Aus einer Zeit, in der es nicht alle Nase lang Verfilmungen von Comicvorlagen gab, stammt der von Bryan Singer inszenierte erste Film um die von Stan Lee und Jack Kirby erschaffene Reihe über Mutanten und ihren Kampf gegen- und miteinander. Dabei liefert „X-Men“ nicht nur einen gelungenes Fantasy-Abenteuer, sondern funktioniert auch als Parabel auf manch gesellschaftliches und politisches Thema wie Diskriminierung, Selektion und die Angst vor Andersartigkeit. Und besieht man sich die Welt, so hat sich bis heute daran nicht viel geändert, aktuelle Bezüge findet man auch sechsundzwanzig Jahre nach Erscheinen des Films zuhauf. Das macht „X-Men“ (leider) zeitlos in seiner Aussage, diese vermittelt der Streifen aber immerhin auf unterhaltsame Weise.
Und das noch ohne permanente Action oder ausufernden CGI-Bombast, wie man es von später erschienenen Kollegen kennt. Das mag auch der Entstehungszeit geschuldet sein, visuelle Effekte um die Jahrtausendwende waren nicht immer überzeugend und die diversen realen Stunts verleihen mancher Szene gleich ein bisschen mehr Wucht. Im Vergleich zum modernen Superheldenkino wirkt das alles kleiner, was man durchaus positiv sehen kann. Dabei sieht vielleicht nicht alles so dynamisch aus, wie es wohl sein sollte, doch schadet dies dem Gesamtergebnis nicht. Denn neben den erwartbaren Auseinandersetzungen interessiert sich „X-Men“ auch für seine Figuren, gibt diesen Raum und will etwas über sie und die Welt in seinem Rahmen erzählen. Dies auch mit Humor, ohne dabei aber albern zu sein oder jede Szene damit durchbrechen zu wollen. Der Film nimmt sein Sujet noch soweit ernst genug, ohne sich lächerlich zu machen.
Eine gelungene Gratwanderung, die auch das vor der Kamera agierende Personal transportiert. Mit Patrick Stewart und Ian McKellen hat man zwei großartige Darsteller dabei, Hugh Jackman ist für Logan wohl die Idealbesetzung, daneben stehen auch Famke Janssen und Halle Berry ihre Frau. Ein Ray Park wirkt da als Toad ob seiner Fähigkeiten schon etwas verschwendet, trotz der netten Anspielung auf „The Phantom Menace“. Kostüme und Masken, Mystique mag man da hervorheben, sehen gut aus, generell ist der Look angenehm bodenständig – für das, was der Film ist. Wobei man sich schon fragen darf, wie narzisstisch man sein muss, um alles auf dem Gelände (und darunter) mit einem Buchstaben seines Namens zu dekorieren.
„They no longer matter.“
Gelungene Comicverfilmung aus einer Zeit vor dem Fließband.