Quentin Tarantino hat die Gangstergroteske populär gemacht, viele ahmten sie nach, doch die wenigsten kamen an Tarantinos Stil heran – „Sexy Beast“ gehört leider nicht zu dazu.
Ex-Tresorknacker Gary 'Gal' Dove (Ray Winstone) hat es geschafft: Er hat eine schicke Villa in Spanien, befindet sich im Ruhestand und kann sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Daran wieder einen Job zu machen, denkt er nicht, da er bereits neun Jahre im Knast saß. Ein einheimischer Bengel wird für alle Arbeiten gescheucht, für Gal, seine Frau DeeDee (Amanda Redman) und seine Freunde ist bloß faulenzen angesagt. Und dieses Dolce Vita stellt Regisseur Jonathan Glazer dann ausgiebig und witzig dar (herrlich z.B. die erfolglose Hasenjagd).
Doch die Kumpane im fernen London denken an Gal und schicken ihm Don Logan (Ben Kingsley) vorbei, um ihn zu einem letzten Coup zu überreden. Gal will seinen Ruhestand um keinen Preis aufgeben, doch Don ist ein brutaler Krimineller, der alle, die ihn kennen, mit seiner bloßen Anwesenheit in Unruhe oder Angst versetzt…
Als One Man Show würde „Sexy Beast“ wunderbar funktionieren, denn die Figur des Don Logan ist ein echter Hammer. Stets mit einer unterschwelligen Aggression und Gewaltbereitschaft in den Augen und dreist bis zum Exzess. Herrlich, wenn Don am Flughafen den hilflosen alten Mann spielt und was von sexueller Belästigung erzählt, als man ihn wegen Rauchens im Flugzeug am Schlafittchen kriegen will. Doch noch besser sind seine Sprüche gegenüber seinen eingeschüchterten Bekannten: „Willst du dich ’ne Runde im Haus umsehen, Don?“ – „In ’ner Minute, dann muss ich eh pissen.“ Egal was Don gerade tut, gute Laune ist zumindest beim Zuschauer garantiert.
Leider kann der Rest des Films nicht mithalten und Don kommt leider nur im Mittelteil vor. Vor allem im Bereich Spannung kann „Sexy Beast“ überhaupt nicht punkten, denn die einzelnen Parts passen nie so recht zusammen: Es startet als leichte Ruhestandskomödie, dann haben wir etwas Psychoduell, ehe der Film im letzten Drittel abrupt zu einem wenig raffinierten Caper Movie wird. Im Zusammenhang funktioniert das schon wenig und auch die einzelnen Parts sind wenig aufregend. Vor allem das letzte Drittel langweilt den Zuschauer und kann kaum Überraschungen (die Tresoraktion stinkt in den Zeiten von „Ocean’s Eleven“ und „The Italian Job“ gewaltig ab) bieten, ehe „Sexy Beast“ zum vorhersehbaren Schluss kommt.
Immerhin der Witz funktioniert in „Sexy Beast“, selbst in den Passagen, in denen man keinen von Dons exquisiten Auftritten, findet. So kann gerade die Faulheit Gals für Lacher sorgen (z.B. bei dem witzigen Auftakt am Swimming Pool), ein paar coole Sprüche gibt es zu genießen und das Drehbuch hat ein paar ziemlich coole Einfälle, wie die letzte Einstellung mit dem Geschehen unterhalb des Pools. Etwas unnötig wirken die Alpträume Gals, die kaum Nutzen für die Handlung haben und auch keine großen Brüller sind.
Im Bereich Schauspieler muss man natürlich auf die großartige Leistung Ben Kingsleys hinweisen, der einfach grandios die dreiste Sau raushängen lässt und den Rest der Besetzung beinahe mühelos an die Wand spielt. Lediglich Ray Winstone kann da noch halbwegs erfolgreich Paroli bieten und Profil gewinnen, doch die anderen Darsteller verblassen komplett neben Winstone und Kingsley.
„Sexy Beast“ ist sicherlich keine schlechte Gangstergroteske, aber die einzelnen Versatzstücke sind nicht gerade glücklich zusammengefügt und spannend ist Chose auch nicht unbedingt. Dank des gelungenen Humors und eines wirklich überragenden Ben Kingsley reicht es aber immerhin zum Mittelmaß.