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Die Claudia hat 'nen Schäferhund. Die Familie Richelieur hat 'nen Dobermann, einen reinrassigen, ein schönes Tier. So schön, dass Mama (Franca Stoppi) mit ihm leidenschaftlich sodomiert. Da kriegt die Tochter große Augen. Auch der Papa kriegt große Augen, rastet aus & fackelt spontan ihr Domizil ab. Einige Jahre später verschlägt es das französische Ehepaar Paul (Philippe March) & Yvette Marais (Juliette Mayniel) auf die Insel, er, um zu arbeiten, sie, um zu urlauben. Ihr Verhältnis ist angespannt, die Stimmung kalt bis kälter. Sie ziehen in ein beschauliches kleines Häuschen an der Küste. In der Gegend streift auch Jeanine (Leonora Fani, Star des Schmuddel-Giallos Giallo a Venezia) herum, eine junge Frau, die wie ein Geist auftaucht & wieder verschwindet. Und die Jeanine hat auch 'nen Dobermann. Paul ist von ihr so fasziniert, dass er nach ihr zu suchen beginnt.

Ein, äh, etwas anderes Erotikdrama, das uns die Herren Luigi Montefiori (Drehbuch), Peter Skerl bzw. Virgilio Mattei (Regie) da Mitte der 1970er-Jahre kredenzt haben. Und der Luigi (= George "Man Eater" Eastman) ließ es sich nicht nehmen, seinem Hund Satana zum Leinwanddebüt zu verhelfen. Der dankte es ihm, indem er so überzeugend agierte, dass Frau Stoppi ob des (kurz) dargebotenen (& natürlich simulierten) unmoralischen Aktes angeblich in Rom von einem Richter verurteilt wurde. Aber auch Frau Fani harmoniert gut mit dem Tier. In Nebenrollen sind u. a. Paul Muller & Ilona Staller zu sehen. Ersterer schlurft scheinbar ziellos über die Insel & beglückt alle, die ihm über den Weg laufen, mit kryptischen bzw. philosophischen Monologen, letztere legt ab & flirtet gerne mit Männern, die doppelt oder gar dreimal so alt sind wie sie.

Bestialità ist bei weitem nicht so sleazig & geschmacklos, wie man angesichts des Plots vermuten könnte. Tatsächlich sind die wenigen Kopulations-Szenen so prägnant kurz gehalten & so raffiniert geschnitten, dass im Kopfkino weit mehr abläuft als auf dem Bildschirm. Außerdem zieht sich ein so trauriger Vibe durchs Geschehen (verstärkt durch den überwiegend schwermütigen Score), dass ich mit zumindest einer (gepeinigten) Figur großes Mitleid hatte. Der passabel gespielte Streifen ist hübsch fotografiert, von Giuseppe Bernhardiner Berardini, der neben Stadt in Panik & L'altro inferno u. a. auch Al Festas Fatal Frames abgelichtet hat. Ihm gelingen ein paar schöne Momente der Melancholie & der Poesie, die man in einem Film wie diesem nicht unbedingt erwartet hätte. Eine J&B-Sichtung gibt es ebenfalls. Definitiv ein Film, der in Erinnerung bleibt.

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