Es war für die meisten Zuschauer schon eine herbe Enttäuschung, als sie „Hollow Man“ im Kino sahen, denn der Name Paul Verhoeven steht bei entsprechendem Budget in Kombination mit einer interessanten Story in der Regel für Qualität, den Totalaussetzer „Showgirls“ mal außen vor gelassen. Seine filmische Umsetzung der sehr ansprechenden Ausgangssituation „Was würde ein Mann machen, wäre er unsichtbar?“ hätte echt was Großes werden können, leider wurde es nicht mehr als Hollywood-Einheitsbrei.
Alle Chemiker und Physiker, die von der Materie halbwegs Ahnung haben, seien bereits vorher gewarnt, hier nicht einzuschalten, da die Logiklücken auf diesen Gebieten eklatant sein dürften, was zu entschuldigen wäre, hätte man es plausibel erklärt. So jedoch ist es höchst unglaubwürdig, was die Wissenschaftler hier fabrizieren, ganz zu Schweigen vom Verhalten danach, das so unvorsichtig ist, dass jeder einen Satz heiße Ohren abbekommen sollte.
Ist das Experiment geglückt und Sebastian endlich unsichtbar, ist bereits recht viel Zeit verstrichen, sodass man sich auf baldige Schnetzeleien und Fiesheiten a la Verhoeven einstellt, aber selbst die lassen auf sich warten. Wo sind die kompromisslosen Szenen von „Total Recall“ oder Robocop“? „Hollow Man“ würde viel Spielraum für harte Gesellschaftskritik lassen, doch stattdessen sehen wir Sebastian ganz selten auf seinen Streifzügen außerhalb des Labors und wenn dann wird wie in normalen Filmen abgeblendet, wie etwa bei der angesetzten Vergewaltigung der Bewohnerin von gegenüber. Nicht, das ich so etwas unbedingt sehen will, aber der Versuch eines wirklich schockierenden Horrorfilms wirkt in dieser halbherzigen Art eher lächerlich.
Stattdessen setzt Verhoeven eher auf das unterschwellige Spiel mit maskulinen Wünschen, etwa wenn er eine Traumsequenz zeigt, in der Linda kurz vor einer Vergewaltigung seitens Sebastians steht, nur um diesen dann abzubrechen. Inhaltlich ist das nicht unbedingt nötig, zeigt jedoch, was möglich wäre, wenn man unsichtbar ist. Und es soll mir keiner erzählen, als Mann hat man noch nicht an so etwas gedacht.
Zum Ende hin wird die Gewaltschraube ordentlich angedreht, so wie man es von unserem Holländer gewohnt ist. Die Computereffekte entfalten da noch einmal ihre ganze Wirkung, wie schon im ganzen Film zuvor, das einzige, von dem man hier sagen kann, dass sie hundertprozentig gelungen sind, was nicht über die endlose Doofheit des Showdowns hinwegtäuschen kann, in dem Sebastian toter als tot sein müsste und sich die Wissenschaftler derart blöd verhalten, dass man sich nicht erklären kann, wie sie zu solch einem anspruchsvollen Job gekommen sind. Das Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip, nach dem die Protagonisten hier ableben ist zwar abgelutscht, aber trotzdem ganz amüsant mit anzusehen.
Für Verhoeven-Kenner ist es eine kleine Freude zu sehen, wie er hier ein paar seiner typischen Sex-Elemente einbringen kann, ohne gleich ein NC-17-Rating einzufahren. So schlägt er der MPAA ein Schnippchen, indem er Bacon verdammt oft nackt zeigt, aber nur so, dass man z.B. die Muskeln seines Penis erkennt oder ihn unter einer Wärmelichtbrille entblößt sieht.
Langweilig ist „Hollow Man“ mit Sicherheit nicht, aber irgendwie trauert man doch die ganze Zeit den verschenkten Möglichkeiten hinterher. Die interessante Ausgangssituation alleine vermag den Film zu retten, der vor Inhaltsfehlern am Ende nur so strotzt und den – sorry, Paul – wohl jeder Auftragsregisseur so hinbekommen hätte. Nichts besonderes also; dass man das auch alles anders sehen kann, zeigt die interessante Filmkritik auf 25frames.org (Link auf ofdb-Seite), wo ein paar Gründe dargelegt werden, die Verhoeven ein erneutes Meisterwerk attestieren. Für mich, und die meisten anderen wohl auch, allerdings nicht mehr als anspruchslose Popcorn-Unterhaltung.