Review

Ich erwähne es nochmal gleich vorneweg: ich seh nicht sehr gern Amateurfilm, weil Enthusiasmus und künstlerisches Talent in den meisten Fälle stets vollkommen getrennte Wege gehen.
Es ist schon eine engagierte Dreistigkeit, mit einem Eimer Schweineinnereien, einigen Maskeneffekten und ein paar Kumpels samt Bierkasten in den nächsten Forst zu stiefeln und dann mit einer Sony Heimkamera einfach mal loszulegen - und genau das lieben Trash- und Amateurfans, weil es ihre geheimsten Wünsche anspricht.
Andererseits ist für den großen Rest der Menschheit die Abwesenheit fast jeder anderen filmischen oder erzählerischen Qualität ein so großes (und schmerzerfülltes) Ärgernis, daß die nächste Reinigung des Abflusses, ein pointierter Zeit-Leitartikel oder die nächste Skripted-Soap aus Ibiza einen geringeren Lebenszeitverlust darstellt.

Aber versprochen ist versprochen, also vertiefe ich mich in schon vorher ehrfurchtsgebietende 90 Minuten von "Das Geheimnis der Zauberpilze", die von P.S.Y.C.H.O. Productions mit viel Aufwand auf Silberscheibe gebannt wurden. Da das gesamte Produktionsteam wohl nur 5-6 Leute umfaßt hat, muß man diesen spielfilmlangen Exzess arbeitstechnisch schon mal würdigen, bevor ich noch auf weitere Stärken oder Schwächen eingehen kann.

Inhaltlich (ach je...) kommt dabei nicht so viel rüber, wie man sich von einem Klappentext vielleicht versprechen könnte, also kein Ultra-No-Budget-Fantasy-Verschnitt vom "Herrn der Ringe", aber immerhin die klassische Story vom guten (wenn auch unbeherrschten) Kumpel, der im Wald beim Trinkspiel seinem hibbeligen Bro eine Bierflasche quer über die Fontanelle bügelt und dann die Leiche verschwinden lassen muß. Da ist aber ein mysteriöser Zwerg davor, der von den vitalisierenden Zauberpilzen quasselt, die den Toten ins Leben zurückbringen können. Insofern eine echte Fantasy-Queste, die den tumben Recken nach dem Foltern eines Hippies in der Folge in den (unvermeidlichen) Forst führt, wo er erst einem psychopathischem Soldaten begegnet, dann einen kannibalistischen Einsiedler abwehren, vor einem Biest flüchten, bis er denn auf einer Lichtung endlich mal die monströsen Zauberpilze findet, die ihn dann gehörig in die Poperze rammeln. Heißa!

Klingt beknackt, ist es auch, klingt aber vor allem nach mehr, als davon wirklich auf dem Schirm zu sehen ist. Da man effektiv nur zwei Darsteller hatte, muß man 90 Minuten Laufzeit natürlich irgendwie füllen und der schöne letzte Absatz klingt leider nur in der Telegrammform abendfüllend. Zwar hat man zur Ergänzung noch zwei "Agressive" auf eine Couch platziert, die vor einem Sammelsurium aus leeren Flaschen biersüffelnd und pöbelnd in Inserts eben diesen Film schauen und studieren, aber dennoch ist "Zauberpilze" viel Rennerei im Unterholz und ansonsten eigentlich nur engagierte Zwiesprache zweier Akteure. Dabei gibt Recke Christian den nölig-mauligen Bud Spencer-Typus, der wenig sagt und stattdessen lieber augenrollend ob der Unsäglichkeiten schmollt, während Kollege Werner in so ziemlich allen anderen Rollen als Hippie, Soldat, Einsiedler, Biest und Kumpel auftritt und sich offenbar den größten Teil der Beinahe-Monologe auf den eigenen Leib schrieb.
Und davon gibt es reichlich...

Ja Freunde, wenn das Amateurgenre auch sonst dafür bekannt ist, möglichst depperte Dialoge in laienhafter Knappheit aufzusagen, wird hier gesabbelt, bis sich der Balken biegt. Christian grollt und Master W. ergeht sich einem Füllhorn aus Akzenten und Stimmverstellungen, die der Verständlichkeit des Dialogs nicht eben entgegen kommt, immerhin muß ich die Variabilität bewundern. Leider ist das inhaltlich alles sehr repetitiv und selbstgefällig und bringt Story oder Plot meistens nichts Entscheidendes.
Während der Start noch recht trashig-witzig daherkommt (Schokostreusel-Stulle zum Frühstück), wirds spätestens beim Trink- und Kloppspiel ein bißchen zäh, denn schon da ist der inflationäre Gebrauch des Wortes "Alter!" (gefühlte 696.482 mal im ganzen Film) zur ultimativen Geduldsprobe mutiert. Die Hippie-Episode an sich präsentiert dann erstmals etwas mehr Gore (Fuß ab!), nachdem der kichernde Prophetenzwerg noch etwas Witz hatte, doch spätestens ab der Begegnung mit dem Soldaten betet der normalsterbliche Zuschauer ohne permanente Öttingerdröhnung um eine Trimmung um etwa 80 Prozent. Minutenlanges atemloses Blabla, in dem der geneigte Filmfan zwar einige Bezüge zu klassischen Genrefilmen wiedererkennen kann, die aber für den Film absolut unwichtig sind. Das wird dann später beim Einsiedler nicht besser, wenn auch mehr Ruhe einkehrt, aber die Abwesenheit wirklicher Gags beim Kannibalenmahl (wozu sich die Idee eigentlich anbot), macht dann das Potential platt. Und Darsteller Master W./M.Heppot sabbelt und sabbelt und sabbelt - und nur wenig davon hat Sinn und Pointe.

Für einen Moment besteht dann noch mal die Möglichkeit auf Qualitätssteigerung, weil der Film unterbrochen wird, da die Aggro-Kollegen hinter der "vierten Wand" sich erstmal die "ungeschnittene Fassung" des Films besorgen müssen, um den ganzen Gore genießen zu können, aber danach ergeht man sich nur noch in Häppchen. Die Biestepisode im tiefen Wald (mit Wohnhäusern und einem vielbefahrenen "Highway") kommt zu kurz, die psychedelischen Effekte mit der Wiedererweckung geraten okay (hier mal ein unheimlicher Moment, den man im Beavis- und Butthead-Modus aber kaum ausnützt) und dann zitieren wir mit einer klassischen "Pilz-Rape-Scene" flott "Tanz der Teufel", bis uns der Zwerg dann endlich erklärt, warum wir aus dem Film nicht gelernt haben.

Erstmal was Positives: ich hab schon viel größeren Schrott gesehen. Der Aufwand für ein so kleines Team ist beachtlich, die Ausstattung für "kein Budget" sehr einfallsreich, die Tricks auf dem Amateursektor sicher gut angesehen. Die Kamera hibbelt nicht, der Schnitt ist akzeptabel und die Musikuntermalung sitzt ebenfalls. Die technischen Voraussetzung sind also recht gut gewesen und man hat was aus den begrenzten Mitteln gemacht, auch der Gore wird die Fans mehr als zufriedenstellen.
Schauspieler sind unsere beiden Protagonisten allerdings nicht. Dafür scheint der Redefluß von "Master W" ungebrochen, denn nicht mal in vierstündigen Theaterproduktionen Marke Shakespeare hört man so viel Monolog, pausenlos und faktisch ununterbrochen.
Manchmal springt dabei sogar ein kleiner Witz heraus, auffälliger sind allerdings die Filmverweise, vom Robert-Frost-Zitat am Beginn bis zu diversen Andeutungen, die zeigen, daß die Macher offenbar ihren Filmkanon eingepfiffen haben und nicht die Dödel-Laien und reinen Biersympathisanten sind, die sie vorgeben zu spielen.

Dennoch: "Das Geheimnis der Zauberpilze" ist letztendlich eine ziemlich langwierige, langatmige und oftmals auch langweilige Angelegenheit, weil der Plot eigentlich in einen Halbstundenfilm paßt und hier endlos in die Breite gedehnt wird.
Das alles macht wenig Sinn (und das soll es auch), ist wenig schlüssig und in den Einzelteilen überhaupt nicht stimmig oder paßgenau (und auch das wird im Film noch thematisiert, immerhin).
Wie schon bei Badmovies.de zu lesen war: man kann hier mal eine halbe Stunde Duschen oder Bier holen gehen, ohne das man was Entscheidendes versäumt und spätestens nach 20 Minuten wird die Fast-Forward-Taste zum besten Freund des Normalzuschauers, um zum Wesentlichen vorzuspulen - was aber niemals eintrifft.

Weniger ist eben manchmal doch mehr und hier schreit man bald nach der Schere, um etwa die Soldatenepisode ganz zu entsorgen, die Waldwanderungen zu kürzen und die Mono-Dialoge auf ein erträgliches Maß zurecht zu stutzen. Gerade weil die Mittel so brauchbar eingesetzt werden und die Technik versierter als im Amateurdurchschnitt daherkommt, ist es so schade, das nicht mehr als drei, vier Jokes den Weg in ein endloses Beinaheskript gefunden haben, das man dann auch noch in Monumentalfilmlänge ausbreitet und platt walzt, was den ganzen Spaß sofort wieder pulverisiert.
Mit 18 Pils auf der Leber und weiteren 30 im Kühlschrank lohnt der Film natürlich trotzdem, aber wirklich genutzt haben die Jungs ihr Potential leider noch nicht.
Vielleicht wäre ja noch Platz in der kleinen Firma für jemanden, der den Darstellern ganz genau aufschreibt, was sie zu sagen haben und wann - das sollte nur keiner der Chefs sein, denn das hat hier schon nicht funktioniert. (2/10)

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