Nach einer Katastrophe ist auf der Erde nichts mehr, wie es war. Bäume und Pflanzen sind abgestorben, es gibt keine Ernten mehr und auch Tiere sind extrem selten geworden. Mitten in dieser sterbenden Welt, die andauernd von Erdbeben erschüttert wird, in der Brände und andauernde Kälte an der Tagesordnung stehen, versucht ein Vater, gespielt von Viggo Mortensen, mit seinem Sohn zu überleben. Er schlägt sich nach Süden, ans Meer, durch.
Vor nicht wenigen Monaten zelebrierte Roland Emmerich mit "2012" regelrecht den Weltuntergang, woraufhin das Ganze in "Legion" mit biblischem Hintergrund und nicht in Bezug auf den Maya-Kalender wiederholt wurde. Und auch "Resident Evil" meldet sich mit dem vierten Teil zurück, in dem mal wieder Zombies für das Ende der Welt sorgen, wie schon in "Die Nacht der lebenden Toten" oder "28 Days Later". Gut, dass John Hillcoat, der zuletzt "Proposition" inszenierte, hier nicht auf vordergründige Effekte, Action- und Splatterszenen setzt, sondern auf Charaktere, Ideen und seine hervorragenden Darsteller. So ist ihm ein filmisches Unikat gelungen, das im Endzeitgenre Abwechslung bietet.
Wie im gleichnamigen Roman, auf dem der Film basiert, wird auch hier die Ursache der Katastrophe, an der die gesamte Welt scheinbar zu Grunde geht, nicht genannt. Auch der Hintergrund des Vaters und seines Sohns ist zunächst unklar, wird dann erst nach und nach preisgegeben. Der Zuschauer wird also direkt in die trostlose, postapokalyptische Welt geworfen, die von Hillcoat ausgezeichnet in Szene gesetzt ist. Die Bilder der kargen Landschaften, der abgestorbenen Bäume, die leisen, melancholischen Klänge im Hintergrund sorgen direkt für eine triste Atmosphäre, die kaum kälter und trostloser sein könnte. Die Bilder sind düster aber faszinierend und fesseln von Anfang an. Nur wenige Filme erreichen eine derart triste, kalte Wirkung.
Hillcoat legt dabei ausgesprochen viel Konsequenz an den Tag und zeigt die erbärmlichen Lebensumstände, unter denen die Überlebenden leiden, mehrfach deutlich auf. Er zeigt, wie viele Menschen schließlich den Selbstmord als letzten Ausweg aus diesem Elend gewählt haben, die Frau des Protagonisten, die ihr Kind am liebsten mit in den Tod genommen hätte, weil sie den Kampf ums Überleben nicht mehr ertragen hat. Er zeigt Menschen, die zu Kannibalen geworden sind, sich ihre Artgenossen wie Vieh im Keller halten, er zeigt, wie die Menschen ihre Menschlichkeit verlieren. Dabei erreicht er ohne explizite Gewaltdarstellungen eine ausgesprochen drastische Wirkung und schockiert, auch wenn er auf konventionelle Schockmomente verzichtet.
Da Hillcoat also nicht nur von einer Action-Szene zur nächsten hastet, bleibt ihm Zeit, um sich um die Charaktere zu kümmern und Fragen zu Menschlichkeit und Humanität zu stellen. Er zeichnet das Bild eines Vaters, der will, dass sein Sohn überlebt und sich auf die Hoffnung stützt, dass irgendwo im Süden schon alles besser sein wird. Er weiß, dass er sterben wird, er ist von Tag zu Tag schwächer, so versucht er, seinen Sohn so weit zu bringen, wie er ihn zu begleiten vermag, ihm zu zeigen, wie er auch ohne ihn überleben kann. Diese Vater-Sohn-Beziehung steht im Mittelpunkt des Films, ist sehr emotional wiedergegeben, wobei stellenweise vielleicht sogar ein wenig Kitsch aufkommt, aber sie ist derart in den Fokus des Films gerückt, dass man fast meint, dass Schicksal der Welt hinge von den beiden ab. Sie scheinen das letzte bisschen Menschlichkeit in dieser Welt zu haben. Die beiden denken öfter an Selbstmord, doch die Bindung hält sie am Leben, vielleicht ist es aber auch nur reiner Lebenstrieb.
Auch andere, die nicht beschlossen haben, diese Welt durch einen Selbstmord hinter sich zu lassen, irren umher, bei vielen steigert sich der Überlebenstrieb in blanken Egoismus, sodass viele Menschen zu Kannibalen werden, Hilflose überfallen und ausrauben. Wo die Menschlichkeit schließlich endet, ist eine Frage, der die Macher ebenfalls nachgehen, zumal auch der Vater zu Mitteln greift, um seinen Sohn zu beschützen, die man als unmoralisch oder unmenschlich ansehen könnte. Sein Sohn weißt ihn öfter darauf hin, dass er Grenzen überschreitet, fragt, ob er und sein Vater in dieser bösen Welt wirklich noch "die Guten" sind. Von diesen moralischen Fragen und natürlich von der dichten Atmosphäre lebt der Film, der immer spannend bleibt, dann aber einen schwachen Abschluss hat. Das Ende, man mag es als überemotional, fast schon als kitschig bezeichnen, will einfach nicht so recht ins Bild passen und kommt allzu abrupt.
Zum Gelingen des Films tragen aber auch die Darsteller einen erheblichen Anteil bei. Viggo Mortensen zeigt einen schauspielerischen Kraftakt. Man sieht ihm die Torturen, die er überstanden hat, das Dahinsiechen seines Körpers, deutlich an, er wirkt geschunden und verbittert, ein grausamer Anblick. Aber auch, wenn er seinen Sohn in seinen Amen hat und irgendwie glücklich lächelt, wirkt er dabei vollkommen authentisch und wird seiner Rolle somit voll und ganz gerecht. Auch Kodi Smit-McPhee ist lobend zu erwähnen und meistert seinen Part sehr gut, was angesichts seiner mangelnden Erfahrung und seines Alters von gerade einmal 14 Jahren sehr beeindruckend ist. Robert Duvall zeigt einen überragenden Auftritt als halb erblindeter alter Mann, ein wirklich beeindruckendes darstellerisches Highlight. Aber auch Charlize Theron, Guy Pearce und die übrigen Nebendarsteller zeigen gute Leistungen.
Fazit:
"The Road" zeichnet sich in jeder Hinsicht durch die Konsequenz seiner Macher aus. Statt mit vordergründigen Effekten oder Gewaltdarstellungen zu schockieren, wird auf triste Bilder und eine düster Story gesetzt, die ein Bild zeichnet, in dem die Menschen ihre Menschlichkeit verlieren, zu Kannibalen werden und im Kampf ums Überleben mehr Tier als Mensch sind. Mittendrin erzählt Hillcoat eine emotionale Geschichte um den Vater und seinen Sohn, die hier ums Überleben kämpfen. Zuletzt sind es die darstellerischen Kraftakte, die den Film auszeichnen, wobei das Ende einen faden Beigeschmack hinterlässt und hier und da vielleicht ein wenig überemotional erzählt wird.
82%