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Die Comicvorlage X-Men zu verfilmen ist ein schwieriges Unterfangen. Zum einen ist das Comic-Universum der X-Men extrem komplex mit vielen verschiedenen Spin-Offs mittlerweile, zum anderen gibt es zig wichtige Elemente, die wenn weggelassen, den Fan vor den Kopf stoßen würden. Und letztlich gibt es kein klares Schwarz-weiß-Schema wie in anderen Superheldencomics.
Alleine die Tatsache, dass die X-Men im Comic-Universum bei Marvel teilweise selbst als Aussätzige behandelt werden, obwohl sie immer wieder versuchen, die Welt zu retten ist Indiz genug dafür, dass es sich hierbei um eine andere Art von Superheldencomic handelt.

So wurde die erste Verfilmung der X-Men auch beim Fanpublikum mit gemischten Gefühlen erwartet: Zum einen konnte den Anforderungen mit einem Filmchen gar nicht gerecht werden, zum anderen: Wenn es ein Comic verdiente verfilmt zu werden, dann doch wohl die X-Men.
Aber ob es reichen würde, ein Blockbuster zu werden, durfte von vornherein bezweifelt werden, gerade wegen dem bedrohlichen Unterton der Geschichte.

Bryan Singer beginnt seinen Film denn auch mit einem Paukenschlag: Der größte Feind der X-Men Magneto wird als Überlebender des Holocausts eingeführt, der sehr wohl weiß, dass er seine Leute - mittlerweile sind die Mutanten seine Leute - beschützen muß, koste es was es wolle.
Allein das macht schon den Unterschied zu anderen Comic-Verfilmungen aus: Der vermeintliche Schurke im Film ist einer, der die Zeichen der Zeit erkannt hat, und diesmal da er nun die Macht dazu hat, nicht tatenlos zusehen möchte, wie seine Leute umgebracht werden sollen, sich zu wehren sucht.
Sein Kontrahent ist der Gründer der X-Men, Professor X. Dieser Mann hat den Holocaust nicht miterlebt, daher kann er gar nicht so fühlen wie Magneto, er propagiert die friedliche Koexistenz beider Spezies.
Zwischen beiden Männern herrscht eine innige Freundschaft, nur ihre Ansichten sind unterschiedlich.

Das ist die Grundprämisse der X-Men, alles andere baut hierauf auf. Von daher gelingt es Singer sehr wohl den Charakter des Comics einzufangen.
Dass er nicht die gesamte Komplexität aller Charaktere einfangen kann in einem 2-Stunden-Film,liegt auf der Hand. Dass er nicht alle beliebten Charaktere einführen kann ebenso. Dass er Charaktere miteinander kooperieren läßt, die in den Comics nicht ein Wort miteinander gewechselt haben, ist ebenso in Ordnung.
Denn Singer stellt hier ein Comic vor, das nicht alle Welt kennt, und er darf den unbedarften Zuschauer nicht überfordern.

Die wichtigsten Aspekte des Comics deckt der Film völlig befriedigend ab, zumal er in einem Cliffhanger wie für eine TV-Serie konzipiert, weitere Teile offen läßt, was die Fans zur Hoffnung verleitet, weitere wichtige Aspekte würden in späteren Filmen ebenso berührt werden.

Als Einführung ist X-Men absolut sehenswert.

8 Punkte

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