Im Jahre 2000 war es endlich so weit: die erste optisch und dramaturgisch rundum gelungene Comic-Verfilmung fand mit den „X-Men“ den Weg in die Kinosäle der Welt. Wo früher Bat- und Superman in hautengen Leibchen für Unterhaltung sorgen mussten bzw. durften, ist mit Beginn des neuen Jahrtausends eine neue Generation der Superhelden dran, die Welt zu retten und das (Heim-)Kinopublikum in Begeisterungsstürme zu versetzen. Bryan Singer – seines Zeichens Regisseur des erstklassigen Films „Die Üblichen Verdächtigen“ – gelang mit den „X-Men“ ein gelungener Einstieg in den Kosmos der übernatürlich begabten Heroen, der den Auftakt einer neuen Welle von Comic-Verfilmungen bedeuten sollte.
Die Welt ist in zwei Lager aufgeteilt: Die „normalen“ Menschen, die versuchen, ihren alltäglichen Geschäften nachzugehen; und auf der anderen Seite die Mutanten, die von dem Großteil der Menschheit als Gefahr angesehen werden. Einer dieser Mutanten-Gegner ist der Senator Robert Kelly, der mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln diese vermeintliche Gefahr einzudämmen versucht. Eine Gruppe Mutanten, angeführt vom mächtigen Mutanten Magneto, versucht, Kelly das Handwerk zu legen und die gesamte restliche Menschheit zu Mutanten zu machen. Dieser Gruppe gegenüber stehen die X-Men, angeführt von Professor Charles Xavier (Patrick Stewart). Sie wollen den Plan Magnetos vereiteln und zugleich den Menschen demonstrieren, dass keinerlei Gefahr von ihnen ausgeht.
Zugegeben: Für einen Neuling in der Materie des Comics dürfte „X-Men“ etwas erschlagend wirken. Denn neben der komplexen Story und den beeindruckenden Bildern, die hier geboten werden, hat man mit einem weiteren „Problem“ zu kämpfen: Die Masse der Charaktere, die hier in einem einzigen Film eingeführt werden, können für Unbehagen und einiges Grübeln á la „Wer war das denn jetzt noch mal?“ sorgen. Aber das auch nur zu Beginn. Schnell lernt man die Mutanten rund um Professor Xavier lieben. Hat man sich dann einmal in dem X-Men-Universum zurecht gefunden, bietet sich ein optischer Leckerbissen, der zudem durch eine starke Story zu überzeugen weiß. Sämtliche Charaktere wirken nicht überzogen, die Effekte liegen auf einem – auch sechs Jahre später noch – überdurchschnittlichem Niveau, und die dramaturgische Komponente des Films wurde bis aufs letzte ausgereizt. „X-Men“ überzeugt durch seine Ausgewogenheit zwischen „guter“ und „böser“ Seite (vor allen Dingen ist die Personifizierung der beiden Seiten durch Patrick Stewart und Ian McKellen erstklassig gelungen), durch eine Dichte, die Comic-Verfilmungen nur selten vorzuweisen haben, und durch seine visuelle Erscheinung, die gelungener nicht sein könnte.
„X-Men“ ist für Comic-Freunde und solche, die es noch werden wollen, erstklassige Kino-Unterhaltung (in erster Linie fürs Auge), die Lust auf mehr macht. Der Auftakt zu einer (hoffentlich) herausragenden Reihe von weiteren Abenteuern der Mutanten-Truppe! Popcorn auspacken, DVD einlegen und Spaß haben! 8 von 10 Punkten!