Allgemeinen zugute kommt.

Auch den hervorragenden Darstellungen der wenigen Beteiligten ist es zu verdanken, dass die Chose recht realitätsnah daherkommt. Neve McIntosh liefert als kämpfende Mutter eine beeindruckende Leistung voller Inbrunst ab, während Filmtochter Linzey Cocker in ihren wenigen Momenten (sie verschwindet im Mittelteil gänzlich) besonders gegen Ende herausragend performt. Dagegen kommt Shaun Dooley als Beiwerk und Helfer kaum gegen an, jedoch ist seine Figur auch nicht so facettenreich angelegt.

Rasch vergehen die gerade einmal 72 Minuten bevor der Abspann einsetzt, obgleich es im Mittelteil einige Passagen gibt, die weniger der Spannung, denn der Tiefe der Charaktere dienen. Erst zum Finale setzt man dramaturgisch noch einen drauf und überzeugt mit dem leicht vorhersehbaren Ausgang, der dennoch einen bitteren Kloß im Hals zurücklässt.
Ein schlichter, aber dennoch effektiver Streifen mit viel Suspense, Nervenkitzel und einer beklemmenden Ungewissheit, die sich innerhalb weniger Momente auf den Betrachter überträgt. Nicht vordergründig schockierend, sondern schleichend und langsam zuschnürend.
7 von 10

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