Review

Start einer Evolution

Es gab vor den "X-Men" schon Superhelden auf der Leinwand, von Superman bis Blade - und trotzdem war nach dieser ersten Inkarnation von Wolverine, Professor X & Co. nichts mehr wie vorher. Es geht im Grunde um die nächste Stufe der Evolution und wie wir Menschen damit klar kommen. Und die Mutanten selbst natürlich auch. Manche von ihnen können Gedanken lesen, andere haben Eisenkrallen und wieder andere schießen Laserstrahlen aus ihren Augen - und das findet der durchschnittliche Mensch natürlich eher beängstigend als hilfreich oder annehmbar. Kein Kampf Gut gegen Böse, oder zumindest nicht nur, sondern etliche Grautöne und intelligente Ansätze in Sachen Ausgrenzung, Andersartigkeit und Vorurteilen werden gezeichnet. Hier im allerersten Teil der Saga sind viele Ideen zwar noch in ihren Kinderschuhen, doch besser ein Anfang als gar keiner. Bryan Singer's Vision war weit mehr als blöder Blockbuster-Bombast sondern ein Sci-Fi-Bonbon mit Köpfchen, Empathie und dem Herz am rechten Fleck. Die Essenz der Comics wurde erstaunlich gut eingefangen bzw. auf die Leinwände verfrachtet. das war alles andere als selbstverständlich.

Die Action stimmt, die Emotionen entstehen schnell und die Besetzungen sind zum Großteil wahre Coups. Allein Hugh Jackmann als Wolverine stemmte sich gegen alle Vorverurteilungen und wurde auf alle Zeit zu seinem haarigen Charakter - selbst wenn er im Comic nur halb so groß ist ;-). Aber auch Captain Picard als Prof. X oder Ian McKellen als Magneto werden ihrem Legendstatus gerecht und heben die Rollen auf ganz neue Levels. "X-Men" feiert bald 20. Jubiläum - das glaubt man kaum! - und hat sich erstaunlich gut gehalten. Sowohl was die universellen Themen als auch die Effekte angeht. Marvel hat Bryan Singer eine Menge zu verdanken. Ein größeres oder länger und konstanter laufendes Franchise wird man schwer finden. Perfektioniert haben die Formel spätere Fortsetzungen - geliefert hat sie diese prägende Kino- und Kindheitserinnerung.

"X-Men" legte für viel den Grundstein. Ein Film für Groß und Klein, Jung und Alt, Mann wie Frau. Was zum Denken oder einfach nur Unterhaltung. Hier wurde ein riesiges Publikum getroffen und etliche neue Fans wurden geschaffen. Bryan Singer ging eigene Wege und schuf eine Vision, die Bestand hat, einen Style der noch immer das Franchise prägt und weiterhin fasziniert. Doch vor allem verbringt man gerne Zeit mit den X-Men und kann sie auch ohne Superkräfte verstehen - denn wer fühlt sich nicht mal ausgegrenzt oder wegen Äußerlichkeiten gehasst? In Zeiten der Einwandung, Integration und Völkervermischung sind die Aussagen des Films noch immer kraftvoll und vielleicht aktueller denn je. Der Mix aus Fun und erwachsener Unterhaltung wird gekonnt gefunden und die Action wirkt nie überfrachtet sondern immer auf den Punkt und effektiv.

Fazit: ganz starker Wegbereiter des Superhelden-Genres wie wir es kennen. Und ein verdammt unterhaltsamer, wichtiger Blockbuster noch dazu. Die Original-X-Men bleiben unvergessen, egal wieviele Neubesetzungen, Generationen und Spin-Offs vergehen. Diese Mutation kam genau zur richtigen Zeit!

Details
Ähnliche Filme