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Spitzzüngige Tragik-Komödie die sich in ein charmantes Feelgood-Movie verwandelt

SEPARATION CITY ist ein unglaublich unbekannter Genremix, der mit recht spitzem und meist gelungen-scharfem Humor, gut aufgelegten Schauspielern, ausreichend Budget und einer kreativen Story ausgestattet ist. Schon einmal gute Voraussetzungen. Ohne große Vorinformation lässt SEPARATION CITY den Zuschauer über die Stossrichtung der Story lange im Unklaren. Aber mehr und mehr lichtet sich dann der Nebel und sichtbar wird eine sehr unverbraucht wirkende Tragik-Komödie über die kleinen und großen Beziehungsproblemen von Erwachsenen.

Wer also mal etwas neuen Wind in die meist nach gleichem Schema ablaufenden deutschen Beziehungskomödien reinlassen will, dem sei SEPARATION CITY absolut empfohlen. Die Geschichte von diversen Paaren, die wir im Laufe der Geschichte ganz gut kennenlernen, ihren Alltag, ihre Begehren oder eben eingeschlafene Libido und ihre Seitensprünge, wird ungefiltert und mit jeder Menge schwarzem Humor vorgetragen. Es gibt sogar Anwandlungen von poetischem Kontext und manchmal denke ich es ist eine sehr unbekannte Buchverfilmung.

Es gibt recht auffällige und vordergründige Stimmen der Protagonisten aus dem off und manchmal hört man diese sogar laut denken oder mit sich selbst reden. Dies sind recht auflockernde und kreative Stilmittel die SEPARATION CITY für mich aus dem bekannten Sumpf ähnlicher Beziehungsdramen hervorschauen lassen. Dazu kommt ein recht spitzer Humor der auch vor deftigen Schimpfwörtern nicht halt macht und circa 50 Mal kommt wohl das Wort "Ficken" in allen möglichen Variationen vor.

Ein Schelm wer denkt, es wäre deswegen eine Komödie die unter der Gürtellinie spielt. Das ist SEPARATION CITY nämlich nicht. Aber der Film fächert schön die Sehnsüchte und Wünsche von Langzeitbeziehungen auf und ich denke fast jeder könnte sich in einer der Konstellationen zumindest ein wenig wiederfinden. Die diversen Abnutzungserscheinungen der Liebe und Libido der Paare werden recht salopp präsentiert und die diversen Männerfreundschaften nehmen auch kein Blatt vor den Mund.

Nie weiß man wie es in der nächsten Szene weitergeht, es gibt keine Vorhersehbarkeit in der Handlung was ich als positiv empfunden habe. Nicht alles ist positiv, die Laufzeit ist etwas überzogen, es hätte auch kürzer gehen können und auch in einige Phasen wird der oben genannte Schwung etwas verschleppt und kleine Längen schleichen sich ein. Aber schon die nächste Szene kann dies wieder kompensieren und auch die genregemäße Freizügigkeit in Wort und Bild kommt SEPARATION CITY sehr zu Gute.

Thomas Kretschmann Fans können auch zuschlagen. Er spielt sich nicht wirklich darstellerisch gefordert, aber ganz jovial als unkonventioneller Deutscher durch die Geschichte. Dazu kommen noch schöne Bilder der neuseeländischen Natur und viele recht versteckte Seitenhiebe auf die Politik, die Kultur von Konferenzen, das Anbändeln unter Kollegen und vielerlei Facetten des Geschlechtlichen zwischen Mann und Frau. Höhepunkt ist eine Männergesprächrunde zum Thema die regelmäßig tagt. Insgesamt wird hauptsächlich aus Männerperspektive erzählt, welches den Film somit auch als Beziehungs-Dramedy für Männer empfiehlt, welches sich am Ende sogar als recht taugliches Feelgood-Movie entpuppte.

6,5/10 benutzten Kondomen….äh,….Punkten

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