Die Kritik beruht auf der im Vergleich zur Kinofassung 5 Minuten längeren Extended Version!
Die Kauf-DVD von 20th Century Fox beinhaltet sowohl die Kino-, als auch die härtere Extended Fassung und wenn das, wofür ich mich bei der Wahl im DVD-Menue entschieden hatte, tatsächlich die blutigere Fassung des Films sein sollte, dann ist das schon einer der größten Gags des Films - sicherlich nicht der beste Gag, aber zumindest einer, bei dem der Zuschauer sich das Lachen nicht verkneifen kann.
Jennifer´s Body, von Anfang bis Ende auf sexy Megan Fox zugeschnitten, mag einiges sein - schaurig, lustig, erotisch und teilweise politisch unkorrekt - aber bestimmt nicht blutig, zumindest nicht extrem blutig.
Was hier dem Publikum an Splatter dargeboten wird ist so harmlos, dass mir die hiesige FSK:18-Freigabe mehr als übertrieben erscheint, aber wahrscheinlich störten sich die deutschen Tugend- und Moralwächter eher an den erotischen Szenen, als an das Minimum an Splatter, das es hier zu begutachten gibt.
Der Film von Karyn Kusama braucht zwar fast eine halbe Stunde bis die von Diablo Cody (sie erhielt den Oscar für ihr Drehbuch zu "Juno") geschriebene Story so richtig in Fahrt kommt, unterhält aber von da an auf ganzer Linie und überzeugt mit viel Witz und Erotik, liebevoll gestalteten Charakteren und einigen gruseligen Elementen.
Megan Fox ist Jennifer - unglaublich sexy und das heißeste Girl der Schule. Kein Wunder also, dass alle Jungs verrückt nach ihr sind.
So weit, so gut - hört sich irgendwie so an wie der Ausgangspunkt von "All The Boys Love Mandy Lane" mit dem feinen Unterschied, dass wir es hier nicht mit einem Slasher, sondern mit einer schon sehr kuriosen, aber umso besseren Mischung von Versatzstücken aus diversen Subgenres des Horrorfilms zu tun haben:
Jennifer ist ein männermordener Vamp und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie saugt ihren ahnungslosen Opfern das Blut aus und frisst ihre Organe. Ob sie nun ein Vampir ist oder einfach nur der heißeste und geilste Zombie der Filmgeschichte wird nicht genau definiert. Fakt ist nur, dass für sie das Unheil seinen Lauf nahm, als sie das Opfer eines fehlgeschlagenen Rituals wurde. Seitdem ist sie zum ewigen Leben verdammt und die makellose Schönheit hat nur einen winzigen Haken: sobald sie frisches Blut benötigt schwindet ihre Schönheit, ebenso ihre übermenschlichen Kräfte und sie mutiert zur primitiven Schlampe, was alsbald ihre beste Freundin Needy - ihres Zeichens eine graue Maus - auf den Plan ruft. Aus der Sandkastenfreundschaft entwickelt sich ein Duell "Good Girl versus Bad Girl" mit tödlichem Ausgang.
Dies ist in groben Zügen die Rahmenhandlung, die Megan Fox genug Spielraum lässt, um als Highschool-Bitch so richtig die Sau rauszulassen. Abgefüllt mit frischem Blut und warmen Innereien blüht sie auf und ist einfach nur unwiderstehlich und heiß, wobei der Filmtitel eindeutig Programm ist.
Auch wenn Regisseurin Kusama mit ihrem Star und deren optischen Reizen vor allem die männlichen Zuschauer nahezu um den Finger wickelt, punktet "Jennifer´s Body" vor allem mit unterschwelliger Erotik. Vieles wird nur angedeutet, denn wenn in Nahaufnahme Megan den Reißverschluss ihrer Jacke öffnet und den Blick auf den Ansatz ihres Busens freigibt, ist spätestens kurz vor der kompletten Enthüllung ein Cut, der zur kalten Ernüchterung der aufgehitzten männlichen Gemüter führt.
Und wer glaubt, Megan hier pudelnackt zu erleben, wird zwar in dieser Hinsicht enttäuscht, gleichzeitig aber auch mit einer sehr erotischen Lesbenszene zwischen ihr und ihrer Kollegin Amanda Seyfried entschädigt. Hier prickelt es richtig auf der Leinwand und erotischer kann Filmsex einfach nicht sein!
Zwischen Blut und Busen kommt auch der Humor nicht zu kurz, wobei es das Drehbuch schafft, die Balance zwischen provokativen Doppeldeutigkeiten, Situationskomik und politischen Unkorrektheiten zu halten, ohne jemals albern oder primitiv zu wirken. Wenn Jennifer neuen "Stoff" benötigt kriegen asiatische Nageldesignerinnen genauso ihr Fett weg wie Hannah Montana, eine der Ikonen der Popkultur.
Absolutes Highlight ist jedoch J.K. Simmons in seiner Nebenrolle als Pauker Mr. Wroblewski. Simmons dürfte aufmerksamen TV-Zuschauern als kahlköpfiger Chief Will Pope aus "The Closer" bekannt sein, der hier mit üppiger Kraushaarfrisur und Handprothese den wohl abgedrehtesten Auftritt innerhalb des ganzen Films hat und einfach nur zum Brüllen komisch ist.
Ansonsten bedient sich "Jennifer´s Body" an den üblichen Teenager-, Highschool- und Kleinstadt-Klischees, um sie genüßlich durch den Kakao zu ziehen. Dies geschieht auf Rücksicht auf ein sehr junges Publikum ganz im Stil heutiger Teenie-Horror-Romanzen wie "Twillight" oder der Serie "Vampire Diaries" und ist entsprechend sehr flott und stylisch inszeniert, wobei diverse Acts aus den US-Charts den Unterhaltungswert dieser Highschool-Horrorkomödie perfekt machen.
Fazit:
vollkommen anders als erwartet - und das ist auch gut so!
Herrlich schräg und geschmacklos sagt "Jennifer´s Body" schwülstig-kitschigen Horror-Romanzen wie "Twillight" den Kampf an und überzeugt mit dieser Mischung nahezu auf der ganzen Linie!