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Die Combo Scott Adkins/Isaac Florentine hatte bisher immer für unterhaltsame B-Action gesorgt, aufgrund Studioeingriffen bei „The Shepherd“ nicht ganz so sehr wie vorher, aber man durfte auch das nächste Projekt „Ninja“ gespannt sein.
Gleich der Einstieg ruft Erinnerungen an amerikanische Ninjafilme der 80er hervor, die Sho Kosugi Filme, die „American Ninja“-Reihe und „Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“. Ein paar Texttafeln führen in die Welt der maskierten Meuchelmörder ein, anschließend sieht man einem Ninjaclan beim Training zu, aus dessen Mitte der Amerikaner Casey Bowman (Scott Adkins) heraus sticht. Als Junge nach dem Tode seines Vaters von den Ninjas aufgenommen, ist Casey nun zum Vorzeigeschüler des Dojos geworden.
Das sorgt natürlich für Spannungen ob seiner Nationalität und während der Sensei (Togo Igawa) ihn unterstützt, findet er in Masazuka (Tsuyoshi Ihara) einen Rivalen, der ihn bei einem Trainingskampf gar mit einem echten Schwert attackiert. Für Masazuka gibt es eine Narbe Gesicht und den Rauswurf aus dem Clan als Dankeschön und man ahnt schnell, wer von nun als der Oberfiesling des Ganzen sein wird. Zur Bestätigung gibt es dann noch zu sehen, dass Masazuka als freischaffender Assassine später ein besonders brutaler Typ ist.

Jahre nach dem Rauswurf kehrt Masazuka zurück und fordert die Nachfolge des Sensei ein, bereit sie notfalls mit Gewalt zu holen. Aus Sicherheitsgründen sollen Casey und Namiko (Mika Hijii) den wertvollsten Schatz des Clans, eine Schatztruhe voller Waffen, in New York verstecken…
Wenn das eher simpel gestrickte Drehbuch des aktuellen Florentine-Films einen Vorteil hat, dann ist es sicher das hohe Tempo, denn nach der Exposition geht es eigentlich Schlag auf Schlag: Masazuka radiert den in Japan verbliebenen Clan aus, nimmt Caseys und Namikos Spur auf und verfolgt sie in New York mithilfe einer Verbrecherorganisation, für die er öfter arbeitet. Flott reiht „Ninja“ also Attacken auf und Gegenangriffe von Casey und Namiko aneinander, sodass es dann egal ist, dass das Script an sich nur bekannte Ninjafilmversatzstücke benutzt, denn das passiert hier immerhin auf sehr flotte Weise.

Die Ansätze von Tiefgang, an denen sich „Ninja“ versucht, funktionieren dann wiederum nicht ganz so gut, da Florentines Film die meisten Subplots schnell fallen lässt. Da sucht Casey nach seiner Mutter in New York, man erwartet große Offenbarungen und/oder eine lebensverändernde Erfahrung – doch Pustekuchen: Casey erfährt, dass seine Mutter bereits verstorben ist, danach spielt dies keine Rolle mehr und stattdessen darf man sich nur noch der Feinde erwehren, etwas miteinander flirten und einen Cop überzeugen, dass man vielleicht doch nur das Opfer einer Intrige ist. Wobei letztere Subplotelemente nur am Rande mitlaufen, der Mainplot beschäftigt sich vor allem mit der Feindbekämpfung.
Doch im Actionbereich liefert Florentine mal wieder zuverlässig, denn die zahlreichen Fights zeugen mal wieder von der gewohnten Adkins/Florentine-Qualität. Zwar gibt es kaum Verfolgungsjagden und nur seltenen Schusswaffengebrauch, doch die Choreographie der Martial Arts Kämpfe ist so abwechslungs- wie einfallsreich, dass „Ninja“ nie eintönig wird. Wieder gibt es famose Moves und spektakuläre Kicks zu sehen, wobei Caseys Fight gegen die Organisationsmitglieder das Highlight darstellt, während das finale Duell Ninja vs. Ninja etwas länger sein könnte. Es spritzt reichlich CGI-Blut, was zwar leicht künstlich aussieht, von Florentine aber stimmig in den Film eingearbeitet wird und dem Treiben etwas Comichaftes gibt.

Gerade im Bereich der Inszenierung ist „Ninja“ wirklich ein tolles B-Picture, das sein geringes Budget durch einen stimmigen, meist in düsteren Blautönen gehaltenen Look gekonnt übertüncht und neben „The Tournament“ klar das B-Actionhighlight 2009 darstellt. So schick sah ein Florentine-Film selten aus, gerade im Vergleich zu „The Shepherd“ kommt „Ninja“ deutlich edler rüber und erinnert an den naiven Charme solch gut ausgestatteter Ninjafilme wie „American Fighter“ oder „Die Rückkehr der Ninja“.
Scott Adkins spielt den Helden so gut das Drehbuch ihn lässt, gegen die fehlende Charakterzeichnung kann er aber nur teilweise anspielen, da waren Figuren wie Uri Boyka aus „Undisputed 2“ besser ausgearbeitet. Trotzdem gehört der Mann immer noch zu den charismatischsten Vertretern der neuen B-Actiongeneration. Todd Jensen in der Coprolle gibt ordentlichen Support, Tsuyoshi Ihara gibt einen mehr als brauchbaren Bösewicht ab und Mika Hijii überzeugt in der Rolle als Sidekick und Love Interest in Personalunion, der Rest vom Fest erbringt eher Routineleistungen.

Das Script ist nicht das einfallsreichste und der starke CGI-Einsatz irritiert etwas, aber dennoch gehört „Ninja“ sicher zu den besten Filmen Florentines, da die spektakulären Kampfszenen, der fast zum A-Movie reichende Look und das hohe Tempo diese Mankos mehr als wettmachen. „Ninja“ spielt in einer Liga mit „Special Forces USA“ und „Undisputed 2“; ersterer hatte die meiste Action, letzterer sehr gut ausgearbeitete Charaktere, „Ninja“ hingegen gewinnt im Bereich Ausstattung und Optik. Ein Fest für B-Actionfans.

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