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Achtung, Spoiler!


Mitten in der Nacht lauert ein Maskierter mit einem Messer Marjorie in ihrem Auto auf. Er versucht sie zu vergewaltigen, doch im letzten Moment kann die arme Frau flüchten...
Das erscheint im ersten Moment natürlich wenig sinnvoll. Robert M. Young hat schon direkt zu Beginn ein ganz ordentliches Maß an Spannung aufgebaut, die jedoch schlagartig wieder verloren geht als Marjorie flieht.

Aber, halt: Joe hat Marjories Brieftasche geklaut und das bedeutet das er weiß wo sie wohnt. Marjorie geht selbstverständlich zur Polizei, doch die kann ihr natürlich nicht weiterhelfen (Achtung, Klischeealarm!). Wer 1 und 1 zusammenzählen kann weiß natürlich das Joe Marjorie noch einen Besuch abstatten wird und der kommt schneller als erwartet. Sobald ihre Mitbewohnerinnen Patricia und Terry das Haus verlassen haben steht Joe auch schon vor ihrer Tür...

Zunächst entwickelt sich "Extremities" sehr stark in die Richtung von "Funny Games" und Konsorten. Joe dringt in Marjories Wohnung ein, hält sie dort fest und macht ihr das Leben zur Hölle. Soweit ist das Ganze ja altbekannt. Es macht anfangs zwar den Eindruck, ein 08/15 Psychothriller ist "Extremities" aber auf keinen Fall. Nach diversen Versuchen Marjorie zu vergewaltigen dreht die mutige Frau nämlich den Spieß um und plötzlich ist Joe das Opfer. Regisseur Robert M. Young spielt geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers.

Wird Marjorie ihren Vergewaltiger tatsächlich lebendig begraben oder kommt sie wieder zur Gesinnung und übergibt den Mann doch lieber der Polizei? Viele Fragen bleiben bis ganz zum Schluss ungeklärt und genau deshalb ist das Ganze auch so spannend. Da sich das Blatt hier gleich mehrmals wendet ist es fast unmöglich einzuschätzen was als nächstes passiert und das Ende bleibt völlig offen. Dadurch hebt sich der Film ganz klar von anderen Genreverträtern ab.

Man kann sich bei "Extremities" weder über Vorhersehbarkeit noch über logische Brüche beklagen. Der Film ist zwar mit einigen Klischees gespickt (Marjorie will aus ihrer Wohnung flüchten, doch genau in diesem Augenblick springt der Wagen nicht an), die werden durch das enorme Maß an Spannung, über das "Extremities" ganz eindeutig verfügt, aber wieder ausgeglichen.

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