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Die blaublütigen Carltons sind eine Familie zum Knuddeln: Marmy (Billie Burke) und Papa „Sahib“ (Roland Young) sind stolz, dass ihr Sohn Richard (Douglas Fairbanks Jr.) in Monte Carlo bald in eine reiche Familie einheiratet. Da scheint es nebensächlich, dass Tochter George-Anne (Janet Gaynor in ihrer letzten grossen Rolle) sich in den gewöhnlichen Duncan MacRae (Richard Carlson in seiner ersten Rolle) verliebt hat. Doch die Freude währt nicht lange: Die Carltons werden von der Polizei „gebeten“, Monte Carlo sofort zu verlassen - man ist ihnen auf die Schliche gekommen. Denn die Carltons sind Betrüger, Schmarotzer, die auf Kosten der Reichen leben; keiner von ihnen hat je im Leben wirklich gearbeitet.

Das ist die Ausgangslage dieser herrlichen Komödie aus den Dreissigerjahren, die heute leider völlig vergessen ist. Produziert wurde sie von David O. Selznick, Regie führte der heute kaum mehr bekannte Richard Wallace, der Maurice Chevaliers ersten Tonfilm (vor „The Love Parade“) inszeniert hatte. Das pointenreiche Drehbuch stammt aus der Feder von Paul Osborn („Die Wildnis ruft“, „Jenseits von Eden“).

Die Produktion überrascht mit ihrem teuren Look: Es ist eine Augenweide, was da an Detailliebe und vor allem Kosten in die Ausstattung, das Design und die Special Effects gesteckt wurde - bei Selznick gehörte dies zum guten Ton, auch für Komödien. Es gibt ein aufwändig inszeniertes Zugsunglück, ein futuristisches Rennauto, die detailreiche Ausstattung eines simplen Ingenieursbüros lässt einen staunen, ebenso andere Lokalitäten wie ein Nightclub oder ein Autosalon. Freunde des Art déco werden ihre Freude an „The Young in Heart“ haben; ich empfand all die Pracht und Schönheit in einer leichten Komödie eher gewöhnungsbedürftig.

Zurück zur Handlung: Die Carltons lernen nach ihrem Hinauswurf aus Monte Carlo im Zug eine einsame und vor allem reiche alte Dame (Minnie Dupree) kennen, mit der sie sich soweit anfreunden, dass sie von ihr in ihre Londoner Residenz eingeladen werden. Der Plan ist, sich die Aufnahme ins Testament der Gastgeberin zu erschleichen. Um deren Anwalt zu täuschen müssen sich die beiden Männer der Familie eine ehrliche Arbeit suchen. Und da beginnt nun der Reformationsprozess der „Gauner mit Herz“ (so der deutsche Filmtitel): Richard und Sahib finden Spass an ihren Jobs – kommt dazu, dass die knuffige alte Dame sämtlichen Carltons immer mehr ans Herz wächst…

„The Young at Heart“ erfreut mit pfiffigen Dialogen, originellen Charakteren, einem durchgängig heiteren, unbeschwerten Grundton und einer grandiosen Besetzung, die so richtig toll harmoniert. Leider gibt es eine Schwachstelle: Neben all den grandiosen Darstellern fällt Minnie Dupree als die alte Dame stark ab – sie spielt ihre Rolle mit einem Zuviel an Pathos, was völlig unnötig ist. Schade, dass der Regisseur in dieser Beziehung sie nicht zurückgebunden hat. Die Rolle ist im Drehbuch schon so sympathisch angelegt, dass sie keiner zusätzlichen Zuckerglasur bedurft hätte.

Trotzdem: Ein sehenswerter Klassiker, der einen Blick unbedingt lohnt.

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