Filmfragmente hatte Pete Walker genug angehäuft, als er sich gegen Ende der 60er Jahre langsam dem Spielfilmformat zuwandte. In den Dutzenden von Nudies, die er bis dahin gedreht hatte, stellte er profane Alltagssituationen oder auch Tagträume dar, die stets damit endeten, dass sich seine Darstellerinnen ihrer Kleidung entledigten. Fotografie spielte dabei als Leitthema nicht selten eine Rolle. Walker empfahl sich deswegen zwar nicht gleich als ein zweiter Michelangelo Antonioni, deutete aber schon früh ein gewisses Interesse an Mode und britischer Pop Art an, beziehungsweise daran, diese zu demontieren, so wie er es auf dem Höhepunkt seiner Karriere bisweilen zu tun pflegte.
„The Big Switch“, im Deutschen wenig zimperlich in „Die Sexparty“ umbenannt, ist Walkers erste Regiearbeit, die man rein der Laufzeit nach als einen vollwertigen Spielfilm bezeichnen kann. Anders als der kurz zuvor entstandene 45-Minüter „Der Porno-Graf von Schweden“ und der gleich im Anschluss gedrehte „School for Sex“ versteht er sich nicht als frivole Komödie, sondern als harter Unterwelt-Krimi – ein erster Fingerzeig auf sein kommendes Genre-Werk „Männer der Gewalt“. Weil die Striptease-Elemente wohl als unabkömmlich galten, um die Erwartungen des Zielpublikums zu erfüllen, werden sie kompromisslos in den eher düsteren Handlungsrahmen gezwängt – und entpuppen sich wenig verwunderlich als veritable Fremdkörper, wenn nicht gar als Ballast für die notdürftige Story, die zu diesem frühen Zeitpunkt noch von Walker selbst verfasst wurde.
So gerät also ein Playboy namens John Carter (Sebastian Breaks), der doch eigentlich nur eine Frau in einer Disco abschleppen wollte, in einen Strudel der Kriminalität, bei dem er es nicht nur mit üblen Gangstern zu tun bekommt, sondern auch mit reichlich nacktem Fleisch, das sich ihm regelrecht um den Hals wirft. Warum, wieso, weshalb… wen kümmert’s, denn eigentlich geht es um die Parodie auf das Gangster-Genre durch ihre Demontage: Ohne Expertise, ohne Skript und ohne Plan einmal quer durch die Klischees. Das ist der eigentliche Plan, wenn man so will.
Walker nutzt dazu immer wieder Ideen aus seinen frühen Kurzfilmen, um Situationen zu etablieren und dadurch seine eigene Gangsterwelt im britischen Hinterland zu erschaffen. So gibt es Beispielsweise eine Strip-Poker-Sequenz wie in „Black Jack“ (1965) oder diverse Shootings wie etwa in „Top Models Of The Year“ (1959) oder „Please Do Not Touch“ (1965). Auffällig ist aber, dass sich aus diesen Sequenzen zu keiner Zeit ein natürlicher Fluss ergibt. Die Regieführung zeigt sich eher ratlos, wenn es darum geht, aus diesen Exkursen wieder in die Haupthandlung überzuleiten, wo es um Fingerabdrücke auf Tatwaffen geht, um Folter, Erpressung und Verschwörung.
Die völlig unkonzentrierte Regie schlägt sich wenig überraschend auch auf die Leistungen der Darsteller nieder, die nicht nur beim Posieren und Räkeln unbeteiligt wirken und eher widerwillig Anweisungen zu befolgen scheinen. Vielleicht wäre mehr Mühe aber ohnehin vergebens gewesen, da Talent eben eine Grundvoraussetzung für ein besseres Endresultat wäre. Hinzu kommen diverse technische Fehler etwa bei den Anschlüssen zwischen den Einstellungen oder im Szenenbild.
Dass sich aus diesem halbgaren Stückwerk letztlich dennoch ein halbwegs ohne Längen auskommendes Krimi-Abenteuer entwickelt, liegt sicherlich auch an den teils durchaus mit Bedacht ausgewählten Sets, die aus heutiger Sicht einen schönen Retro-Blick auf den britischen Chic der 60er Jahre erlauben. Eine Verfolgungsjagd mit einem Aston Martin lässt sogar kurz gewisse Bond-Vibes aufkommen und eine Jahrmarkts-Geisterbahn sorgt für eine reizvolle Final-Kulisse, wenn ihr Potenzial auch leider nicht ganz genutzt wird. Man verpasst aber nicht gerade ein Jahrhundert-Event, wenn man die Einladung zur „Sexparty“ auslässt und sich dafür lieber auf die wesentlich interessanteren Arbeiten Pete Walkers konzentriert, die aus dieser mit Kompromissen belasteten frühen Spielerei mit den Grundlagen filmischen Erzählens viel gelernt haben.