Review

Ich habe die nahe Zukunft des Kinos gesehen und seine Botschaft ist : „Oh je!“
Na gut, inzwischen hat es auch der Letzte kapiert, daß 3D-Filme das aktuelle und nächste und innovativste heiße Ding sind, mit dem man den Kids die Kohle aus der Tasche ziehen kann, aber daß die optischen Spielereien aufgrund der erhöhten Ticketpreise höchstwahrscheinlich auf Kosten der Drehbücher gehen würden, war trotz solcher Gurken wie „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ nur eine stille Befürchtung – die man auch noch auf Brendan Fraser schieben konnte.

Eigentlich war die „Final Destination“-Reihe ja gegen derlei erzählerische Vorbehalte gefeit, drei Filme, praktisch nur ein Drehbuchgerüst, das man fast deckungsgleich zweimal rekapitulierte und jedes Mal war aufgrund der stimmungsvollen Atmosphäre und der spektakulär ekligen Todesarten viel Spaß dabei, auch wenn Teil 3 nicht mehr wirklich mit Originalität punkten konnte. Was sollte da bei einer weiteren Fortsetzung schon viel anderes passieren, als daß David Ellis, bereits Regisseur des zweiten (und eigentlich unterhaltsamsten) Teils die Franchise noch mal von hinten nach vorne durchkaut?
Kurz gesagt: er tut es einfach. Und spitzt alles auf die 3D-Technik zu.
Und als ob es ein Wunder wäre: ein knarrendes Skelett von Film nimmt noch ein paar Pfunde ab.

Tatsächlich: FD4 enthält nicht eine einzige neue Idee, sondern rekapituliert lediglich das Schema der ersten drei Filme. Doch das auch noch einfallslos und langweilig, wenn es nicht gerade darum geht, einen Todesfall kompliziert herbei zu führen.
Das Autorennen leidet dabei bereits stark an seiner Computerherkunft kann aber mit einigen Spritzeffekten und grotesken Ideen noch punkten. Danach hangelt man sich wirklich nur noch von Szene zu Szene, was sicherlich auch daran liegt, daß hier die blassesten Quallen seit langem rumhampeln und ich spreche von allen Slashern der letzten fünf Jahre.
Die Dialoge wirken komatös, die Aufarbeitung der Regeln wird in Kürze nebenbei erledigt, mimisch scheinen alle zu pennen und einige Charaktere wirken sogar irritierend in ihrer Konstruktion, am ehesten noch der bekannteste Name im Cast, Mykelti Williamson, der sein Schicksal angeblich akzeptiert (aus Schuld), dann aber bemüht ist, Selbstmord zu begehen, was natürlich nicht klappt (woraus der Film aber kein Kapital schlägt), um schließlich kurz darauf in einem Selbstzitat der Reihe reizlos aus dem Leben zu scheiden.

Wenn nur wandelnde Pappkameraden den Film bevölkern, ist es leider auch nicht zuträglich, wenn man aus spannender Unausweichlichkeitsmystery eine grelle Horrorkomödie macht, die möglichst abstrus daher kommt, um dann Splattereffekte deutlich sichtbar auf den Zuschauer zuplocken zu lassen. So entwickelt sich weder Fluß noch Spannung, alles wartet ermüdend nur auf den nächsten plastischen Effekt.

Um selbige zu potenzieren, hat Ellis jeden Todesfall diesmal durch Visionen ankündigen lassen, die noch extremere 3D-Effekte zulassen, die jedoch alle deutlich aus dem PC gebüxt sind und mittels ihrer Vorstellung der für den Tod verwandten Instrumente jegliche Überraschung abtöten.
Zwar gibt es so viele Tote wie noch nie, aber das macht die Sache nicht besser, wenn nur hohle Schablonen von Figuren zur Auswahl stehen, da waren selbst die wandelnden Klischees in Teil 3 noch besser.

So ächzt sich der Film mühevoll (oder beschwingt, ganz wie man will) auf nicht mal 80 Minuten, eine zweite Großvision (tricky!!) und einen relativ reizlosen Höhepunkt, dem jedes Over-the-top-Feeling abgeht; die Reihe bezog nun mal ihren Reiz daraus, aus der Spannung das Bizarre hervorzuheben und Lachen mit Ekel zu mischen, hier ist alles grell überzogen.

Für Freunde des groben Zitats gibt es einige Parallelen zu den anderen Teilen, die mysteriöse Nr.180 wird mehrfach aufgeführt, ein Todesfall ist ein Zitat an sich und auch das Finale kennt man schon – es wirkt leider unspektakulär, wie überhaupt der Film zu sehr auf exaltierte PC-Effekte und Explosionen setzt und weniger auf sadistische Raffinesse.
Für Splatterfans ist ordentlich was dabei und ich bin sicher, als 3D-Freund wird man die Trickfrequenz mehr als begrüßen, aber leider trägt der Film das nicht und Ellis zeigt sich maximal als Routinier, der die Reihe hoffentlich damit zu Grabe trägt. So sollten die Fans des Fiesen bei den ersten drei Teilen bleiben, wer allerdings im Minutentakt an der Optik gekitzelt werden möchte, der mag hier reinschauen. Wenn das wirklich die Zukunft des Kinos ist, dann wende ich mich lieber verstärkt Büchern zu. 5 bis 6 für 3D-Fans, ansonsten maue 4/10

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