Nach und nach trudeln weitere italienische Gialli auf dem DVD Markt ein. Schon zu Begin der 70er siebziger Jahre entstand „La tarantola dal ventre nero“, der jetzt erst nach über 30 Jahren wirklich entdeckt werden kann...und schnell ein Klassiker werden dürfte.
Lange ist Inspektor Tellini (Gincarlo Gianni) noch nicht im Geschäft, doch genau solche Fälle bringen ihn fast dazu, den Job schnell wieder niederzulegen. Maria Zani wurde in ihrer eigenen Wohnung von einer unbekannten Person quasi abgeschlachtet. Maria galt als Nymphomanin und war seit kurzer Zeit von ihrem Mann getrennt. Der ist auch der erste Tatverdächtige für Tellini. Dann passiert ein weiterer Mord, ebenfalls an einer Frau. Diesmal aber hat der Täter einen wichtigen Hinweis zurückgelassen. Die Opfer wurden mit einer Akkupunkturnadel in den Nacken gelähmt, bekamen ihre Ermordung aber noch hautnah mit.
Der Psychopath mordet weiter und eine weitere Spur führt Tellini in einen Massagesalon. Sex und Erpressung scheinen hier an der Tagesordnung, doch der Killer hat nun auch ein Auge auf Tellini und seiner Freundin Anna geworfen, da Tellini dem Mörder immer weiter auf die Spur kommt...
„La tarantola dal ventre nero“ war eigentlich schon immer ein Geheimtip im Giallo-Genre, doch es war unglaublich schwer, diesen Film zu bekommen, gar unmöglich war es aber,ein verständliche Fassung aufzutreiben. Nun aber ist es endlich möglich, sich diesen klasse Giallo auf italienisch mit lesbaren Untertiteln zu schauen.
Das Giallo-Genre kann man eigentlich nicht neu erfinden. Die Regeln sind klar festgelegt, auf allzu viel Logik wird nicht gerade wertgelegt. Viel wichtiger sind die typischen Elemente des Genre. Der Täter wird erst gegen Ende dem Zuschauer präsentiert, dazu hat er meistens einen psychischen Knacks, hinzu kommen die typischen Handschuhe, kreative Morde und passende Musik. Arbeitet man diese Liste von vorne nach hinten ab, so erfüllt „La tarantola dal ventre nero“ alle diese Kriterien.
Der Film beginnt schon mit einer recht stimmigen, aber für Ennio Morricone recht eigenwilligen Musik. Nackte Haut wird dem Zuschauer ebenso wenig vorenthalten, doch lange sollte man sich an dieser Frau nicht erfreuen, einige Minuten später ist sie nämlich tot.
Im Giallo-Genre sollen die Morde kreativ sein, je nach Regisseur sind sie dann auch noch mehr oder weniger blutig und brutal. Paolo Carara fährt hier eine gelungene Schiene. Die Opfer werden nicht einfach abgeschlachtet, vorher werden sie mit Hilfe einer Akkupunkturnadel bewegungsunfähig gemacht. Erst dann beginnt der Mörder sein blutiges Spiel.
Die Idee dieser Art stammt schon, wieder Name der vermuten lässt, von einer Tarantel. Doch diesmal ist die Tarantel das Opfer. In der Natur gibt es eine Wespe, die die Tarantel mit Hilfe ihres Stachels bewegungsunfähig macht, ihre Larve in den Körper der Tarantel einführt. Nach einiger Zeit kann sich die Tarantel zwar wieder bewegen, wird aber später innerlich von der wachsenden Wespenlarve bei lebendigen Leibe aufgefressen.
Jedenfalls ist diese Idee mal komplett neu und tut dem Film wirklich gut.
Doch nicht nur die Morde müssen stimmen, auch das Umfeld. Auch das passt hier wirklich gut. Der Film ist spannend, es gibt wie immer in diesem Genre zig Verdächtige, wonach einer nach dem anderen dann immer ausscheidet.
Darstellerisch ist der Film auch hervorragend besetzt. Gincarlo Gianni ist ein Inspektor, der nicht einfach cool durch die Gegend läuft, Gianni ist auch persönlich betroffen und der Fall geht ihm nah. Hinzu kommen diverse bekannte Frauen der 70er und 80er Jahre, sogar Bond-Girl Barbara Bach ist dabei, die aber mehr einen kleineren Part hat.
„La tarantola dal ventre nero“ hat auch diesen typischen italienischen Flair. Die Atmosphäre stimmt einfach, der Film zieht einen vollkommen in seinen Bann und man erwartet mit Spannung die Auflösung. Profis des Giallo-Genre könnten aber den Killer schon vor der eigentlichen Auflösungen wissen, vielleicht das einzige Manko im Film. Diesmal ist es nicht ganz so schwer zu erraten, wer der Täter ist. Sei es drum, man wird über 90 Minuten blendend unterhalten, was auch nicht jeder Giallo schafft.
Fazit: Wer einen typisch italienischen Giallo sucht, ist hier goldrichtig. Ein vermummter Täter, kreative Morde und größtenteils unbekleidete Frauen. Doch dieser Giallo biete noch mehr, nämlich Spannung und Atmosphäre. Der Film reicht zwar mit seiner Direktheit zwar nicht an die Gialli von z.B. Dario Argento heran, dies konnte man 1972 auch nicht erwarten, dennoch ist der Film für sein Entstehungsalter handwerklich hervorragend gemacht. Von seiner Intensität her könnte man ihn vielleicht mit Argentos „Bird with the crystal plumage“ vergleichen, wobei ich sagen würde, „La tarantola dal ventre nero“ ist noch um einiges besser. Giallo-Fans werden jedenfalls um diesen Film nicht herumkommen. Dann aber bitte in der Originalsprache italienisch, denn der englische Dub z.B. ist einfach nur grausam. Der Großteil der Schauspieler sprach eh italienisch.