Was über Jahrzehnte im Raum stand, ist nach einigen Rechtsstreitigkeiten in die Tat umgesetzt worden: Ein Spin-off zum Kultfilm "Easy Rider". Ein Film über Toleranz und Freiheit, Abenteuerlust und Drogenkonsum. Einer der den Zeitgeist der ausgehenden Sechziger kaum treffender auf den Punkt brachte, soll nun von einer zeitgenössischen Warte aus reflektiert werden, - kann das ohne Steppenwolfs "Born to Be Wild" überhaupt was werden?
Erzählt wird die Geschichte der Familie Williams, deren Sohn und Bruder Wyatt (Peter Fonda) anno 1969 starb. Sein Bruder und Alt-Hippie Morgan (Drehbuchautor Phil Pitzer) flüchtete vor vierzig Jahren nach Mexiko, während sein Dad Hick verbittert zurückblieb und lediglich Unterstützung von seiner Tochter Shane erhält. Nun wendet sich diese an Morgan, damit es an Dads Geburtstag zu einer Versöhnung kommt...
Natürlich setzt der Ableger voraus, dass das Original noch einigermaßen präsent ist: Röhrende Chopper, Kokain und LSD, jede Menge Hippies und ein Lebensgefühl, dass sich rund vierzig Jahre später eben nicht einfach so imitieren lässt, - so sehr die Rückblicke auch um eine solide Ausstattung bemüht sind.
Autor Pitzer hat sich sichtlich Mühe gemacht, einen Peter-Fonda-Gedächtnis-Look anzunehmen, doch die getönte Sonnenbrille verschleiert nicht, dass seine Figur recht eindimensional angelegt ist. Er und sein alter Kumpel Wes Coast düsen die meiste Zeit über die Highways und Wüstenstraßen und schwelgen während einiger Zwischenstationen in Erinnerungen, was auch auf Dad Hick zutrifft, der beim Besuch eines alten Freundes sichtlich aufblüht und ebenfalls in Erinnerungen verfällt, welche die Erzählung in Form von eingestreuten Flashbacks zusehends dominieren.
Nur leider passt hier kaum etwas zusammen. Zwischen unreflektierter Gesellschaftskritik, einer anberaumten Romanze, Kriegsstationen in Vietnam und völlig kontextloser Umweltkritik findet außer einer angedeuteten Vergewaltigung und der anschließenden Genugtuung kaum etwas Spannendes statt, während Stationen der Vergangenheit ohne sichtlichen roten Faden wahllos aneinander gereiht werden.
Das schwierige Verhältnis zwischen Hick und seinen Söhnen wird dabei nur am Rande gestreift, was eigentlich im Fokus der Erzählung stehen sollte, wenn man denn weniger auf das Lebensgefühl der Sechziger denn auf familiäre Probleme setzt.
So erinnern sich alte Typen an alte Zeiten, doch wo einst zeitgenössische Rocksongs für zusätzliche Atmosphäre sorgten, wird hier ein weitgehend austauschbares Programm wenig markanter Stücke abgespielt, welche fast genauso vor sich hin plätschern wie die eigentliche Handlung. Dabei kann man den Mimen von Jeff Fahey als Alt-Rocker über Newell Alexander als kauzigen Dad beileibe keinen Vorwurf machen, denn zumindest darstellerisch sind alle redlich bemüht, ihren Figuren Leben einzuhauchen.
Grundlegend kann man einem Ableger eine Chance einräumen, zumal die Neugier bezüglich des Originals entsprechend groß war, doch in diesem Fall übersteigen die Ambitionen der Macher die eigentlichen Möglichkeiten, was final vor allem der kitschige Ausklang untermalt, welcher dem Gesamtwerk einen unglaubwürdigen Eindruck beschert.
Zu viele Erzählelemente werden lediglich angerissen, die meisten Punkte werden beiläufig abgehakt, doch zwischen Generationskonflikten, sozialen Einstellungen und nostalgischen Erinnerungen mangelt es an narrativer Konsequenz, während in Sachen Abenteuerlust allenfalls ein kaum wahrnehmbares laues Lüftchen auszumachen ist.
Knapp
4 von 10