Der erste Film von Benôit Mariage sorgte für Aufruhr, da er das Thema des Serienkillers auf eine komödiantische aber auch brutale Seite zeigte. Auch „Les convoyeurs attendent“ ist ein überzeugender Film des Belgiers.
Roger (Benôit Poelvoorde) ist ein Fotograf in einer kleinen belgischen Stadt. Nur schwer kann er seine Familie ernähren, Roger verdient gerade so viel, dass er die Familie über Wasser halte kann. Nur durch seine Fotos von Unfällen etc., wenn er den Polizeifunk abhört, verdient er was. Dann kommt Roger die Idee. Im Guiness-Buch der Rekorde sucht er nach einer Herausforderung. Wenn man einen Rekord bricht, gewinnt Roger ein Auto und könnte sein altes Moped endlich in die ewigen Jagdgründe schicken. Dazu spannt er seinen Sohn Michel ein, der ein merkwürdiges Türenspiel erlernen soll, dafür stellt Roger sogar einen Trainer ein. Völlig von Sinnen zwingt Roger seinen Sohn zu trainieren bis zur totaler Erschöpfung. Dabei erkennt er nicht mehr die Probleme in seiner eigenen Familie. Als dann der große Tag kommt, passiert das Unglück, was Rogers Leben verändert wird und er erkennt, dass der Sieg und das Auto nicht das Wichtigste im Leben sind...
Wieder mal ein kleiner Film aus einem eigentlich unbedeutenden Filmland wie Belgien, der überzeugt und um einiges besser ist als der übliche Mist, der einem im deutschen TV vorgesetzt wird. Benôit Mariage liefert nach seinem Skandalfilm „C'est arrivé près de chez vous“ einen ebenfalls sehr guten Film ab, der aber vom Thema vollkommen anders ist.
„Les convoyeurs attendent“ beginnt zunächst wie eine Komödie, wenn der leicht cholerische Vater seinen Sohn zwingt, einen Rekord aus dem Guiness-Buch der Rekorde zu brechen, so verändert sich der Film doch im Laufe der Zeit zu einem Drama.
Wieder gefilmt in schwarz/weiß, könnte der Film auch in einer Stadt im Ruhrgebiet spielen, denn genau so wie früher sieht die kleine belgische Stadt aus. Es gibt den kuriosen alleinwohnenden Freak genau so wie die übliche Tratschrunde, so wie in jeder Stadt.
Und genau dort beginnt Roger mit seinem Kampf mit seinem Sohn. Roger wird hervorragend dargestellt von Benôit Poelvoorde, der schon den Killer in „C'est arrivé près de chez vous“ spielte. Auch hier zeigt Poelvoorde wieder eine sehr gute Leistung als energischer Vater, dem scheinbar nichts mehr wichtiger ist als das Auto und so seine Familie, mal komisch, mal dramatisch, wirklich Terror bereitet und auch mal ausrastet, wenn der Sohn nicht so spurtet wie er es will. Da bleibt überhaupt keine Zeit mehr, sich um seine Frau und seine kleine Tochter zu kümmern, die immer mehr den Kontakt zum Dorffreak Felix sucht, der schon ein wenig unheimlich wirkt und auch nicht sehr helle. Auch da stellt sich die Frage, was will Felix von einem Kind?
Richtig dramatisch wird es dann gegen Ende, wenn der Film sich vollkommen von seiner komödiantischen Art entfernt und zum wirklichen Drama wird. Da zeigt sich wieder, dass das Materielle nie so wichtig sein kann wie das Leben oder die Familie. Allerdings wirkt es hier nicht kitschig, ganz im Gegenteil, passt es doch optimal zum Film. Dank der hervorragenden Darsteller nimmt man ihnen die Situationen auch ab, und ich spreche nicht nur von Poelvoorde. Auch die Figur des Felix wird noch zur Schlüsselfigur, so der so.
Fazit: Kleiner, interessanter belgischer Film von Benôit Mariage. Er zeigt, was Menschen aus Verzweiflung oder aus Gier tun und scheinbar zu allen bereit sind. Dank der Darsteller wirkt alles glaubwürdig und interessant, so dass man gut unterhalten wird. Der belgische Film überrascht mich immer wieder aufs neue, nach „De zaak alzheimer“ der nächste überzeugende Beitrag aus Belgien. Nach so was kann man in Deutschland wohl lange suchen und wird nicht fündig.