Review

Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen…
…müssen sich ein zerstrittenes Ehepaar und ein Feuerwehrmann darüber Gedanken machen, wie sie den Knaben aus der misslichen Lage befreien können, denn der ist zu blöd, sich das Geschirr mit Seil um den Balg zu binden.
Auch sonst ist vieles doof in diesem deutsch-amerikanischen Mischmasch, der am ehesten als Drama mit etwas Thriller und einem Hauch Mystik einzustufen ist.

Es ist der Tag der Scheidung zwischen Emilie (Aislinn Sands) und dem Ingenieur Jacob (Steve Guttenberg). Doch am Abend zuvor spielte Sohn Toby mit dem Nachbarsjungen verbotenerweise im angrenzenden Wald und fiel beim Spielen einige Meter tief in den Schacht. Als man den fast bewegungsunfähigen Jungen findet, versagen alle Rettungsmaßnahmen, zudem läuft Wasser in die Grube…

Tolle Prämisse, doch streng genommen versagen einige der Randbedingungen komplett.
Denn keine Figur erscheint sympathisch, alle sind nur am keifen und bölken und anstatt diverse Rettungsversuche rasch voran zu treiben, findet man alle paar Minuten Zeit für Zank oder Kompetenzgerangel zwischen den Männern.
Hinzu kommen die teilweise grottigen Darsteller, denn selbst Guttenberg wirkt reichlich hölzern, während seine Filmpartnerin meistens völlig drüber ist. Über die Leistung des Kindes hüllt man sich fairerweise in Schweigen.

Trotz der Mankos treibt die Handlung ordentlich voran und punktet primär durch die Ausgangslage: Kind mit gebrochenem Bein am Fuße des Schachtes, im Mittelteil für einen Erwachsenen zu eng, um durchzukommen und die Zeit drängt aufgrund des steigenden Wasserpegels.
Hinzu kommen mystische Andeutungen über den „Wald der verlorenen Seelen“, da es ein einschneidendes Erlebnis in Emilie und Mikes (der Feuerwehrmann) gemeinsamer Vergangenheit gab, wie puzzleartige Flashbacks zwischendurch nahe legen.
In Sachen Atmosphäre kann man sich zwischenzeitlich nicht beschweren, wozu am Rande auch das alte Haus mit Wählscheiben-Telefon und altem Dachboden beiträgt.

Hinzu kommen jedoch nur wenige Anleihen im mystischen Bereich wie flüsternde Stimmen oder knackende Äste, - bei den beiden Handlungsebenen konzentriert man sich glücklicherweise stärker auf die Rettungsaktionen, denn auf die Enthüllung des Geheimnisses, was allerdings im letzten Drittel eine stärkere Bedeutung erlangt.

So wundert man sich über einen Feuerwehrmann in Deutschland, der auf dem Rücken „Fire Dept.“ trägt und einen Krankenwagen, auf dem wiederum „Rettungsdienst“ zu lesen ist. Man erfährt final was und warum etwas mit dem verschollenen Andy geschehen ist und freut sich über sensible Zwischentöne, die zum Trost von Toby in misslicher Lage beitragen sollen, auch wenn zuweilen falsche Prioritäten gewählt werden.
Am Ende macht man es sich in vielerlei Hinsicht etwas zu einfach, indem man die schlichtesten Lösungen für den wonnigen Gemütszustand des Betrachters vorzieht und Logiklücken außer Acht lässt. Doch davon abgesehen, stimmt der Ausgang tatsächlich versöhnlich.

Dennoch dürfte der Streifen auf einige negative Kritiken stoßen, denn zweifelsohne sind die darstellerischen Leistungen durch die Bank schlecht, die impulsiven Schübe von Guttenberg besonders zu Beginn recht nervig und auch das Verhalten einer Mutter wirkt in vielen Momenten schlicht unglaubwürdig.
Auf der anderen Seite wird Suspense geschürt, indem einerseits das Kind gerettet werden muss und andererseits das Geheimnis des Waldes aufgedeckt werden soll, was mit ordentlichem Tempo, sauberer Kamera und ordentlichem Score einhergeht.
Unterhält auf eher spezielle Weise und sei von daher nicht jedem empfohlen, dessen Kind bereits in den Brunnen gefallen ist…
6 von 10

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