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Freudiges Unfallkino, die Vierte, nun aber in 3D: Ohne direkte Anknüpfungen an die Vorgänger (so wie beim dritten Teil auch schon) geht „Final Destination“ in die nächste Runde.
Gab sich der erste Teil noch teilweise düster und mysteriös, so tendierten die Nachfolger zunehmend gen Funkino und Teil 4 führt die Reihe da konsequent weiter. Zu den Klängen von Shinedowns „Devour“ geht es auf die Rennbahn, wo der gewohnte Initiationsunfall stattfindet, was aber ein potentielles Opfer voraussieht. Also haut eine kleine Truppe Männekes ab, während unglaubliche Zufälle zum Massensterben führen.
Natürlich passt dem Tod diese Abweichung von seinem Plan so rein gar nicht und so rafft der Sensenmann die Überlebenden dahin, indem er abstruse Unfälle inszeniert. Bald kommen die Opfer aber auf den Trichter, was hier abgeht...

Komplizierte Recherchen oder ein Besuch bei Leichenbestatter Tony Todd sind im neuesten Aufguss der Franchise aber nicht mehr nötig, denn der Held hat stets die passenden Visionen, die ihn auf die richtige Spur lenken, Google erledigt den Rest, sodass die Riege nach den ersten Dahingemetzelten blickt, was Phase ist. Wie schon Teil 3 ohne Verbindungen zu den ersten Teilen, wobei der dritte immerhin durch das stimmliche Einbinden Tony Todds ein Minimum an Brückenschlag versuchte. Teil 4 hat da als einzigen Anknüpfungspunkt den Vorspann, in dessen Verlauf die Todesarten früherer Filme als 3D-Animation dargestellt werden.
Der 3D-Aspekt gehört da auch zu den klaren Vorteilen des Films, denn „Final Destination 4“ ist rein auf derartige Oberflächenreize anlegte. Also ist die Devise nicht nur die, die Opfer möglichst kreativ aus dem Leben zu befördern, außerdem soll dabei möglichst noch etwas in Richtung Zuschauer fliegen, damit der kurzfristige Wow-Effekt vorprogrammiert ist. Tatsächlich funktioniert der Film in seinen Todesszenen am besten, das creative killing trägt illustre Stilblüten, weshalb der Film in der entsprechenden Runde mit johlendem Publikum (und natürlich in der 3D-Version) schon einen gewissen Reiz hat.

Im Austausch für dieses Vergnügen erwartet „Final Destination 4“ dann lediglich, dass man jede Form von höherem Anspruch an das Drehbuch fahren lässt, da es einzig und allein zur Verbindung der Kills dient – mal abgesehen von dem hemmungslos blöden Plottwist kurz vor Schluss, aber der verärgert ähnlich wie die Kopie der Schlusspointe der Vorgänger. Vor allem aber muss man sich mit Charakteren abfinden, die wahlweise profillos oder unsympathisch sind. Gerade die beiden Hauptfigurenpaare können vom späten Teen- bis Twenalter zu jeder Rolle passen mit Blick auf Hollywoods übliche Castingpolitik, was sie arbeiten oder studieren wird nie gezeigt. Sie wohnen in einem Haus (das eigene?) und haben scheinbar genug Zeit, um andauernd Kino (in dem übrigens Szenen eines fiktiven 3D-Films zu sehen sind; der Fan identifiziert aber ganz kundig „The Long Kiss Goodnight“ als Bildspender), Rennbahn, Pool oder Autowaschanlage aufzusuchen, um dort beinahe oder tatsächlich zu Tode zu kommen.
Derartig schlurig geschriebenen Charakteren trauert man keine Träne nach, aber man soll auch klatschen, aber selbst dafür sind einen die meisten Charaktere zu egal und die Wahl profilloser Darsteller macht das Ganze nicht einfacher. Einzig und allein Mykelti Williamson erbringt eine nennenswerte Performance, bekommt dann auch die dankenswerte Rolle als Wachmann mit wenigstens einem Ansatz von Hintergrundgeschichte, doch zum Dank behandelt das Script ihn nur hin und wieder.

In größerer Runde und in 3D macht „Final Destination 4“ schon irgendwie Spaß, aber im tiefen Grunde seines Herzens weiß man, dass man einen mäßig geschriebenen Film beiwohnt, der ideenlos die Blaupause der Vorgänger nachzeichnet. Bei den Kills ganz amüsant, aber mangels Innovation und interessanter Figuren schnell wieder vergessen.

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