Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label MAIA!

Die Besetzungsliste und die meisten Beteiligten hinter der Kamera dieses Poliziotti von 1974 bürgen für hohe Qualität, doch Umberto Lenzis harter Reißer "Der Berserker" kann nicht annähernd das Niveau halten, das so hochkarätige Namen wie Luciano Martino (als Produzent) oder Ennio Morricone (mit Bruno Nicholai verantwortlich für den Soundtrack) versprechen.

Lenzi, für meinen Geschmack ohnehin besser beim Horrorfilm aufgehoben, hält sich bei der Umsetzung des wenig originellen Drehbuchs sklavisch an die bewährte Erfolgsformel des Genre und spart dabei auch nicht an einer ordentlichen Portion Sexismus, Sadismus und Brutalität, kombiniert mit etwas Action und der üblichen Kritik am Justizsystem, wobei dem Polizisten am Ende des Films nichts weiter bleibt, als mit Selbstjustiz das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Maurizio Merli, sonst auf Rollen dieser Art festgelegt, wird hier von dem sonstigen Bösewicht Henry Silva ersetzt, dessen Spiel hier doch arg lustlos, sogar richtig steif wirkt. Als Commissario wird er in den ersten zwei Dritteln zur Nebenfigur degradiert, die mit entsetztem Blick von einem Tatort zum nächsten eilt, während Tomas Milian in der Titelrolle sein schauspielerisches Können als psychopathischer Kleinkrimineller unter Beweis stellt, der sich ebenso wie Silva in seiner Rolle als Opfer eines ungerechten Systems sieht und dem Irrtum erliegt, mit brachialer Waffengewalt an Geld zu kommen und etwas an seinem kargen Leben ändern zu können.

Milian, der in den unterschiedlichsten Genre zu Hause war, als Westernheld genauso überzeugen konnte wie als Schwerkrimineller oder als Komödiant, spielte seine Rollen in Filmen dieser Art zwar stets perfekt, doch glaubte man spätestens nach dem zweiten und dritten Film, dass er stets die gleiche Rolle darstellt - nur mit einem anderen Namen:
einmal ist er "Der Berserker", dann "Die Kröte", ein anderes Mal "Die Viper" oder "Der Vernichter".
In seinem gesamten Filmschaffen als Darsteller zwar wandlungsfähig, doch als Bösewicht in den genannten Beispielen eindimensional und spätestens beim dritten Film langweilig.
Hätte man Silvas Part großzügiger angelegt und ihn weiter ausgebaut, wäre das Duell zwischen den beiden Gegner weitaus spannender und interessanter ausgefallen.

Auch der sehr gute, sehr düstere  Score von Ennio Morricone kann nicht verhindern, dass "Der Berserker" trotz seines hohen Tempos auf Dauer langweilig und anstrengend ist, zumal der Verlauf der Handlung genauso vorhersehbar erscheint wie der Zuschauer  Silva seine Lustlosigkeit in diesem Werk in jeder Minute ansieht.

Details
Ähnliche Filme