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Armer Lord Wingate! Erst wird er gleich von mehreren geehelichten Damen geschröpft, die es am Ende alle bloß auf sein Geld abgesehen haben (wer hätte das denn ahnen können), dann steht er auch noch vor Gericht, weil er sich mit nicht ganz so legalen Methoden gegen seine Notlage zu wehren wagte. Doch da kommt ihm eine Idee: Warum nicht die gesammelten Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht nutzen, um das eigene Vermögen wieder aufzubauen? Willkommen in der „School for Sex“, der Adresse für junge Dinger, wo die Methoden der Verführung gelehrt werden, um alte Geldsäcke zu identifizieren und anzubohren – und um ein Drittel der Beute an Lord Wingate zu entrichten…

Eine gewisse Umständlichkeit durchzieht diese Frivolität aus den sündigen Jugendjahren Pete Walkers, beinahe so, als sei es nötig, den Herrn von Welt durch eine raffinierte Story für eine erotische Komödie zu begeistern. So vergeht nahezu eine Stunde (von insgesamt 80 Minuten), bis die titelgebende Schule ihre Pforten eröffnet. Bis dahin wird die missliche Lage der Hauptfigur über ihre eigene Off-Stimme rekapituliert, die Motivation und Entstehung der Idee ergründet und das Personal im englischen Hinterland rekrutiert, welches in seiner altbackenen Anmutung schon mal einen Vorgeschmack auf jenes England gibt, das später im filmhistorisch wichtigeren Spätwerk des Regisseurs demontiert werden sollte. Anders als dort schrieb Walker das Drehbuch hier noch selbst und verzettelt sich prompt bei dem Versuch, einen simplen Zugriff auf sein Material zu bekommen, das ja nun nicht gerade mit Shakespeare konkurriert.

Dabei war „School for Sex“ durchaus von kommerziellem Erfolg gekrönt, was wohl nicht zuletzt mit dem Zeitpunkt seines Erscheinens zusammenhing, nahm die sexuelle Revolution Ende der 60er doch ihren Lauf. Ein Umstand, von dem gerade Walker aktiv profitierte, produzierte er bis dahin doch vor allem kurze Nudies auf 8mm, die unter der Ladentheke verkauft wurden. In einer solchen Situation ließ man sich als ausgehungertes britisches Publikum einen Farbfilm mit erhöhten Anteilen von Rosa vermutlich gerne gefallen und Walker kam diesem Wunsch nur zu gerne nach.

Um so erstaunlicher, dass es ihm trotz der unnötig komplizierten Erzählweise gelingt, einen heiteren, unverbindlichen Ton zu etablieren, mit dem sich diese Trivialität ohne größere Schäden überstehen lässt. Und trivial ist sie nicht einmal in allen Belangen, denn es zeugt von einem gewissen kreativen Vermögen und handwerklicher Kompetenz, wenn man dem Betrachter mit so wenigen Mitteln in so mancher Szene doch ein aufrichtiges Schmunzeln zu entringen weiß. So stellt der Regisseur eine gute Beobachtungsgabe beim Umgang mit dem voyeuristischen Publikum unter Beweis, das er in einer Szene in einem Stripclub wie eine Collage von Comicfiguren karikiert: Einer mit Popeye’schem Stielauge, einer mit einem Grinsen aus dem großen Buch des britischen Lächelns, einer mit einem geistlosen Blick wie von einem frisch auferstandenen Zombie. Dem Zuschauer wird ein Spiegel aufgestellt, damit er sich nicht nur an den Reizen der leicht bekleideten Damen delektiert, sondern immer auch einen Blick darauf hat, welches Prachtbild er gerade selbst abgibt.

Derek Aylward liefert in der Hauptrolle derweil eine durchaus charmante Parodie auf den typisch englischen Lebemann mit seinen süffisant gehobenen Augenbrauen und seiner nonchalanten Es-kommt-wie-es-kommt-Art. Auch der gebrechliche Butler und das primitive Kraftpaket aus dem Angestelltenkreis des Lords geben wunderbare Comic Reliefs ab. Rose Alba wiederum, die im Bondstreifen „Feuerball“ einen kurzen Auftritt hatte, verströmt als alternde Männerfresserin einen Hauch von Hollywood-Glamour in dieser No-Budget-Produktion. Die jüngeren Mädchen hingegen, die den Film in luftiger Kleidung, barbusig oder manchmal auch unbekleidet verbringen, bewegen sich unsicher bis ungelenk über das Set und ersticken dadurch trotz viel nackter Haut jede Erotik im Keim.

„School for Sex“ ist aus heutiger Sicht schon ziemlicher Unsinn und auch längst nicht mehr anregend oder anderweitig übermäßig hervorhebenswert, allerdings auf seine Art doch erstaunlich amüsant und wortgewandt.

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