Ach, ist das herrlich! Da liegt man in Spanien am Pool, lässt sich die Sonne auf den bereits sehr deutlich vorhandenen Wanst knallen, während ein Junge für einen den Pool reinigt und die Drinks mixt. Und die Freundin düst ebenfalls gerade in ihrem Sportflitzer daher.
Es wäre alles wunderbar, wäre man nicht ein Gangster im selbstgewählten Ruhestand und befände sich nicht am Anfang der Gangstergroteske "Sexy Beast", denn natürlich bleibt es nicht bei dieser Idylle.
Dieser Möchtegern-Pensionist ist Gal (Ray Winstone), der genug hat von dem ganzen Gangster-Stress und sich nach Spanien abgesetzt hat, wo die grösste Aufregung vielleicht noch die Wahl des richtigen Hemds für's Abendessen darstellt.
Doch schon bald bekommt er unangenehmen Besuch vom völlig durchgeknallten Don Logan (Ben Kingsley), der ihn mit allen Mitteln zwingen will, an einem gigantischen Coup teilzunehmen, und sich trotz der ständigen Ablehnung von Gal einfach nicht abschütteln lässt...
Gangsterfilme gibt es ja wie Sand am Meer, und vor allem wenn man sich auf einen "lustigen", "coolen" Gangsterstreifen einstellt, meint man, dass man alles sowieso schon mal gesehen hat.
Doch Spielfilm-Debütant Jonathan Glazer hat es tatsächlich geschafft, einen Film zu inszenieren, der einen völlig eigenen, faszinierenden und erfrischend "anderen" Stil hat, ohne dabei plump irgendwelche Tarantino-Klischees zu kopieren.
Zum Grossteil liegt das an den tollen Darstellern, bzw. vor allem an Ben Kingsley, der für sein Spiel oscar-nominiert wurde und eine Art 100%-igen Gegenpart seiner berühmten Gandhi-Rolle abliefert. Er flucht, er schreit, wirkt total hyperaktiv, irgendwo zwischen nervigem Kleinkind und bösartigem Psychopathen und das macht er derart eindrucksvoll, dass der Film schon dadurch allein sehenswert wird.
Doch die andere grosse Stärke von "Sexy Beast" ist, dass, obwohl die Story insgesamt nicht besonders aufregend oder neu ist, man nie weiss, was noch Alles passieren wird; aber nicht wegen hunderter Plot-Twists(und solche Filme nerven mittlerweile auch schon irgendwie), sondern dies äusserst sich in der Erzählweise der Geschichte, ständig pendelnd zwischen bösem, skurrilem Humor einerseits und ernsthaften, ruhig-lakonischen Gesprächen andererseits.
Trotz dieser verschiedenen Ansätze wirkt der Film aber wie aus einem Guss und seine durchgehend alten Hauptdarsteller (auch Winstone spielt den armen, genervten Gal sehr gut) sind sowieso wesentlich cooler als all diese pseudo-coolen Gangstermacker, die seit dem Tarantino-Boom so in Mode gekommen sind.
Dazu kommt noch die teils abgedrehte, faszinierende Bildsprache von Glazer, die "Sexy Beast" zu einem Geheimtip-Vergnügen aller erster Klasse machen.
Einen besonders spektakulären Knaller darf man sich allerdings nicht erwarten, doch gerade der Verzicht auf unnötig aufgeblasenes Trara ist hier ein weiterer Pluspunkt.
Ein fast perfekter, "kleiner" Film.