Review

Wer glaubt, dass die einzig wahren Roadmovies aus Amerika kommen, aus dem "land of the free", der hat noch keinen Kaurismäki gesehen. Das, was die meisten Filme dieser Art eben nicht können, auch wenn sie es gerne wollten, nämlich eine Stimmung voll Sehnsucht, Unerfülltheit und Melancholie, voll Freiheit, Weite und Coolness herüberzubringen, das macht der lackonische Finne mit einer Selbstverständlichkeit wie kein anderer.

Und alles was er dazu braucht sind ein paar Wodka-saufende (und zwar wie Wasser!), ständig rauchende, kaffeesüchtige, absolut fertige, introvertierte Charaktere, eine äußerst kleine und ungewöhnlich störrische Liebesgeschichte, viel Musik und ein kultiges altes Auto mit einem noch kultigeren Plattenspieler drin. Daraus zaubert Kaurismäki hier ein pures Roadmovie im ursprünglichen Sinn, das nicht einmal eine konstruierte, ausgefüllte Story erzählt, sondern einfach die Protagonisten umherdriften lässt.

Wie alle Kaurismäkis, beginnt der Film im unterklassigen Arbeitermilieu Finnlands. Man sieht einen Kerl an der Nähmaschine unter der Kontrolle seiner Chefin eintönige Arbeit verrichten. Als dann der Kaffee ausgegangen ist, "rastet er aus", sperrt seine Chefin in eine Kammer, nimmt sich Geld mit und haut ab.
Er besorgt sich eine Auto-Kaffeemaschine (Running-Gag) und holt seinen Karrn bei einem Wodka-saufenden Automechaniker ab. Beide sehnen sich nach Freiheit und Passivität, nach dem Rocker-Leben und der weiten Straße. So fahren sie einfach ohne Ziel los. Unterwegs treffen sie dann eine Estin und eine Russin, die sie dann mitnehmen. Von nun an reisen sie gemeinsam in Richtung Süden und es entsteht eine Freundschaft. Die Estin (mal wieder Kati Outinen - siehe andere Filme von Kaurismäki...) und der Mechaniker scheinen sich sogar ineinander zu verlieben.

Der Film dauert knapp 60 Minuten und entfaltet hier seine tragikomische Stimmung und seine irgendwie wohlig-warme Atmosphäre. Es ist geradezu köstlich, wie sich das Pärchen seeehhr langsam näherkommt - einer schüchterner als der andere. Das ganze Leben scheint dabei ein einziger Witz zu sein, alles was passiert, wirkt irgendwie fehl am Platze und lächerlich. Jedes gesprochene Wort ist eines zu viel, weshalb die Dialoge alle samt total unecht und gezwungen wirken. Es gibt eigentlich auch nichts zu sagen, die Beziehungen der Personen untereinander bauen lediglich auf stillen Blicken auf.
Jene pure Lakonie zieht sich auch durch die filmischen Mittel: Der Film ist in schwarz-weiß, die Kamera wie immer unspektakulär und ruhig. Die Hauptschauplätze sind das Auto, die Straße, ab und zu mal ein wenig Landschaft und verrauchte Kneipen. Und durchgehend laufen alte Lieder von finnischem Schlager, über Polka bis hin zum bluesigen Rock&Roll der 50er und 60er.

Am Ende des Filmes kommt der Arbeiter wieder zurück, sperrt die Tür zur Kammer auf und setzt sich wieder an die Nähmaschine. Die Chefin sagt nichts und geht auch wieder an die Arbeit. Bitter und traurig schließt die Geschichte. Die Freiheit und die Lebenslust rücken wieder in weite Ferne, der Mythos vom rockigen Leben zerbröckelt nunmal, wenn die Taschen leer sind.

Was bleibt sind die schönen Erinnerungen, die man als Zuschauer auch teilt, weil man für eine Stunde emotional versinken konnte, in diesem wunderbaren Film. 9/10 (weil Kaurismäki noch besser sein kann)

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