Review

Das scheint das perfekte Rezept zu sein: wir haben ein Skript einer just oscargekrönten Rebellendrehbuchautorin, den heißesten Feger auf dem Teenagermarkt und ein Postermotiv, das nach männlichem Testosteron brüllt und Blut verspricht.

Bedeutet das jetzt männliche Schlangen vor den Kinos dreimal um den Block?
Nein, es bedeutet, wir landen einen Flop!
Weil nämlich zwei fast zur gleichen Zeit geschriebene Skripts nicht immer gleich gut sein müssen, eine Autorin sich mit Teenagern wohl auskennen mag, aber nicht unbedingt mit Genrefilmen; ein hübsches Gesicht und ein heißer Körper nicht in jedem Fall einen Film tragen können und eine wenig talentierte Regisseurin sich schon mal entscheiden sollte, wohin ein Film eigentlich fahren soll.

Natürlich konstatiere ich gern, daß Megan Fox problemlos jede Menge heterosexuelle Männer mit Lippen, Hüften und Augen als männermordende zu einer Dauererektion verhelfen kann, aber wir können ja nicht so anspruchslos sein, wie der nicht unbeträchtliche Teil des männlichen Geschlechts, der nur deswegen ins Kino rennt.

Also mal einen Blick auf das Werk von Diablo Cody geworfen, das natürlich schnellstmöglich in Produktion ging, als "Juno" sich zu einem Hit entwickelte und wenn ich mit dem Positiven beginnen darf, in manchen Szenen blitzt der Witz und das Einfühlungsvermögen der Autorin in dieser Geschichte um dämonische Besessenheit und ein männerzerfleischendes Girlie auf - nur leider haben die Szenen dann gar nichts mit Horror zu tun. Immerhin aber mit Sex, denn die Szene die Amanda Seyfried und Johnny Simmons beim ersten Sex zeigen, sind wirklich gelungen UND augenzwinkernd. Daß in der Parallelmontage mit zwölffacher Ansage die gute Jennifer einen jungen Gothic verhackstückt, deutet jedoch schon die Problematik des gesamten Films an.

Denn was "Jennifer's Body" eigentlich sein soll, außer eine zweischneidige Fleischbeschau (Beine und Gore), erschließt sich hier leider kaum. Wie überhaupt die Autorin sich ein wenig schwankend im Genre versucht, denn auch wenn sie sich bemüht, die altbekannten Regeln ein bißchen aufzubrechen, kommt leider nichts Halbes und nichts Ganzes dabei heraus.

Da wäre zunächst mal die Rahmenhandlung, die uns kaum verhüllt schon zeigt, wie der Rest des Films (also die Rückblende) höchstwahrscheinlich verlaufen wird - und genau das passiert dann auch.

Wäre der Film nun eine Parodie, würde er vor Ironie oder Witz triefen oder ernsthaft mit Teenagerproblemen händeln, würde das noch gehen, aber für nichts können sich Autorin und Regisseuse (die übrigens schon "Aeon Flux" donnernd im Limbus versenkt hat) so richtig entscheiden. "Jennifer" soll satirisch sein, hip, modern, ein bißchen direkt, ernst, witzig, augenzwinkernd und gruselig, was an sich ja eigentlich kaum zu schaffen ist. Und es funktioniert auch hier nicht, schwankt unentschlossen hin und her. Spannung kann so leider nicht aufkommen.

Dagegen kann auch die neuernannte Sexgöttin Megan Fox nichts tun, die sich seit ihrer Mechanikerrumpfbeugen in den Transformers-Filmen zum feuchten Traum von Millionen entwickelt hat. Hier müßte sie den Film tragen, doch die mimischen Fähigkeiten sind von Auszeichnungen ernsterer Natur noch weit entfernt. Darüber hinaus ist es aus mit der Träumerei - Brünettchen verschlingt die Männer "literally" mit Haut und Haar (oder zumindest reichlich ihrer Eingeweide) und sie benimmt sich meistens fies, ätzend, arrogant, zickig und ein bißchen wie eine brothohle Dorfeule, sprich: ein Typ, den man flachlegt, aber trotzdem nicht mag. Und wenn sie dann volle Pulle Reißzähne entwickelt, wird es leider auch nicht besser - Bitch bleibt Bitch.

Beruhigend möchte ich aber hinzufügen, daß wir sie dafür natürlich bauchfrei, im Chearleaderröckchen, mit Brustansatz, extra langen Beinen und gratis "panty shot" genießen dürfen, wobei der Autor sich die Freiheit nimmt, ihr gern mal eine kalorienreiche Mahlzeit zu empfehlen, denn sie wirkt hier manchmal arg dünne.

Unpassend dazu hat man "Mamma Mia"-Cutie Amanda Seyfried als Gegengewicht gecastet, die den Plot nun per Voiceover und Rahmenhandlung totlabern darf und frechweg vorgibt, ne graue Maus zu sein, wofür es aber nicht reicht, einer hinreichend niedlichen Darstellerin eine Fielmannbrille zu kaufen und sie Blümchentops tragen zu lassen. Sie ist dann leider immer noch zu hübsch.

Was die Story angeht, so ruckelt und stockt sich alles mit angezogener Handbremse voran. Erst kriegen wir zu viel erzählt, dann lange zu wenig, um dann in einer vollkommen redundanten Schlafzimmerszene mit Lesbentouch alles mal banal nacherzählen zu lassen, was wir bisher noch gesehen haben. Dann folgt der Film wieder Ewigkeiten bekannten Erwartungen und ist plötzlich relativ schnell zuende, samt kleiner Twists für den Abspann, die zwar nicht zu abgedroschen, aber erwartbar sind.

Nach Hause nehmen kann man außer dem Dauergelechze für FHM-Abonennten eigentlich nur hier und da einen makabren Spruch, ein paar dreist-direkte Offenherzigkeiten und einige postmoderne Anspielungen, wie die Klage des Indiebandsängers, man würde heute nur noch den Durchbruch schaffen, wenn man auf so einem Sch...soundtrack drauf wäre. Daß die Sprüche gut, aber nicht unbedingt immer zum Ton der Szene oder der ganzen Story passen, ist da schon selbstverständlich.

Die Pferde sind also gesattelt für einen Film, der ein Brecher in den Leihvideotheken sein wird und ein Hit im Bereich des Filmposterversands, den aber niemand um seiner selbst Willen mögen wird. Ein leicht konfuser Hickhack, der besser für 2-3 Umschriften bei Frau Cody in der Schublade geblieben wäre, ohne Überraschungen, aber mit extrem langen Beinen. (4/10)

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