<!--StartFragment -->"Friss oder Stirb" als Leitspruch auch dieser nahezu unbekannten, in das Aus der Tilgung geratenen Cine-Century Company Produktion, die in all ihrem Bemühen eher etwas stur Sittliches als wirklich Leidenschaftliches in der Anfertigung hat.
Auch hier ist das Geld dahinter sichtlich knapp bis nahezu Null und Nichtig vorhanden und läuft die Dramaturgie des Ganzen mehr nach dem Motto von "Sehen und Gesehen werden" statt dem großen Hauen und Stechen ab; die Handlung lehnt sich zwar eng an den Kanon des Heroic Bloodshed an, hat aber keineswegs die Wege und Mittel, wirkliches Blutvergießen in Szene zu setzen. Wie so oft wird deswegen meist nur darüber geredet, sich in drei - vier handgreiflichen Zerwürfnissen kaschiert, die finale Showdown-Entscheidung einer wüsten Massenschlägerei aus Kostengründen immer weiter hinaus geschoben und die Auseinandersetzung bis dahin im Durchmischen aller möglichen Kombinationen von Umständen und entsprechend auf der rein verbalen Ebene gehalten:
Der ehemalige Triadenführer Hung Fat [ Vincent Wan ] hat sich nach dem Tod von Bruder und Schwägerin aus dem kriminellen Geschäft zurückgezogen, und versucht auch seine nunmehr herangewachsenen Neffen Sing [ Paul Sze ] und To Kai-man [ Wong Lai-guen ] aus allen Schwierigkeiten heraus zu halten. Doch Sing lässt sich von dem mit Amphetaminen dealenden Ngau [ Hon Gwok-choi ] zum Vertrieb überreden, wobei sie unangenehm der Konkurrenz von Guai [ Wong Siu-ming ] auffallen. Als der spielsüchtige Ken [ Lee Chuen-sing ] zusammen mit einem Freund [ Ho Pak-kwong ] bei Guai in die Schuldenfalle geraten, und sich noch zusätzlich der Gangboss Big Head [ mit Halskrause: Tommy Wong ] in die vertrackte Angelegenheit einmischt, werden unweigerlich auch To und seine neue Freundin Lee Ting [ Sabrina Cheung ] in den zunehmend gefährlichen Strudel gesogen.
Trotz unzweifelhaft guter Ansätze in der Geschichte, die gar ein bis zwei kleinere Überraschungen hinsichtlich des Hinausschreibens von Charakteren und darüber hinaus auch ein konkretes, wenn auch schmales Verständnis für die Charta des Genres aufweist, lässt sich der niederschlagene Eindruck einer gewissen tauben Ausgedörrtheit bis hin zur empfindungslosen Abgestorbenheit nicht gänzlich vermeiden. Das Gefühl einer sinnlosen, da vom wirklichen Antrieb entwurzelten Bewegung und der geistigen Aufregung breitet sich rasch in den kargen, von der ewig gleichen Handvoll Darstellern zerwuselten Räumen aus. Eine Atmosphäre des von Anfang an verlorenen Kampfes um Gegenwart und Zukunft, wo nur der knorrigen Vergeblichkeit ein langes Dasein beschieden sein wird.
Letztlich ist dies ein Verlustgeschäft für Alle, aktiv wie passiv, eigentlich auch von Weitem schon absehbar und wie als verheißendes Omen auch zweimal mit einem Ereignis aus der Vergangenheit angekündigt. Der frühe Tod der Eltern von Sing und To im schon damals herrschenden Bandenkrieg als Zeichen von allgegenwärtiger Frucht- und Nutzlosigkeit, als Signal der Missernte, als Symptom für die überall anzutreffende Aura der speziellen Morbidität, in der man sich wie im Kreislauf um die Vorstellung des Niedrigen herum bewegt. Die allgemeine Gemütsfassung aller Beteiligten der entbehrungsreichen Periode lässt keinerlei Überzeugung, sondern nur die Resultate einer ewig währenden brotlosen Kunst erkennen; ein Stillstand aller Figuren und ihrer Taten, ein Dasein im Leerlauf der plötzlich einreißenden und ausnahmslos betreffenden Not gefristet. Eine anachronistische Filmwelt, in der Jeder die alten Probleme erneut aufrollt und Keiner den Anderen wirklich in Ruhe sein Leben leben lässt.
Das Trauerspiel geringscheinender Dynamik und nüchternem Stand der Tatsachen wirkt sich nicht bloß lähmend auf die immerhin klar umrissenen, wenn auch recht persistenten Charaktere, sondern wegen seiner verstockten Unzulänglichkeit alsbald auch auf den Zuschauer aus. Dort, wo die Welt ein Dorf ist, Jeder Jeden kennt und man von der Hand in den Mund lebt, bekommt man auch stetig die gleiche erklärverliebte Suada von großen Träumen, gemachten Versprechen, das Gesicht bewahren und das Territorium verteidigen geboten. Und auch wenn sich Regie, Kamera in Schräglage und Darsteller bei ihrem geringfügigen Talent sichtlich alle Mühe geben, und die aufgrund ihrer kostengünstigen Einarbeitung überhand nehmenden Dialoge nicht bloß relativ relevant auf die thematische Problematik gehalten sind, ihr Einprasseln wird ohne Glauben und entsprechend zutragender Arbeit in Sachen mimischer, gestischer oder artikulierender Effekte vollzogen.
Genauso, wie die mit Klapptisch und Plastikstuhl jämmerlich möblierten Zimmer mit gleichfalls hässlichen Tagesdecken vor dem Fenster verhangen sind und so die Sonne aus der sozialen Unterdrückung ausgesperrt wird, genauso ist der zwischen schonungsloser Ausbeutung und Kampf gegen die Lage pendelnde narrative Ablauf von Wärme und Kraft gelichtet. Eine durch den Sparzwang auferlegte Paralyse, die mitsamt denselben tragischen Ausbrüchen und unglücklichen Wirkungen schon die Jahre zuvor bei den jeweils mehrere Teile umfassenden Triaden-Sagen Raging Youth, The Secret Society und Street Kids verordnet wurde. Eine einzige Sackgasse.