"Ihr seid alles was übrig ist."
Was passiert wenn die Menschheit führungslos ist zeigt Regisseur Christian Alvart ("Antikörper") mit "Pandorum".
An Bord des Raumschiffs Elysium erwachen die Astronauten Payton (Dennis Quaid) und Bower (Ben Foster) aus ihrer Tiefschlafphase. Durch einen temporären Gedächtnisverlust können sie sich weder daran erinnern wo sie sind, noch was ihre Aufgaben sind. Die Kontaktaufnahme zu anderen Personen und zur Brücke schlägt fehl, stattdessen registrieren sie periodische Energieschwankungen. Somit begibt sich Bower durch die engen Lüftungsschächte auf den Weg durch das Raumschiff, stets den Funkkontakt zu Payton aufrecht erhaltend. Schon nach kurzer Zeit stößt Bower auf Leichen und überlebende Personen, die von etwas Unbekanntem angegriffen wurden.
Die ersten 15 Minuten gehören zu den stärksten von "Pandorum". Mit voller Wucht wirft der Science-Fiction Thriller Charaktere wie auch Publikum in ein kaltes Umfeld und klaustrophobische Gänge. Die Ausgangssituation ist völligst unklar und will erforscht werden. Dass die Erforschung dann recht schnell vonstatten geht ohne die mysteriöse Ausgangssituation bereits aufzulösen, ist umso erfreulicher.
Weniger erfreulich ist was darauf folgt. Nach einer spannenden Einführung folgen massig konventionelle Elemente aus dem Genre. Je weiter die Handlung voranschreitet umso mehr Geheimnisse werden gelüftet. Die Offenbarungen sind anfangs jedoch unangenehm bekannt und geradezu aus "The Descent" oder "Event Horizon" geklaut.
Erst gegen Ende zeigt "Pandorum" visionäre Einfälle, indem er zuvor gelüftete Geheimnisse komplett über den Haufen wirft und mit einer beträchtlichen Anzahl von interessanten Wendungen überascht.
Die Optik des Films ist durchaus hochwertig. Seltene, detailreiche Außenaufnahmen der Elysium machen düsteren, verwinkelten Gängen Platz, die äußerst atmosphärisch ausgeleuchtet und mit pulsierenden Klängen versehen wurden.
Wenns etwas flotter zugeht schmälert sich jedoch der bislang hochwertige Eindruck. Actionsequenzen sind häufig verwackelt und unübersichtlich. Der schnelle Schnitt, der Tempo vortäuscht, weiß hier nicht zu gefallen. Größter Kritikpunkt sind jedoch die obligatorischen Verfolgungen, die in vergleichbarer Form schon zu oft zu sehen waren. Hier geht "Pandorum" eindeutig die Ideen aus.
Besser sind da die schockierenden Momente gelungen, die sich stärker in das Gedächtnis einbrennen als das geklaute Kreaturendesign oder diverse blutige Auseinandersetzungen.
Dass sich bei der recht flotten Inszenierung kaum Zeit für die Figuren findet, ist wohl zu erwarten. Ebenso die klaffenden Logiklöcher, die sich durch das überladene Finale zwangsläufig bilden.
So wie es sich schon aus dem Inhalt herauslesen lässt, konzentriert sich die Handlung auf zwei Charaktere und somit zwei Darsteller. Dennis Quaid ("G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra", "8 Blickwinkel") und Ben Foster ("The Punisher", "30 Days of Night") überzeugen dabei mit einer Performance passend zum Szenario. Abseits davon ist höchstens noch Antje Traues sportliche Figur erwähnenswert.
"Pandorum" hätte definitiv mehr sein können, wenn sich der Mittelteil nicht mit unzähligen konventionellen Elementen abgegeben hätte. Auch die wackelige Kameraführung während actionreicheren Sequenzen hinterlässt einen negativen Eindruck. Dagegen sind der intensive Einstieg und das wendungsreiche Finale ungemein wuchtig. Schade, denn dadurch wird aus dem Science-Fiction Thriller mit Potential nur ein knapp überdurchschnittlicher Film für das kaum noch gesehene Genre.
6 / 10