Nachdem man die Griswolds in den 80ern bereits quer durch die USA und Europa gejagt hat, dürfen sie diesmal in den eigenen vier Wänden bleiben, was dem chaotischen Treiben jedoch keinen Abbruch tut, denn Familienoberhaupt Clark (Chevy Chase) möchte in seinem Perfektionismus den Verwandten „nur“ das schönste Weihnachtsfest ihres Lebens schenken, wobei natürlich mehr schief geht, als es eigentlich möglich ist.
„Schöne Bescherung“ hat sich mittlerweile längst zu einem Klassiker und dem vielleicht beliebtesten der vier „Griswold“-Filme entwickelt, nicht zuletzt deswegen, weil er jedes Jahr pünktlich zur Vorweihnachtszeit wieder über den Bildschirm flimmert. Natürlich erfreut er sich auch deshalb größter Beliebtheit, weil man sich darin im Grunde irgendwie selber findet, denn die Komödie ist vor allem als Parodie auf den hierzulande (noch) nicht derart ausgeprägten Wahn angelegt, nach außen hin allen ein harmonisches, straff organisiertes Fest mit Familie und Verwandtschaft zu präsentieren, und sei es nur durch eine total übertriebene Hausbeleuchtung. Clark Griswold eignet sich als typischer Mittelständler hervorragend dafür, die Absurdität der ganzen Vorbereitungen auf Heiligabend aufzuzeigen, natürlich in sehr überspitzter Weise. Alles, was zum Fest dazugehört, von den Einkäufen bis hin zum Truthahnessen, wird durch den Kakao gezogen, wobei der Humor immer anarchischer wird, bis das Chaos endgültig perfekt ist.
Die Schlussminuten sind mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack und arg auf Happy-End getrimmt, obwohl diese Sehnsucht nach Fröhlichkeit und Harmonie so zum Heiligabend gehört wie der Weihnachtsbaum, weshalb man den Schluss ebenfalls als Satire begreifen sollte. Vor allem die Szene, in welcher die brennenden Rentiere am Mond vorbeifliegen und alle in trauter Gemeinsamkeit den Schluss der amerikanischen Nationalhymne singen, ist deutlich sichtbar mit einem Augenzwinkern inszeniert.
Für mich persönlich gehört „Schöne Bescherung“ zusammen mit „Kevin – Allein zu Hans“ bereits zum Pflichtprogramm in der Vorweihnachtszeit, auch weil hier eine willkommene Abwechslung zum Schmalz auf allen anderen Sendern geboten wird. Zwar nutzen sich die Witze schneller ab, als man nach Erstansicht vermutet, aber seine sympathische Art behält der Film auch beim fünften Mal und ist deshalb eine hervorragende, etwas andere Einstimmung aufs Fest.