Jackie Chan funktioniert in Hollywood am Besten, wenn er zusammen mit einem leichtsinnigen Plappermaul agieren darf. War es in „Rush Hour“ noch Chris Tucker, so ist hier Owen Wilson, der mit so einschlägigen Rollen wohl nie seinen Durchbruch schaffen wird. Gegensätze ziehen sich an und sind die Substanz eines jeden Buddymovies, so dass hier der Kulturkonflikt zwischen Fernost und dem Wilden Westen als Motiv genommen wird.
Ohne lange mit Hintergründen zu fackeln, oder auf eine ordentliche Story zu setzen, die sowieso zur Nebensache verkommt, verfrachtet sich Chon Wang (Jackie Chan, sein Name wird hier zufällig wie John Wayne ausgesprochen) selbst aus dem Land der aufgehenden, in das Land der untergehenden Sonne, um dort, als verhinderter Retter einer entführten Prinzessin, von einem Fettnäpfchen ins Nächste zu stolpern, sein Ziel, den Entführer dingfest zu machen und die Prinzessin, in die er heimlich verliebt ist, zu retten, aber nie aus den Augen verliert.
Dabei trifft er schon bald auf den Aufschneider Roy O’Bannon (Owen Wilson), seines Zeichens Desperado, dem während eines Zugüberfalls seine ganze Planung, aufgrund seiner Unfähigkeit, aus dem Ruder läuft. Die besseren Szenen hat in Folge eindeutig Jackie Chan, der stark mit dem Kulturcrash zu kämpfen hat und umgehend bei einem Indianerstamm landet, wo er, während einer durchzechten Nacht, verheiratet wird, sich aber, stark verwirrt, der nächsten Stadt zuwendet, wo ihn, dem Chinesen in Indianerkostüm, die Bewohner natürlich nicht sonderlich willkommen heißen.
Neben den mal wider erstklassig choreographierten, mit passenden Ohrwürmern unterlegten, Kämpfen Jackie Chans, die einige urkomische Kampfsituationen und nette Ideen, wie die Nutzung eines Hirschgeweihs als eine Art klingonisches Bat'leth, zu bieten haben, wird schnell deutlich, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptprotagonisten stimmt. Anfangs noch versuchend sich gegenseitig zu hintergehen, bringen sie sich gegenseitig die Vorteile ihre Kulturen bei und wachsen so zu einem harmonischen Duo, dass seine kleinen Neckereien aber nie verdrängen kann. Allein schon ihr Saufspiel in der Badewanne, oder ihre Flucht mit Eisen biegendem Seidentuch aus dem Gefängnis ist schon ein Einschalten wert.
Leider wird das ständige Aneinanderreihen von brenzligen Situationen und Rettungen in letzter Sekunde, die im übrigen oft dank tatkräftiger Mithilfe von Chans Indianerbraut gelingen, auf die Dauer doch sehr eintönig, so dass Ausgang wie weiterer Plotverlauf doch sehr vorhersehbar sind. Positiv fallen dabei nur die Anspielungen auf Westernklischees und eben Chans Kampfkünste auf, neben den Wilson oft sehr blass bleibt. Hat sich eigentlich jemand gefragt, warum der Chinese Wang auf einmal fließend englisch sprechen kann?
Auch wenn „Shanghai Noon“ die Klasse zu einem „großen“ Film fehlt, bleibt er doch fast durchweg spaßig und actionreich. Lucy Liu bleibt leider nur nettes Beiwerk und das Finale verläuft zu eintönig, aber die vielen Ideen des Scripts können, wie den selbst verbrochenen zähen Plot, wieder wettmachen. Seien es die mit exotischen Ideen verbundenen Kämpfe, die Wortgefechte oder der pure Kulturcrash; „Shanghai Noon“ besitzt ein hohes Potential an einfallsreichen Momenten, das dann, dank Chan und Wilson, auch meist herrlich ausgekostet wird.
Fazit:
„Shanghai Noon“ lebt ganz eindeutig von seinem Westernszenario, dem in den letzten Jahren kaum Beachtung geschenkt wurde und hat, dank der unterschiedlichen Kulturen, den beiden gegensätzlichen Figuren, dem Spiel mit bekannten Klischees und abwechslungsreichen, musikalisch klasse untermalten, Kämpfen einige exotische Momente zu bieten. Schade, dass dabei die vorhersehbare Story so auf der Strecke bleibt und ein Spannungsbogen damit nicht vorhanden ist. Für einen netten Abend jedoch zu gebrauchen und mehr verlange ich, in diesem Fall, auch gar nicht.