Review

Es gibt Filme denen man gemeinhin einen gewissen Kultfaktor nachsagt. „The Big Lebowski“ z.B. war so einer.
„Sexy Beast“ hier ist wieder so einer.

Ich will beide nicht großartig vergleichen, denn stilistisch, aber vor allem inhaltlich haben sie nicht soo viel gemeinsam, wenn ich auch meine, dass man auf einer abstrakten Ebene durchaus Gemeinsamkeiten finden kann (starke Dialoglastigkeit, plötzlich eingestreute surreale Szenen, „kompakte“ Story u.ä.).

Nein, es ist die Wirkung beider Filme auf mich, die so verdammt ähnlich ist. Mein Problem mit dieser Sorte von Filmen ist einfach, dass diese Filme nicht stringent inszeniert sind, d.h. dass doch teils erhebliche Schwankungen in der Qualität einzelner Passagen vorliegen.

Man hat in beiden Filmen, beinahe grottenlangweilige Szenen, aber kurz darauf auch wieder schon fast höchste cineastische Brillanz – und das stört mich einfach. Ich kann damit nicht so sonderlich gut umgehen, da mir diese Wellenbewegung absolut nicht zusagt. Ich möchte vielmehr gut durchstrukturierte Filme, deren Inszenierungsbogen in einer Kurve (siehe klassisches Theater), oder in einer Steigung verlaufen.

Hier aber inszeniert Jonathan Glazer einen Film, der in sich nicht geschlossen wirkt. Es gibt den ersten Teil, in dem man mehr oder weniger an Gal herangeführt wird. Heiss, hell und etwas behäbig könnte man hier als Attribute wählen. Durchaus interessant und schon irgendwie klasse, speziell die anfängliche Poolszene. Im Zusammenspiel mit der Musikuntermalung durch den Strangler-Songs erkennt man doch deutlich seine Wurzeln, die ja bekanntermaßen im Videoclip- und Werbespotbereich liegen.

Mit dem Auftritt von Ben Kingsley alias Don Logan geht der Film dann in seine absolut stärkste Phase, da Kingsley hier mit seiner Aura als psychopathischer Gangster schon quasi das pure „Böse“ aus sich herauslässt. Erschreckend und gleichzeitig so ungemein faszinierend ist dieser Mann, den man ja eigentlich als Gandhi und Itzak Stern im Gedächtnis hatte. Er vereinnahmt sofort die komplette Leinwand für sich und lässt den Zuschauer einfach nicht mehr los.

Umso schlimmer dann aber eben auch die „Ernüchterung“ wenn er mal nicht mehr in der Szene ist. Klar, man behält ihn im Hinterkopf, aber das tatsächliche Geschehen wirkt doch -im Vergleich- sehr schwach, was dem Film nicht sonderlich gut tut. In diesem Mitteldrittel bekommt der Film doch schon sehr Tarantinoeske Züge, erinnert stark an die Dialogsequenzen aus Jackie Brown oder Pulp Fiction, nur dass hier eben ein Ben Kingsley alles überstrahlt.

Die Schlusspassage wiederum markiert eindeutig den schwächsten Teil des ganzen Films und hindert einen dann letztlich auch daran, vielleicht aus ein bisschen Goodwill noch eine höhere Bewertung zu vergeben. Das Problem ist nur, dass man Einbrüche auf diese Art inszeniert, mit treibender Musik untermalt schon recht häufig, und vor allem wesentlich besser inszeniert gesehen hat.

Ein wenig orientiert an den Einbrüchen aus „Lock, Stock & Two smoking Barrels“ sowie „Snatch“ verliert der Film auf einmal völlig seine Linie und ist zwar von der Idee durchaus gut, aber in der Umsetzung viel zu bekannt und damit verliert der Film hier absolut seinen Reiz.

Erst in der allerletzten Szene, dem Grauen hinter den Kacheln bekommt man noch einmal einen ziemlichen Tritt in die Magengrube versetzt, wodurch sich dann für mich auch der Eindruck der knapp 80% doch noch so gerade gefestigt hat. Eher also mit Tendenz nach unten.

Fazit: Der Regisseur Jonathan Glazer orientiert sich ziemlich an Filmemachern wie Tarantino, machte aber einen inkonsequent-inszenierten Film, der sich nur dank eines brillierenden Hauptdarstellers Ben Kingsley in das obere Drittel kämpfen kann, der dem Film eine gewisse Klasse verleiht. Ohne Kingsley wäre wohl gar nur ein leicht überdurchschnittlicher Film herausgekommen - wenn überhaupt.

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