Der Tiger im Tank bringt am Ende nichts, wenn das Vieh bereits im Haus ist…
Eine eher ungewöhnliche Prämisse liefert dieser Tierhorror in Sachen Zusammensetzung: Zwei Personen, ein weitgehend verbarrikadiertes Haus, ein Hurrikan und ein hungriger Tiger sorgen in diesem Kontext für einige recht spannende Szenen, obgleich man am Ende das Gefühl hat, dass das Potential nicht vollends ausgespielt wird.
Die Szenerie beginnt ruhig wie ein Drama und gibt den Hauptfiguren Zeit zur Entfaltung:
Kelly (Briana Evigan) hat ein Stipendium in der Tasche, doch ihren kleinen autistischen Bruder Tom (Charlie Tahan) an der Backe. Als sie feststellt, dass ihr Konto gesperrt ist, konfrontiert sie ihren Stiefvater Johnny mit dieser Tatsache, der das Geld eigennützig für einen bengalischen Tiger investiert hat, um seinen Safari-Park auszubauen.
In einer stürmischen Nacht dringt die Raubkatze ins Haus ein, während Johnny einen heben geht und Kelly durch ein Geräusch wach wird…
Ja gut, warum der Tiger ins Haus eindringt, anstatt in freier Wildbahn nach Nahrung zu suchen erschließt sich nicht unbedingt und weshalb die potentiellen Opfer nicht einfach einen sicheren Zufluchtsort suchen, ist wohl der Dramaturgie geschuldet, welche besonders im Mittelteil mit mächtig Suspense aufwartet.
Allein, wie das große anmutige Vieh durch den Flur tapert und oberhalb von Kelly für einen Moment wahrgenommen wird, bereitet ein mulmiges Gefühl, zumal bewusst ist, dass die meisten Fenster von außen mit Brettern vernagelt sind, da ein heftiger Hurrikan angesagt war.
Also muss man sich verstecken, von einem Raum zum nächsten eilen, eventuelle Gegenmaßnahmen aushecken und wenn es schlimm kommt, eine Messingröhre hinaufklettern, während die große Katze bereits Schweiß geleckt hat.
Glücklicherweise kommen größtenteils echte Tiger (drei werden beim Abspann erwähnt) zum Einsatz, was die Authentizität durchaus erhöht.
Aspekte am Rande werden demgegenüber leider ein wenig vernachlässigt: Was hat es mit dem Selbstmord der Mutter auf sich, wie ist Toms Autismus einzuordnen, in welcher Beziehung standen die Kinder zu ihrem Stiefvater bislang und wo bleibt der groß angekündigte Sturm, der sich letztlich nur als raues Lüftchen herausstellt?
Besonders gegen Ende mehren sich einige Logiklücken und auch der Twist mit einer finsteren Absicht erscheint alles andere als schlüssig, doch anderweitig tragen die beiden Hauptdarsteller (Briana Evigan und der Tiger) einen Großteil zum Gelingen der Handlung bei.
Da die junge Dame ohnehin die meiste Zeit knapp bekleidet umherläuft, ist das bereits ein kleiner Hingucker, doch auch darstellerisch offenbart ihr Spiel glaubwürdige Nuancen und viel Gefühl.
Charlie Tahan hat als autistischer Junge weitaus weniger zu tun, jedoch fällt seine Figur auch eher in die Kategorie „Klotz am Bein“ und kann außer einem leichten Mitleidsbonus wenig ausrichten, da man zu wenig Background über seine Krankheit erfährt.
Am Ende ist „Burning Bright“ einer jener Streifen, von denen man zum Finale hin eine deutliche Steigerung erwartet hätte, die jedoch eher ausbleibt.
Das Tempo ist mit Erscheinen des Tigers zwar kontinuierlich hoch und die Konfrontationsmomente aufgrund der exzellenten Kameraarbeit durchweg spannend ausgefallen, doch aufgrund der minimalen Zutaten und dem arg begrenzten Schauplatz langt ein sich zudröhnender Stiefvater in der Kneipe kaum aus, um einen interessanten Gegenpol zu liefern.
Dennoch, für Freunde ungewöhnlichen Tierhorrors, bei dem mal ausnahmsweise keine Jahresfeier einer Kleinstadt unter schlechtem Stern steht und Wissenschaftler an der Lösung eines Phänomens tüfteln, bildet der Streifen einen meistens spannenden und in der Quintessenz ordentlich unterhaltsamen Beitrag.
6,5 von 10