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Es war 3:52 - mitten in der Nacht und ich lag hellwach auf meinem Sofa im Pfleger-Aufenthaltsraum der geschlossenen Anstalt des Nervenkrankenhauses. Endlich hatte ich den Geistesblitz schlechthin, um meine Karriere als Filmregisseur voranzutreiben und ein Bewerbungsvideo für die Filmhochschule abzuliefern. Genau: Ich nehme einfach die Patienten als Darsteller und filme in den Außenanlagen der Anstalt - eine günstige Alternative! Irgendwas gutes musste dieser verdammte Zivi-Job doch haben!

Die Kamera war schnell mit hereingeschmuggelt und mein Freund, der Hausmeister, sollte mir mit allerlei Werkzeug gern behilflich sein.

Jetzt galt es nur noch einen Hauptdarsteller auszuwählen - nicht einfach, aber wer war wohl hier der hoffnungsloseste und durchgeknallteste Fall? Ganz klar: Igor, der hyperaktive Junge aus der Manisch-Agressiven Abteilung. Schauspielern muss er ja nicht - es reicht, wenn er so abgefuckt durchs Bild läuft, wie er es täglich in seiner Zelle nicht anders tut! Gewusst wie!

Ein paar Splatter-Effekte sollten aber auch nicht fehlen; was liegt da näher, als ein Gang in die Großküche? Ein paar Tier-Innereien und ein halber Eimer Schweineblut sollten reichen - schließlich liegt der Schwerpunkt der Geschichte in der psychologisch dichten Story!

Und so geschah es, dass der arme Igor mit manch lächerlicher Plastik-Waffe bestückt durch den Hof der Anstalt laufen, alle 156 Sekunden seinen nervtötenden aberwitzigen Lacher preisgeben und dämlich grinsend in die Kamera schauen sollte; dass dabei die knackige Stationsschwester und zwei Mitglieder der eigentlich so sympathischen Putzkolonne tatsächlich auf der Strecke bleiben sollten, war nicht geplant. Es brauchte auch einige Zeit, um die „Darsteller“ wieder einzufangen, aber mithilfe der Polizei ging es doch ziemlich schnell. Immerhin – zu 80 Minuten Film hat es gereicht!

Schade nur, dass es in meiner Zelle jetzt keinen Fernseher gibt. Aber der Rest der Welt wird meine eindrucksvollen Regie-Künste sicherlich zu würdigen wissen ...

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