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Cindy und ihre Clique haben vor einem Jahr einen Mann überfahren und anschließend im Meer versenkt. Dabei haben sie sich gegenseitig geschworen, kein Sterbenswörtchen zu verraten. Doch just in dem Moment, in dem ein Serienkiller sein Unwesen treibt, bekommt jeder die ominöse Botschaft „Ich weiß, was du letztes Halloween getan hast“. Kreisch! Fortan muß jeder um sein Leben fürchten...
„Scary Movie“ orientiert sich, Horrorfilmfans wissen natürlich längst Bescheid, unübersehbar an den erfolgreichen Kinohits „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und vor allem „Scream“. Der Inhalt spielt dabei überhaupt keine Rolle, vielmehr wird eine Szene nach der anderen aus den besagten Streifen aneinandergereiht und aufs Gröbste veralbert. Von Handlung kann daher keine Rede sein, gerade die Auflösung des Täters ist so dermaßen aus der Luft gegriffen, so absurd, daß man dem Regisseur und seinen Autoren pure Absicht unterstellen will.
Schon die sogenannte Pre-Title-Sequenz parodiert den denkwürdigen Auftakt von Wes Cravens „Scream“, in dem die arme Drew Barrymore auf bestialische Weise ihr Leben lassen mußte, als sie beim Horrorquiz am Telefon eine falsche Antwort gab. Das Mordopfer mimt hier Carmen Electra, die eine ordentliche Portion Selbstironie mitbringt und das Klischee vom blonden Dummerchen voll und ganz erfüllen darf: Bei der Flucht vor dem Täter bewaffnet sie sich mit einer Banane, rennt in die falsche Richtung (obwohl der Weg freundlicherweise mit „Safety“- und „Death“-Wegweisern ausgeschildert ist), wird vom Verfolger eingeholt, der ihr zunächst nur die Kleider vom Leib reißen kann (woraufhin Carmen erst einmal anfängt, für die Kinozuschauer zu posieren) und der anschließend mit dem Messer lediglich das Silikon aus ihrer linken Brust ziehen kann, läuft schließlich vor das Auto ihrer Eltern und wird im hohen Bogen durch die Luft katapultiert, bevor der Messerstecher ihr Ende besiegelt. Ein herrlich geschmackloser Beginn eines garantiert geschmacklosen Filmchens!
Tatsächlich bewegt sich die Gagfrequenz in der Folgezeit auf einem mitunter bedenklich niedrigen Niveau. Auf Teufel komm heraus werden im Fünf-Sekunden-Takt pubertäre Witze herausgehauen, die überraschend häufig ins Schwarze treffen, da ich in der Regel auch nichts gegen Humor weit unter der Gürtellinie einzuwenden habe. Anspruchsvollere Gemüter hingegen, die nicht bereit sind, ihr Hirn einmal komplett abzuschalten, werden „Scary Movie“ garantiert keine zehn Minuten ertragen und entnervt ausschalten.
Ich persönlich finde die grobschlächtige Parodie auch beim wiederholten Ansehen noch weitestgehend amüsant. Einzelne Szenen sind echte Höhepunkte: Neben Carmen Electras Gastauftritt sind dies zweifelsohne die kleinen Probleme, die Cindy und Bobby erst einmal überwinden müssen, bevor sie das erste Mal miteinander schlafen. Den meisten Lacherfolg erzielt bei mir aber immer noch die abstoßende Mrs. Man, mein persönlicher Favorit. Zum Kugeln komisch!
Die Trefferquote ist, wie oben gesagt, erstaunlich hoch, aber es gibt eben auch manch lästigen Rohrkrepierer, der das Sehvergnügen einschränkt. Die Schwäche nämlich ist der Handlungsstrang rund um Brendas bekifften Bruder Shorty. Mag es anfangs noch ganz lustig sein, wenn er total zugedröhnt interviewt wird und unkontrolliert zu kichern anfängt, so verkommt er zum Schluß zu einem echten Störfaktor. An diesen Stellen wird der Bogen der Albernheit einfach überspannt. Tut mir leid, ich fand‘s ziemlich bald nur noch nervtötend. Überhaupt sind die Kiffer-Gags recht öde, das Drehbuch ist in der Hinsicht erschreckend einfallslos. Nicht so schlimm, aber auch gnadenlos übertrieben (nach meinem Geschmack vereinzelt ZU übertrieben) die Figur des Deputy Doofy.
Ein großes Plus ist das Darstellerensemble, dem man den Spaß, den die Schauspieler während der Dreharbeiten ganz offensichtlich hatten, deutlich anmerkt. Die recht niedliche Anna „Cindy“ Faris (jüngst in „Lost in Translation“ zu sehen) und Shannon „Buffy“ Elizabeth („American Pie“) blühen in ihren Rollen ebenso auf wie Marlon Wayans, der sich selbst - er war gleichzeitig Drehbuchautor - den Kiffer Shorty auf den Leib geschrieben hat. Regina Hall als Brenda darf als Nervensäge vom Dienst auf den Wecker fallen und findet ihren wohlverdienten Tod im Kino („Scream 2“ läßt grüßen!) - wobei der eigentliche Killer in dieser Szene höchstens im Ansatz für ihr Ableben verantwortlich ist.

Fazit: Erster und mit Abstand bester Teil der bisher drei Filme umfassenden „Scary Movie“-Reihe. Keenen Ivory Wayans und seine Crew ziehen hauptsächlich die sehr erfolgreichen Horror-Kassenschlager „Scream“ (der ja eigentlich schon eine Parodie aufs Teenie-Slasher-Genre gewesen ist) und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ über weite Strecken äußerst geschmacklos durch den Kakao. Das mag viele Zuschauer vergraulen, ich schaue mir den Film immer wieder gern an. Sehr grobe und nicht immer gelungene Gags, dafür im Gesamtbild extrem unterhaltend und witzig.
GESAMT: 7/10

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