Eine höchst unerfreuliche Entwicklung machte die US-Komödie um die Jahrtausendwende mit "Scary Movie" durch. Eigentlich könnte man um diese dramaturgisch wie inszenatorisch zur völligen Unbeholfenheit verdammte Aneinanderreihung mal mehr, mal weniger niveauloser Gags hinwegsehen, wären nicht aufgrund des Erfolgs (hierzulande reichte es für die goldene Leinwand) in der Folge ähnlich gelagerte Werke wie "Shriek If You Know What I Did Last Friday the Thirteenth" (2000), "Scary Movie 2" (2001), "Scary Movie 3" (2003), "Scary Movie 4" (2006), "Date Movie" (2006), "Epic Movie" (2007), "Meet the Spartans" (2008), "Superhero Movie" (2008), "Disaster Movie" (2008) und in Deutschland etwa "H3 - Halloween Horror Hostel" (2008) entstanden - nicht selten unter der Beteiligung der Drehbuchautoren von "Scary Movie", die da wären: Shawn Wayans, Marlon Wayans, Buddy Johnson, Phil Beauman, Jason Friedberg, Aaron Seltzer; leider aber auch unter der Beteilung von Größen wie Charlie Sheen oder Leslie Nielsen, die hier ihre bisherigen Tiefpunkte erreicht haben dürften.
Das Konzept dieser Spoof-Comedies liegt im Aufgreifen bekannter Szenen aus zumeist aktuellen Kinoerfolgen, die dann ins Humoristische gekippt werden sollen.
Bei "Scary Movie" hatte man sich mit Wes Cravens "Scream" (1996) - der sowohl Cravens eigene Karriere, als auch den Slasher- und Teen-Horrorfilm neu belebte - einen erfolgreichen Horrorfilm ausgesucht, dessen Zielgruppe einerseits zu einem großen Teil aus Slasherfans bestand, die als Subgenre-Allesgucker in der Regel auch einer Slasher-Parodie eine Chance geben, und andererseits eben aus Teenagern, bei denen das Filmsichtungsverhalten leicht genug einzuschätzen ist um mit Anspielungen auf Blockbuster der letzten halben dekade den richtigen Nerv zu treffen. Zudem war der reine Handlungsablauf von "Scream" (anders als es bei den ebenfalls aufgegriffenen Filmen "Matrix" (1999) oder "The Sixth Sense" (1999) der Fall gewesen wäre) simpel genug, um als Aufhänger für eine Gag-Abfolge zu dienen. Und auch andere Teenie-Slasher wie "I Know What You Did Last Summer" (1997) und "Scream 2" (1997) konnte man als ähnlich gelagerte Streifen problemlos als Lieferant der Grundhandlung einfließen lassen, ohne sich groß den Kopf zerbrechen zu müssen - dass sich sowas schwerer gestaltet, wenn die parodierten Objekte inhaltlich weiter auseinanderliegen, zeigt sich deutlich an "Scary Movie 4", der seinen zerfahrenen Plot um Außerirdische und den sadistischen Jigsaw-Mörder weder routiniert zusammenhält, noch wirklich zusammenhalten will.
Der Film beginnt zunächst in der Prätitelsequenz als 1:1 Kopie von Cravens "Scream", angereichert mit Witzen über Brustimplantate, Blowjobs, "Schwuchteln", Flatulenz und geprügelte Kinder. Die andere Form von Humor besteht dann im Aufzeigen von Genreregeln: Die vermeintliche Heldin flieht vor dem Killer und wählt bei der nächsten Gabelung von "Safety" und "Death" freilich den Tod, wobei sie nahezu ihre gesamte Kleidung verliert.
Diesen Tonfall hält der Film dann auch konsequent durch, schnell machen sich aber drei Probleme bemerkbar: Zum einen ist es nämlich völlig witzlos die Parodie eines Filmes zu erschaffen, welcher in seiner selbstironisch-selbstreflektiven Färbung bereits selbst als Hommage an und Parodie auf den Slasherfilm fungiert. Und so subtil und treffend wie "Scream" zeigt "Scary Movie" in keiner Sekunde die Strukturen und Motive des Subgenres auf, das hier hauptsächlich parodiert wird. Und wenn irgendwann eine Parodie auf den Slasherfilm in den Kanon der Genregeschichte eingehen wird, wie es bereits "The Fearless Vampire Killers" (1967) als Parodie auf die Hammer-Horrorfilme oder "Young Frankenstein" (1974) als Parodie auf die Universal-Horrorfilme vergönnt gewesen ist, dann wird es sich auch "Scream" und nicht um "Scary Movie" handeln.
Zum anderen macht sich beständig eine unübersehbare Willkür breit: Die political incorrectness des Films, die ihn beständig die Fetten, die Schwulen, die Blondinen, die Zurückgebliebenen und die Weicheier zur Zielscheibe schlechter Scherze machen lässt, ist genausowenig in den parodierten Vorbildern angelegt wie auch der infantile Fäkalhumor in diesen an keiner Stelle verankert ist. Und diese Gags befinden sich dann doch deutlich in der Überzahl.
Und letztlich geraten die meisten dieser Gags auch noch zum wahren Ärgernis: die political incorrectness ist keinesfalls eingebaut, um auf entsprechende Tendenzen in anderen Werken aufmerksam zu machen, sie spekuliert nur auf die unverhohlene Lust breiter Teile des Publikums, über Minderheiten zu lachen und sich dadurch schlimmstenfalls den eigenen sozialen Status zu bestätigen. Dass man politisch weniger korrekte Gags auch in moralisch einwandfreier Weise inszenieren kann, zeigten etwa James Muro und Roy Frumkes in ihrem "Street Trash" (1986), der beständig gesellschaftliche Randgruppen über andere Randgruppen hetzen lässt und damit aufzeigt (oder vorsichtiger ausgedrückt: die These aufstellt), dass es den meisten Personen leichter fällt Außenseiter zu bashen um sich dadurch positiv abzugrenzen, anstatt sich mit ihnen zu solidarisieren. Ebenso sind auch die Körperausscheidungs- und Sexwitzchen weitestgehend wenig ansprechend geraten: Anders als bei den Ikonen des Ekel-Humors wie etwa John Waters wird das vermeintlich Ekelhafte hier nicht gefeiert und sein Negativ-Status nicht in Frage gestellt, hier wird das vermeintlich Ekelhafte als objektiv ekelhaft präsentiert, was den ganzen Film letztlich sehr prüde wirken lässt, auch wenn - im US-Kino passiert es selten genug - erigierte Schwänze durchs Bild ragen und Spermafontänen die Sexualpartnerin an die Zimmerdecke spritzen.
Andere Probleme, die nicht diese spezielle Komik des Films betreffen, liegen einerseits in der Dramaturgie, andererseits in der handwerklichen Umsetzung: Die ganze Geschichte ist letztlich nur ein McGuffin für die eingebauten Gags, die Einzelszenen werden holperig aneinandergereiht, glaubhafte Motivationen und überzeugende Auflösungen sucht man hier vergeblich. Spannung kommt - falls jemand sowas von dieser Slasherparodie überhaupt erwartet - nicht auf.
Die Regie bleibt einfallslos, weder Kameraführung noch Schnitt, weder Farbdramaturgie noch Tonspur sind zu loben. Die wenigen Effekte (auch hier bietet der Film wenig) wirken kaum überzeugend und die Darstellerleistung sind schwach, was allerdings auch an den Rollen liegen könnte, in die die Darsteller schlüpfen müssen.
Der Zielgruppe schien all das egal zu sein und der Film wurde ein ziemlicher Erfolg - wie gesagt: goldene Leinwand. Das treffendste Fazit stammt wohl noch immer von Jörg Buttgereit: "Dem Kurzzeitgedächtnis der Zielgruppe entsprechend, beschränken sich die Zitate auf einschlägige Filme der letzten Zeit. Deftig gelungen, die Nummernrevue, vorausgesetzt man kann sich mit dem Besorgnis erregend niedrigem Level der Fäkal-, Pimmel- und Schwulenwitze arrangieren."
An dieser Stelle noch ein paar Worte zu den Sequels: Der zweite Teil ist kaum weniger däm- und peinlich, hat jedoch zwei Pluspunkte - er versucht nicht, einen Film zu parodieren, der selbst schon zum Teil eine herausragende Parodie darstellt und er spricht weniger die Teenie-Generation seiner Zeit an als vielmehr die Cineasten mit einem Faible für den Horrorfilm, denen bei der Sichtung wieder mal der eine oder andere fast schon vergessene Klassiker wieder ins Gedächtnis kommt. Schwach 3/10 für Teil 2. Teil 3 und 4 geraten unter David Zucker (in den 80ern und frühen 90ern eigentlich eine Garantie für eine gute Filmkomödie) immerhin zu weniger nieveaulosen Gag-Abfolgen, wobei der vierte Teil - wie erwähnt - arge Probleme hat, seine Geschichte beieinander zu halten - 5/10 und 4/10.
Dieser erste Startschuss (in meinen Augen ein seltener Tiefpunkt des kommerziell erfolgreichen US-Films) bekommt allenfalls seine 1,5/10 (und auch nur, weil "Shriek If You Know What I Did Last Friday the Thirteenth", "Disaster Movie" und "H3 - Halloween Horror Hostel" das Kunststück vollbracht und gezeigt haben, dass es auch noch schlechter geht.)