Der reißerische Alternativtitel "Gesichter des Sterbens" lässt natürlich einen Vorläufer der zweifelhaften Reihe der "Gesichter des Todes" erahnen, doch in Wirklichkeit handelt es sich um einen Mondo, der einigen Naturvölkern in Neu-Guinea über die Schultern blickt oder zumindest diesen Eindruck erwecken möchte.
Ein Sprecher führt uns durch den kruden und größtenteils konzeptlos aneinander gereihten Mix aus Ritualen, Bräuchen, Tänzen und Feierlichkeiten und hat sichtlich Spaß dabei, zwischendurch den erhobenen Zeigefinger auszufahren, ein paar zynische Spitzen beizumengen oder auch mal zu beleidigen, indem er die Andersartigen Steinzeitmenschen nennt.
Rein thematisch bekommt man so ein Zeug auf jedem Kultursender natürlich fundierter und aktueller präsentiert, zumal viel Fake im Spiel ist und die Kamera komischerweise immer dann nicht draufhält oder eingeschaltet ist, wenn es angeblich zur Sache geht.
So wird einer frischgebackenen Witwe als Status einer solchen ein Finger abgehackt: Die Machete ist fixiert, der Hammer holt aus und kurz darauf ist die Hand verbunden, während der Finger daneben liegt. Das eigentliche Abtrennen des Fingers ist jedoch nicht zu sehen, denn genau dort friert das Bild ein, was im Endeffekt genauso wenig überzeugt, wie die vermeintlichen Überreste eines gegnerischen Toten, an denen sich einige Krieger zu schaffen machen , - gefilmt mit Teleobjektiv aus 100 Metern Entfernung bleibt da nicht viel mehr als undefinierter roter Matsch, was ebenso Erdbeermarmelade sein könnte.
Leider gibt es auch etwas Tiersnuff in Form einer gehäuteten Fledermaus und der Tötung einiger Ferkel für ein anstehendes Fest, obgleich die Tiere nicht des Tötens Willen sterben, sondern einen Nutzen mit sich bringen. Jedoch sieht kurz und schmerzlos eben anders aus.
Etwas erheiternder geht es bei den Sexualpraktiken zu, denn bei diesen nimmt der Mann eine spezielle Stellung ein, um bei einer anstehenden Gefahr sofort eingreifen zu können, was den Beischlaf nicht gerade entspannend gestaltet und auch das Schaulaufen der Männer mit verschieden großen Gurken vor dem Gemächt sorgt für kleine Schmunzler.
Allerdings führt die Dokumentation zu nichts, da es für den Kannibalismus nicht einen Beweis gibt und verschiedene Naturvölker eben so leben, wie sie es seit Jahrhunderten praktizieren, was nicht ansatzweise so grausam sein dürfte, wie eine Nacht im Randbezirk irgendeiner deutschen Großstadt zu verbringen.
Andere Länder, andere Sitten, - jedoch nichts, was einem ansatzweise vor Schreck, Ekel oder Unmenschlichkeit den Atem stocken ließe.
Dafür ist die Kamera auch viel zu häufig nicht auf den Punkt ausgerichtet, die Schnitte fallen oftmals grob aus und auch die musikalische Untermalung von Riz Ortolani bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Bleibt unterm Strich eine trockene Doku mit wenigen interessanten Momenten, jedoch einer Überzahl an drögen Abläufen und gestellten Vorgängen.
Selbst knallharte Mondo-Fans dürften hier kaum fündig werden und auch Zartbesaitete werden beim behutsamen Stechen von Nasenlöchern nicht gleich zum nächsten Klobecken stürzen...
Knapp
4 von 10