Review

Ja ja, auch der Deutsch-Exportregisseur Uwe Boll hat einmal klein angefangen. Bevor er nämlich mit "House of the Dead" und "Alone in the Dark" die wahrscheinlich miesesten Videospiel-Verfilmungen überhaupt verzapfte und nur Trash-Fans erfreute, drehte er eine ziemlich durchschnittliche deutsche Uni-Komödie mit dem vielsagenden Titel "Das erste Semester". Es ist wohl bezeichnend, wenn schon dieses Machwerk zu seinen besseren Filmen gehört.

Erzählt wird die Geschichte von Andreas Schimmer (angeblich "der deutsche James Dean" Christian Kahrmann), der auf die Uni gehen soll. Da er und seine Eltern ziemlich pleite sind, trifft es sich gut, dass Opa nach Semesterende 150.000 DM rüberwachsen lassen will - vorausgesetzt er besteht 2 Prüfungen, bekommt dafür 2 Scheine und hat bis zum Semesterende eine feste Freundin. Scheiße nur, dass sein Nachname bei ihm Programm ist, denn Andreas hat aber auch überhaupt keinen Schimmer von irgendwas und lässt sich von Jedem nach Strich und Faden verarschen. So lässt ihn sein Schwarm Lea (Radost Bokel - bekannt aus der 80er Jahre-Verfilmung von Michael Endes "Momo") eiskalt abblitzen. Nur eine treudoofe Kommilitonin hilft ihm...

Nun ja, die Story ist altbekannt und der Film strotzt nur so vor klischeehaften und vollkommen überzogenen Charakteren: das ahnungslose und gutmütige Landei, die biestige und geldgeile Tussi, der gammelnde Langzeitstudent als sein Mitbewohner, die giftige Vermieterin, der notgeile und überkritische Professor usw. usw. - allesamt lebende Klischees und eben nicht sehr originell.
Die Verwicklungen der Hauptfigur sind ebenfalls ziemlich konstruiert und Christian Kahrmann müht sich redlich, doch seine Rolle nimmt man ihm einfach nicht ab, er wirkt zu aufgesetzt trottelig.
Ebenso nerven die krampfige Inszenierung und permanenten hemmungslosen Übertreibungen des ach so schwierigen Studentenalltags: volle Einschreibelisten, schwierige Hausarbeiten, geklaute Referate, schlechte Jobs - alles ziemlich banal und platt. Zugegebenermaßen kenne ich Teile dieser Probleme aus eigener Erfahrung - das erste Semester steckt nun einmal voller Unbekannter und Probleme - aber das ist doch klar.
Auch Schimmers machohafte Tagträume wirken eher lächerlich und peinlich anstatt lustig.

Für ein paar Lacher hat es aber dann doch gereicht, auch weil die Liste der Gastauftritte lang ist: Sissy Perlinger als huschige Vermieterin, Hilmi Sözer als hausschlachtender indischer Mitbewohner, Ralph Morgenstern als Andreas` Chef bei Pizza Hut und Guildo Horn und seine "orthopädischen Strümpfe" als , nun ja, Schlagersänger an der Uni.

Für alle Studenten und Erstsemestler ("Erstis") in spe hier noch ein Tipp: nehmt den Film nicht für voll, denn ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Teilweise wird in dem Film auch ziemlicher Schwachsinn erzählt. Und noch was: Im wahren Studentenalltag gibt es nach dem ersten Semester kein Happy End, sondern ein Countdown von 8 weiteren Semestern - außer man studiert auf "Bachelor" :-).

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