Hape Kerkeling spielt Horst Schlämmer, den stellvertretenden Chefredakteur des Grevenbroicher Tageblatts, der mit der allgemeinen Situation in Deutschlands Politik unzufrieden ist. Kurzerhand gründet er seine eigene Partei, die HSP, und beginnt den Wahlkampf, mit dem Ziel, Bundeskanzler zu werden.
Der britische Komiker Sascha Baron Cohen verbuchte mit seiner Kunstfigur Borat und dem gleichnamigen Film einen gewaltigen Erfolg und spülte rund 260 Millionen Dollar in die Kinokassen und auch mit seiner zweiten Figur, dem homosexuellen Modereporter Brüno, gelang ihm mit einem Einspielergebnis von rund 150 Millionen Dollar ein achtbarer Erfolg. Und nun bringt Hape Kerkeling in Deutschland eine vergleichbare Komödie im pseudo-dokumentarischen Stil heraus, wofür er sein Alter Ego Horst Schlämmer in den Wahlkampf schickt. Beim Endprodukt mangelt es aber an allen Ecken und Enden.
Schwer zu sagen, was bei "Isch kandidiere!" am schlechtesten gelingt, denn die Fehler häufen sich am laufenden Band. Die Fehlerkette beginnt dabei bereits beim Drehbuch, das keine echte Handlung aufweist. Zwar funktionierten auch die beiden Cohen-Komödien mit dem handlungs- und dramaturgiefreien Konzept recht gut, aber dies auch nur, weil die Gags im Minutentakt zündeten und dies so kompensierten, bei Kerkelings Komödie gelingt dies jedoch überhaupt nicht und so wäre es besser gewesen, man hätte zumindest beim Plot einen roten Faden gehabt, statt den gesamten Film auf die humorlosen Auftritte Schlämmers in diversen TV-Shows, bei Parteien und Politikern und in anderen Situationen zu reduzieren.
Und leider sind die Auftritte Schlämmers überhaupt nicht amüsant. Zum Einen werden die üblichen Running-Gags um Kerkelings Figur, etwa seine Schnappatmung, seine mitunter fehlerhafte Aussprache und natürlich der Lieblingsspruch "Ich habe Rücken (Kreislauf, Herz, Kopf, Füße, keine Ideen und keinen Humor)" derart überreizt, dass sie schon nach wenigen Minuten nicht mehr zünden. Für ein paar Kurzauftritte im Fernsehen mag das begrenzte Repertoire an Gags ja ausreichen, aber für einen Kinofilm ist dies beim besten Willen zu wenig. Zum Anderen funktionieren auch die Versuche, Situationskomik zu erzeugen, kaum. Bei sämtlichen Auftritten Schlämmers mit anderen Politikern und Prominenten kann man sich im Grunde sicher sein, dass die Szenen gestellt sind und selbst die Szenen auf der Straße wirken kaum noch echt, da sie mit zunehmenden Bekanntheitsgrad von Kerkelings Kunstfigur kaum noch authentisch rüberkommen.
Inszenatorisch erinnert "Isch kandidiere" ebenfalls über weite Strecken an "Borat" und "Brüno". So wird mit Wackelkamera gedreht, um die Authentizität des Gezeigten zu erhöhen und einen pseudo-dokumentarischen Charakter zu entfalten, da aber sowieso keine einzige Szene wirklich realistisch wirkt, ist der Griff zur Handkamera vollkommen überflüssig. Man hat sich nicht einmal Mühe gegeben, stellenweise den Eindruck zu erwecken, dass es sich um eine versteckte Kamera handeln könnte, die die Auftritte Schlämmers einfängt. Wie schon beim Drehbuch, gibt es auch bei der inszenatorischen Arbeit von Angelo Colagrossi, der bereits Kerkelings "Ein Mann, ein Fjord!" in Szene setzte, sonst keinerlei Innovationen, die "Isch kandidiere!" irgendwie aufgewertet hätten, so ist auch die musikalische Unterlegung nicht erwähnenswert, im Grunde wird nichts geboten, was den Kinofilm von einer Sketsch-Show im Fernsehen unterscheiden würde. Es wirkt einfach alles lieb- und seelenlos dahingedreht.
Ein weiteres Manko sind die Darsteller. Zwar schlüpft Kerkeling auch ein weiteres Mal durchaus gelungen in die Rolle des Grevenbroicher Redakteurs und bringt diesen gewohnt überzeugend auf die Leinwand, aber die restlichen Darsteller enttäuschen auf ganzer Linie. Besonders Simon Gosejohann scheitert kläglich an der Rolle des Praktikanten. Er gibt sich alle Mühe immer möglichst verwirrt und überfordert zu wirken, verbucht so aber keinen einzigen Lacher, ist ein ständiger Störfaktor im Hintergrund Schlämmers und wirkt damit praktisch wie ein Fremdkörper in diesem Film. Dazu gesellen sich noch Norbert Heisterkamp, der sein unterirdisches schauspielerisches Talent mal wieder deutlich aufzeigt und Alexandra Kamp, die es mit der Laszivität derart übertreibt, dass auch sie spätestens nach ein paar Minuten nervt.
All dies sind schwerwiegende Fehler, aber der zentralste ist die Harmlosigkeit, die Kerkeling hier an den Tag legt. Während Cohen in seinen Komödien auch deshalb für zahlreiche Lacher sorgte, weil er so ziemlich jedes Tabu mehrfach brach und darüber hinaus auch immer eine Schippe Sarkasmus und Kritik einbrachte, bringt Kerkeling weder den Mut, die Ideen, noch die Konsequenz auf, um wirklich Kritik an der deutschen Politik zu üben. Hier und da wird das Pflichtprogramm mal ein wenig tangiert, so macht Horst Schlämmer, genauso, wie Merkel, Steinmeier und Konsorten, zahlreiche leere Versprechen und dann parodiert Kerkeling auch noch ein paar bekannte Politiker wie Angela Merkel oder Ulla Schmidt, aber wirklich alles ist harmlos und nicht einmal im Ansatz dreist, geschweige denn politisch inkorrekt, wie man es sich von Kerkeling hätte erhoffen können. Stattdessen bekommen die Politiker, die sich für den Film hergeben, wie etwa der Bundesvorsitzende der Grünen Cem Özdemir oder NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers die Chance geboten, vor den Wahlen noch einmal wertvolle Sympathiepunkte zu sammeln, ohne, dass Schlämmer sie auch nur im Ansatz ins Lächerliche zieht oder bei den Gesprächen aus dem Konzept bringt. Spätestens damit scheitert der biedere, mutlose Film auf ganzer Linie und versagt auch als Polit-Satire.
Zwischendurch bekommen neben den bekannten Gesichtern aus der Politik auch ein paar B-Promis die Chance geboten, in Kino und Fernsehen Präsenz zu zeigen, ohne im Dschungelcamp Affenfäkalien verspeisen zu müssen. So gibt es Gastauftritte von Gunter Gabriel, Kader Loth und sogar Michael Schumacher, die alle im Grunde vollkommen überflüssig und auch nicht allzu amüsant daherkommen. Einzig und allein der Bushido-Song mit dazugehörigem Clip verfehlt seine komödiantische Wirkung nicht, aber ein echter Lacher bei 90 Minuten Laufzeit ist einfach viel zu wenig.
Fazit:
Man kann nur hoffen, dass Kerkeling Horst Schlämmer nun endlich zu den Akten legt, denn mit diesem hundsmiserablen Machwerk dürfte die Geschichte des Grevenbroicher Redakteurs endgültig geschrieben sein. Der Film ist durch und durch unlustig, weil die altbekannten Running-Gags beim besten Willen überstrapaziert werden, jede einzelne Szene trotz der pseudo-dokumentarischen Machart vollkommen gestellt wirkt und Kerkeling nicht im Geringsten den Mut aufbringt, dem Film als Polit-Satire einen gewissen Biss zu verleihen. So ist "Isch kandidiere!" unterm Strich eine biedere, langweilige und brave Komödie, die zudem nicht mal so recht über einen Plot verfügt und mit der unmotivierten Regie sowie den miesen Nebendarstellern wirklich Nichts zu bieten hat, was den Kinobesuch wert wäre.
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