"Er wird durch Hass getrieben. Der hält ihn am Leben."
Im 11. Jahrhundert wird der stumme Krieger Einauge (Mads Mikkelsen) von Wikingern gefangen gehalten. Einzig für tödliche Schaukämpfe lassen sie ihn frei, die er stets gewinnt. Eines Tages kann er seine Wächter überwältigen. Gefolgt von dem Jungen Are (Maarten Stevenson) trifft er auf eine Gruppe christlicher Kreuzritter, die ihm anbieten mit nach Jerusalem zu kommen. Während der Fahrt verlieren sie allerdings die Orientierung und ankern nach einer verlustreichen Reise auf unbekanntem Territorium.
Wer bei “Walhalla Rising” einen traditionellen Wikingerfilm mit großen Schlachtszenen erwartet, dürfte enttäuscht werden. Zu Beginn enthält der Film von Regisseur Nicolas Winding Refn ("Pusher"-Reihe) zwar noch Bezüge zu klassischen Wikingerfilmen, er wandelt sich aber recht schnell zu einer ungewöhnlichen, spirituellen Reise mit zahlreichen Metaphern und einer enormen Bildsprache.
Unkonventionell wird diese Reise durch nur wenig verbale Äußerungen und inhaltlicher Sparsamkeit. Dadurch ist “Walhalla Rising” definitiv ein schwer zugängliches Stück Filmgeschichte, dass einiges an Geduld und Entgegenkommen vom Publikum verlangt. Denn wirklich verständlich ist der Film nur zu Beginn, wo der Protagonist um sein überleben kämpft, sich befreien kann und auf die Gruppe von Kreuzrittern trifft.
Ab diesem Zeitpunkt wandelt sich mit dem Schauplatzwechsel auf das Meer und das unbekannte Land auch die Präsentation und Erzählweise. Die düstere Grundstimmung und die psychedelischen Klänge stemmen sich in den Vordergrund. Zu hypnotischen Bildern wechseln sich christliche Symboliken und schwer interpretierbare Philosophien ab.
Die visuelle Gestaltung ist es, die “Walhalla Rising” interessant macht. Ausdrucksstark zeigt der Film extrem lange Kamerafahrten mit expositionierten Landschaftsaufnahmen. Hierbei kommt die sonst herrschende zähe Trägheit voll zur Geltung und beschwichtigt den enorm rauen Umgang, den die plötzlich auftretenden Gewaltspitzen verursachen.
Regisseur Refn erschafft eine beklemmende Atmosphäre und zeigt schonungslos, durch herausgerissene Innereien und abgebissenes Fleisch, die Rücksichtslosigkeit der damaligen Zeit. Diese Szenen sind allerdings eher selten anzutreffen und so schnell vorüber, wie sie aufgetreten sind.
Durch den überwiegend schweigsamen Anteil an Laufzeit geht die Charakterentwicklung, trotz der Nähe zu den Figuren, unter. Nur schwer interpretierbar ist ihre gedankliche Welt, was gerade die zweite Hälfte des Films zu einem Geduldsspiel werden lässt.
Die Darsteller verhalten sich ordentlich. Es ist aber einzig Mads Mikkelsen ("Casino Royale") der die Leinwand voll für sich einnimmt. Dank seiner visuellen Führung geht von ihm eine immense Körpersprache aus, die seine Figur interessant macht. Und das, obwohl sein Charakter kein einziges Wort spricht.
Geduld muss man schon mitbringen, wenn man sich dieses langsame, gelegentlich mit barbarischer Gewalt gespickte, bildstarke Werk ansieht. Denn inhaltlich ist dieser zu Wikingerzeiten angesiedelte Überlebenskampf etwas dürftig. Durch die Mischung aus Arthouse-Kino, Splatterelementen und philosophischen Ansätzen ist es schwer “Walhalla Rising” einzuordnen. Zu Beginn kann der Film noch unterhalten, mit der Zeit wird die langwierige Erzählweise allerdings strapazierend. Gerade, da die Charakterzeichnung enorm sparsam ausfällt.
4 / 10