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Der geniale Wissenschaftler Sebastian Caine arbeitet gemeinsam mit seiner Kollegin und ehenmaligen Geliebten Linda McKay und einigen weiteren Helfern im Auftrag der Regierung an einer Methode, um Lebewesen unsichtbar zu machen. Bevor er die Ergebnisse seiner Forschung an das Pentagon aushändigen muss, will Caine jedoch noch einen Selbstversuch mit dem experimentellen Serum wagen, um als erster unsichtbarer Mensch in die Geschiche einzugehen. Besagter Versuch verläuft zwar erfolgreich, doch gelingt es im Anschluss nicht, Sebastian wie geplant mit einem Gegenmittel auch wieder sichtbar werden zu lassen. Zu seiner eigenen Sicherheit - und um zu Verhindern, dass Infos über die Unsichtbarkeits-Forschung nach außen dringen - wird Sebastian in dem unterirdischen Labor-Komplex unter Quarantäne gestellt, wo es nicht lange dauert, bis das eh bereits megalomanische Genie endgültig am Rad dreht und zur "unsichtbaren Gefahr" für seine Mitarbeiter wird... Paul Verhoevens vorhergehende amerikanische Science-Fiction-Filme "RoboCop - Das Gesetz in der Zukunft", "Die Totale Erinnerung  - Total Recall" und "Starship Troopers" hatten bereits die Tendenz dazu, das Publikum mit ihren echt verblüffenden Spezial-Effekten zu überfahren, aber "Hollow Man - Unsichtbare Gefahr" stellt in dieser Hinsicht sogar nochmal eine Steigerung dar, denn so perfekt wie hier wurde die Sache mit der Unsichtbarkeit bislang noch nicht auf die große Leinwand gebracht, so dass das Ganze in dieser Hinsicht sogar John Carpenters eh bereits ziemlich beeindruckenden "Jagd auf einen Unsichtbaren" nochmal übertrifft. Die zu Recht Oscar-nominierten Tricks sind ergo auch nach einem Vierteljahrhundert noch ein echter Hingucker, da gibt es nichts dran zu rütteln! Ironischerweise ebenfalls ziemlich sehenswert: Parade-Bösewicht Kevin Bacon als irrer Wissenschaftler, der trotz des veranstalteten F/X-Brimboriums niemals im Getümmel untergeht und auch unsichtbar ständig als Präsenz spürbar ist. Ach, wäre der Inhalt von "Hollow Man - Unsichtbare Gefahr" doch auch ebenso spektakulär wie das ganze Drumherum, aber die hier erzählte Geschichte ist leider nur eine ganz dünne Mad-Scientist-Soße, die im Body-Count-lastigen letzten Drittel zum stupiden Slasher-Horror mutiert... mit dem unsichtbaren Kevin Bacon in der Rolle von Jason Voorhees. Den thematischen Tiefgang der oben genannten Verhoeven-Streifen weist die Chose da jedoch zu keiner Zeit auf, denn das Skript von "Air Force One"- und "End of Days"-Drehbuchautor Andrew W. Marlowe gibt dafür einfach nicht genug her. Die Inszenierung ist derweil ebenso flott wie auch flach und Verhoevens Handschrift scheint da nur in wenigen verstörenden Momenten durch, wenn die Unsichtbarkeit es Caine erlaubt, den inneren Triebtäter rauszulassen: Da wird dann die Wissenschaftlerin, die auffälligerweise keinen BH trägt, schon mal im Schlaf begrapscht oder die hübsche Nachbarin vergewaltigt, was für 'nen mainstreamigen Möchtegern-Blockbuster recht fies rüberkommt und hängen bleibt. Zugutehalten muss man dem Ganzen auch, dass man trotz aller sichtbar (oder unsichtbar?) verbratenen Produktions-Millionen nicht völlig auf Nummer sicher gegangen ist und Verhoeven in Sachen Sex und Gewalt allzu hart an die Kandare genommen hat... zwar ist er nicht so gänzlich in-your-face wie "Basic Instinct" oder "Showgirls", was die nackten Tatsachen anbelangt (dafür schwingt Kevin Bacon wie schon in "Wild Things" wieder frei!), aber ziemlich brutal und blutig ist "Hollow Man - Unsichtbare Gefahr" immer noch. Insgesamt ist es trotz der Meisterleistung der VF/X-Künstler aber nicht gelungen, James Whales 1933er-Klassiker "Der Unsichtbare" (damals ebenfalls schon ein Meilenstein des Effekte-Kinos) zu toppen... aber an dem hat sich Leigh Whannell zwanzig Jahre später mit seiner Version von "Der Unsichtbare" ja auch die Zähne ausgebissen. Dass Verhoeven da im Anschluss Hollywood den Rücken gekehrt hat und wieder nach Europa gegangen ist und seitdem Filme dreht, die ohne F/X-Bombast auskommen, lässt aber doch tief blicken...

6/10

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