"Lover of the Russian Queen" wurde Grigori Rasputin einst in einem Songtext von Boney M betitelt, was so banal daherkommt, wie sich die Hammer Studios die historische Figur zurecht gerückt haben, um eine Mischung aus Geschichtsfilm und Horror abzuliefern. Jedoch mit einem unschlagbaren As im Ärmel: Christopher Lee.
Rasputin (Lee) wird in seinem Heimatort aus dem Kloster verbannt, nachdem er sich an der Tochter des Wirtes unsittlich verging. In St. Petersburg macht er die Bekanntschaft mit Sonia (Barbara Shelley), der Zofe des Zarensohnes. Er versetzt Sonia in Hypnose und bewirkt, dass sie den Zarensohn verletzt, woraufhin Rasputin als Heiler am Zarenhof erscheint und tatsächlich eine rasche Genesung eintritt. Nun will er die Gunst der Zarin erlangen...
Die Hammer Studios sind für ihre leicht verklärte und oft simplifizierende Art bekannt, weshalb Rasputin auch gleich mal als trinkfester Raufbold eingeführt wird, der nebenher eine flotte Sohle aufs Parkett legt. Einige Bauten kommen einem natürlich bekannt vor und auch die vertraute Dracula-Waldbiegung mit Hinweisschild aus Holz darf nicht fehlen.
Lee ist indes voll in seinem Element, denn den finsteren Zottel mit den auffallend langen Fingern verkörpert er genial und mit unglaublich viel Charisma. So schlicht inszeniert diverse heilende Hände auch ins Spiel kommen und ein Wettsaufen mit Arzt ohne Approbation zur klamaukartige Szene gerät, - durch Lees hypnotisierenden Blick und einem gelegentlichen Lachen zwischen Überheblichkeit und Schadenfreude tragen selbst banale Gegebenheiten zum nicht unerheblichen Unterhaltungswert bei.
Das Leben Rasputins wurde natürlich nur sinngemäß umgesetzt, zumal eine Tanzszene im Palast des Zaren bereits zu denen mit vergleichsweise üppiger Ausstattung zählt. Nichts mit Erstem Weltkrieg oder etwaigen Verschwörungstheorien, öffentlichen Skandalen oder gar historisch korrekten Namen. Die Hammer Studios lassen die sprichwörtliche Kirche im Dorf, was wiederum zur dichten Atmosphäre des Treibens beiträgt. Stattdessen gibt es kleine Horroranleihen, denn nicht nur Rasputins hypnotische Fähigkeiten bewirken besonders im letzten Drittel einige kleine Wendungen, während ein dubioser Arzt mitmischt, der in den Geschichtsbüchern auch nicht gefunden werden dürfte.
Regisseur Don Sharp ("Ich, Dr. Fu Man Chu") inszenierte sein Werk ganz im klassischen Sinne der Hammer Studios, mit urigen Kulissen, schlichten Effekten, minimalen Bluteinlagen und einem intensiven Score. Dank eines Christopher Lee wird der Titelgebende zu einer präsenten Persönlichkeit, - da fällt die zuweilen dramaturgisch simpel ablaufende Geschichte mit mäßigen Spannungsmomenten nicht allzu sehr ins Gewicht.
7 von 10