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Anfang der 1990er Jahre drehte der niederländische Regisseur Paul Verhoeven mit „Total Recall“ und „Basic Instinct“ zwei spektakuläre Skandalfilme, die aufgrund ihrer Freizügigkeit in Sachen Sex & Crime heftig kritisiert wurden, aber sehr viel Geld in die Kassen spülten. Doch schon 1995 mit „Showgirls“ ging es steil bergab: es hagelte „Goldene Himbeeren“. Zwar war dieses freizügige Tittentheater auch spektakulär – allerdings spektakulär schlecht. Auch mit „Hollow Man“ konnte Verhoeven nicht zu alter Stärke zurückfinden. Zwar überzeugen die oscarnominierten visuellen Effekte des Films, die Dramaturgie hinkt jedoch hinterher und der Film gewinnt nur in der letzten halben Stunde an Fahrt.

Zur Story: Der arrogante Forscher Sebastian Caine (Kevin Bacon, „Sleepers“) hat durch Phasenverschiebung eine Methode entwickelt, Lebewesen unsichtbar und durch Reversion des Vorgangs wieder sichtbar zu machen. Um den endgültigen Durchbruch zu erzielen, testet er die Methode im Selbstversuch. Mit schlimmen Folgen: die Reversion klappt nicht, er bleibt unsichtbar und wird zunehmend zudringlich und aggressiv…

Obwohl dieser Plot durchaus zu einer tiefenpsychologisch interessanten Charakterzeichnung getaugt hätte, werden selbige Ansätze von vornherein fallen gelassen. „Hollow Man“ will ein temporeicher Actionthriller mit tollen Effekten und hohem Unterhaltungswert sein, was jedoch nur selten gelingt. In der ersten Stunde des Films gibt es kaum Action, sondern nur banale Forscher-Aktivitäten vor imposanten Gerätschaften und Computeranimationen, die so etwas wie Hightech darzustellen versuchen. Auch die Darstellung von Caines zunehmender Aggressivität bleibt eher marginal und langweilt durch seine Banalität. Ab und zu gibt es dann noch ein paar Brüste zu sehen, um das Ganze kaugummiartige Handlungsgerüst etwas aufzupeppen – das ist (leider) neben der recht brutalen letzten halben Stunde schon der Gipfel der Skandalösität des Films. Diese letzte halbe Stunde ist allerdings – zumindest was die Action und den Spannungsbogen anbelangt – ganz passabel. Da gibt es schon einmal etwas Blut und ein paar Explosionen. Wie oft in Filmen dieses Genres ist Charakterzeichnung eher ein Fremdwort: Während Kevin Bacons Figur des arroganten Forschers dem gemeinhin bekannten Macho-Workaholic-Klischee entspricht, darf Elisabeth Shue („Leaving Las Vegas“) seine kratzbürstige Ex mit Anflügen von Genialität nur selten über das dramaturgisch Basale hinaus spielen. Etwas Selbstironie und ein paar Lacher mehr hätten diesem hölzernen Machwerk durchaus nicht geschadet.

Fazit: „Hollow Man“ weiß nur durch seine schlicht genialen Tricks, die actionreiche letzte halbe Stunde und einige nackte Tatsachen zu überzeugen. Der Rest des pseudowissenschaftlichen Brimboriums geriet zu ereignisarm, platt und langweilig. Dramaturgisch wenig ausgefeilt gelingt es Regisseur Paul Verhoeven mit „Hollow Man“ leider wieder nicht, an die Klasse seiner früheren Filme anzuknüpfen.

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