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Knapp 45 Jahre nach dem legendären New-Hollywood-Meilenstein „Easy Rider" kam irgendein findiger Produzent auf die Idee, diesem Meisterwerk der Filmgeschichte eine mehr oder weniger offizielle Fortsetzung folgen zu lassen. Und so wird anhand einiger angeblicher Verwandter des verstorbenen Wyatt (zwei Geschwister, der Vater und zwei gute Freunde) die Familiengeschichte der Williams' vom Zweiten Weltkrieg bis in die heutige Zeit aufgerollt. Dass keiner der Beteiligten, von den Drehbuchautoren über den Regisseur bis zu den Darstellern, sonderlich talentiert zu sein scheint, hat da wohl niemanden gestört.

Heraus kommt jedenfalls ein lächerliches Möchtegern-Familien-Drama, das die großen Themen des Originals - Freiheit, Individualität, Zwänge der Gesellschaft - auf unglaublich dümmliche und oberflächliche Weise abhandelt. Das beginnt schon mit den grottenschlechten Dialogen: In plumpen, gefühlsduseligen und immer wieder zusammenhanglosen Dialogen geben die Figuren Kalendersprüche und Pseudo-Weisheiten zum Besten, dass sich einem die Zehennägel hochrollen können. Manche Zeilen bleiben in ihrer Plattheit komplett sinnbefreit (etwa die Antwort auf die Frage, ob man nicht alle US-Soldaten aus dem Nahen Osten abziehen sollte: „Du kannst den Krieg kritisieren. Aber niemals den Krieger." Was zum Geier soll das bedeuten?). Fernab jeder vernünftigen Dramaturgie oder menschlich glaubwürdigen Inszenierung dienen die Dialoge vor allem dazu, die endlosen Rückblenden einzuleiten, die den gesamten Film zerstückeln und ihm jegliche Möglichkeit rauben, ein wenig Spannung aufkommen zu lassen.

Das ist nämlich der nächste Minuspunkt: Die an sich denkbar simple Geschichte (ein verlorener Sohn macht sich auf den Weg von Mexiko nach Kalifornien, um den verbitterten Vater nach vielen Jahren mal wieder zu sehen) wird durch zahlreiche Rückblenden, die kreuz und quer durch die Zeit springen, auseinandergerissen. Da erzählt der Vater von seinen Erlebnissen im und nach dem Zweiten Weltkrieg, die Geschwister berichten von ihren Erfahrungen in den 60ern und auf ganz besonders absurde Weise wird auch eine dramatische emotionale Verbindung zwischen der Schwester und dem Kumpel Wes erzählt (gespielt von Jeff Fahey, der kaum mehr zu tun hat, als rumzusitzen und blödsinnig vor sich hin zu stieren). Durch allerhand Namen, die gleich zu Beginn sehr schnell eingeworfen werden, und die völlig unsystematische Aufreihung der Rückblenden kann man dabei durchaus etwas durcheinander kommen, wer von den Jungdarstellern nun später einer von den Alten ist.

Darüber hinaus strotzt der Film nur so vor Klischees und Unglaubwürdigkeit. Dickster Brocken in dieser Hinsicht ist seine Vorstellung von Zeit und Altern: Erstens war Peter Fondas Figur schon im Jahre 1969 offensichtlich älter als Anfang 20, wie es hier in den Rückblenden dargestellt wird. Und selbst wenn das hinhauen würde, müssten die alten Haudegen zum Zeitpunkt der Haupthandlung nun an die 70 sein, wonach nicht einer von ihnen aussieht. Solche derben Logikschnitzer vermengen sich mit dümmlichen Klischees und fragwürdigem Pathos (böse reiche Ehemänner, die schändlicherweise gegen den Kriegseinsatz ihres Sohnes sind, ein verbitterter Vater, der erstaunlich schnell wieder auftaut, Fahey als alter Rocker, der einem Typen, der sich einer Stangentänzerin gegenüber respektlos verhält, eine reinhaut - das wird hier wohl als Toleranz verstanden).

Überhaupt ist die politische Situierung des Streifens eine reine Beleidung für das, was „Easy Rider" einst thematisierte. Wo der alte Soundtrack damals vor gesellschaftskritischen Song-Klassikern nur so strotzte, wird hier ein kitschiger und Amerika bejubelnder Country-Song nach dem anderen abgespielt; Kriegseinsätze werden unhinterfragt als heldenhafte und mutige Entscheidungen glorifiziert und Frauen dienen hauptsächlich dazu, ihren wiederkehrenden Männern freudestrahlend entgegen zu rennen. Dass so ein Streifen es wagt, permanent von Freiheit zu schwadronieren (wobei hier natürlich die Freiheit weißer Männer gemeint ist, wie eine Szene verdeutlicht, in der es heißt, vor 100 Jahren sei Amerika ein viel freieres Land gewesen), ist ebenso heuchlerisch wie peinlich.

Peinlich ist auch, dass dieser mies gespielte, inszenierte und gefilmte Billig-Streifen sich mit einem Meisterwerk wie „Easy Rider" vergleichen will (was bis zu einigen nahezu identisch nachgefilmten Szenen geht). Platt patriotisch, pathetisch und unglaublich oberflächlich, könnte dieses Machwerk gar nicht weiter entfernt von seinem erklärten Vorbild sein. Und was es mit Jeff Faheys kraftloser Flüsterstimme auf sich hat, die er den ganzen Film über nicht loswird, bleibt auch fraglich. „Easy Rider 2 - The Ride Back" ist ein langweiliger, dümmlicher und inhaltsleerer Patrioten-Streifen, der dem wahren Begriff von individueller Freiheit komplett Hohn spricht.

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